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Welthunger, Klimakatastrophe, Naturzerstörung: Eine Fleischfrage

15.07.201307:47 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Welthunger, Klimakatastrophe, Naturzerstörung: Eine Fleischfrage

(openPR) Für die industrielle Fleischproduktion werden Böden übernutzt und übersäuert, Regenwälder abgeholzt, Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich ausgerottet, Wasser vergeudet und vergiftet, das Klima zerstört und wertvolle Lebensmittel, welche hungernde Menschen ernähren könnten, verschwendet.



Der Zusammenhang von Fleischkonsum und Welthunger

Eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten hungert - ist also permanent schwerst unterernährt-, weitere zwei Milliarden sind unterernährt. Gleichzeitig sind laut der Weltgesundheits­organisation WHO eine Milliarde Menschen überernährt, also massiv übergewichtig.

Allein in Deutschland hat jeder zweite Erwachsene, jeder dritter Jugendliche und jedes fünfte Kind Übergewicht. Mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen - von Herz-Kreislauferkrankungen als »Todesursache Nummer 1« - wie Herzinfarkt und Schlaganfall - bis Diabetes. Ursache ist die bei uns übliche »Western-Diet« mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten aus Fleisch und Milchprodukten.

Die Vereinten Nationen rechnen in naher Zukunft mit einer neuen globalen Lebensmittelkrise. Schon heute verhungert alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren.
Jean Ziegler, ehemals UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, bringt es wie folgt auf den Punkt: »Ein Kind, das verhungert, wird ermordet.« Jean Ziegler hat ein Aufsehen erregendes Buch geschrieben, das den Titel trägt: »Wir lassen sie verhungern: Die Massenvernichtung in der Dritten Welt«. Hierin bezeichnet er den jährlichen Hungertod von mehreren zehn Millionen Männern, Frauen und Kind als den »Skandal unseres Jahrhunderts«. Denn laut World Food-Report der UNO könnte die Weltlandwirtschaft heute problemlos fast 12 Milliarden Menschen ernähren, also fast das Doppelte der Weltbevölkerung.

Sogar das deutsche Umweltbundesamt rät inzwischen zu einer Reduzierung des Fleischkonsums innerhalb der Industrieländer, um den Welthunger zu entschärfen.

In der industriellen Tierhaltung wird massenhaft Nahrung - Mais, Soja und Getreide - verfüttert, die in den Entwicklungsländern den hungernden Menschen fehlt. Ein Drittel des weltweiten Ackerlandes dient der Futterproduktion für die Fleischindustrie. Fast die Hälfte der weltweiten Getreideernte und 80 bis 90 Prozent der Sojaernte landen in der Massentierhaltung. Die armen Staaten sind aufgrund der Überschuldung gezwungen, hochwertige, für die menschliche Ernährung notwendige Pflanzennahrung als Viehfutter zu verkaufen - obwohl die eigene Bevölkerung zum Teil nicht genug zu essen hat. Ganze 60 Prozent der Futtermittel, die in den reichen Ländern in der industriellen Massentierhaltung verfüttert werden, sind Importe aus den Entwicklungsländern.

Nur ein Bruchteil der verfütterten Nahrung wird in Fleisch umgewandelt: Um 1 Kilo Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7 bis 16 Kilo Getreide oder Sojabohnen. Bei der »Umwandlung« von Getreide in Fleisch gehen durch diese künstliche Verlängerung der Nahrungskette unter anderem 90% Eiweiß, 99% Kohlen­hydrate und 100% Faserstoffe verloren. Fleischverzehr ist also die effektivste Form der Nahrungsmittelvernichtung - ein Verbrechen, wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten hungert!

Wissenschaftler warnen vor katastrophaler Wasserknappheit durch Fleischkonsum

Fast einer Milliarde Menschen fehlt der Zugang zu sauberem Wasser, jedes Jahr sterben etwa 3,5 Millionen Menschen an den Folgen schlechter Wasserversorgung. Forscher warnen seit
langem, dass das Wasser knapp wird.

Wissenschaftler des Stockholm International Water Instituts haben 2012 berechnet, dass die Menschen in den nächsten 40 Jahren fast komplett zu Vegetariern werden müssen, um katastrophale Auswirkungen der Wasser- und Nahrungsmittelknappheit zu verhindern. In der Studie »Feeding a thirsty world: Challenges and opportunities for a water and food secure world« warnen die Wissenschaftler: »Wenn wir die gegenwärtigen Ernährungstrends beibehalten, wird es nicht genügend Wasser geben, um das Essen für die 2050 erwartete Neun-Milliarden-Bevölkerung zu produzieren«. Der Fleischkonsum müsse deutlich reduziert werden, damit mit dem verfügbaren Wasser und Ackerland Lebensmittel für die wachsende Weltbevölkerung angebaut werden könnten, so die Studie des Stockholm International Water Instituts.

Die Fleisch-Produktion verbraucht ein Vielfaches mehr an Wasser als der Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Getreide oder Gemüse. Für die Produktion von nur 1 Kilo Rindfleisch werden bis zu 15.400 Liter Wasser verbraucht - das ist so viel Wasser wie der Jahresverbrauch bei täglichem Duschen.
Zum Vergleich: Für die Produktion von 1 Kilo Weizen werden 1.300 Liter Wasser gebraucht, für 1 Kilo Kartoffeln 255 Liter und für 1 Kilo Karotten nur 131 Liter.

Durch eine vegetarische Ernährung könnte also die Menge des verfügbaren Wassers deutlich erhöht werden!

Die Auswirkungen des Fleischkonsums auf das Klima

Die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima sind immens. Dies belegen Studien der UN-Welternährungsorganisation FAO, des World Watch Instituts, des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und des WWF.

- Die WWF-Studie »Klimawandel auf dem Teller« kam 2012 zu dem Ergebnis: Würden die Deutschen ihren Fleischkonsum auf die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Höchstmenge von 450 Gramm Fleisch pro Woche reduzieren, würden sie davon nicht nur gesundheitlich enorm profitieren, sondern es könnten pro Jahr 27 Millionen Tonnen an klimaschädlichen Gasen eingespart werden. Das entspricht etwa 225 Milliarden Kilometern mit dem Auto.

- 2006 veröffentlichte die UN-Welternährungsorganisation FAO eine vielbeachtete Studie mit dem Titel »Der lange Schatten der Viehwirtschaft«. Bereits darin wird die Massentierhaltung als wichtigster Faktor der von Menschen verursachten Treibhausemissionen genannt - noch vor dem Verkehr.

- Die berühmte Studie des Worldwatch Institute kam 2009 zu dem Ergebnis: Etwa die Hälfte der menschenverursachten Treibhausgase entsteht bei der Nutztierhaltung und der Verarbeitung von Tierprodukten.

- Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung veröffentlichte 2010 eine Studie, die dazu aufruft, den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten zu verringern, da dadurch der landwirtschaftlich bedingte Ausstoß von Methan und Lachgas um mehr als 80%
reduziert werden kann.

- Eine Studie der UNO aus dem Jahr 2010 enthält ebenfalls klare Aussagen: Die Landwirtschaft - insbesondere die Viehzucht für Fleisch und Milchprodukte - ist verantwortlich für 20 Prozent der Treibhausgasemissionen, für 60 Prozent der Phosphor- und
Stickstoffemissionen und für 30 Prozent der Gift-Emissionen in Europa - insbesondere von Chemikalien. Hinzu kommen 70 Prozent des weltweiten Süßwasserverbrauchs. Eine wesentliche Reduzierung dieser Auswirkungen wäre nur möglich mit einer grundlegenden weltweiten Ernährungsumstellung, weg von tierischen Produkten.

Der Zusammenhang von Fleischkonsum und Regenwaldzerstörung

Der Fleischkonsum ist für 90 Prozent der Zerstörung des tropischen Regenwaldes verantwortlich: Die Regenwälder werden für Weideflächen und zum Anbau von Futtermitteln abgeholzt.

In Südamerika wurden seit 1980 fast 40 Prozent des vorhandenen Regenwaldes für den Anbau von Futtermitteln für die industrielle Massentierhaltung gerodet, wie das Worldwatch Institute in der Studie »Meat. No it’s Not Personal« belegte. Und die Vernichtung der Tropenwälder ging und geht in den meisten Regionen ungebrochen weiter - 12 Millionen Hektar sind es pro Jahr.

Allein in Deutschland werden etwa 13 Millionen Rinder und fast 27 Millionen Schweine in industriellen Massenställen gehalten. Die für so viele Millionen Masttiere benötigte Menge an Futtermitteln kann nicht in Deutschland produziert werden - dafür werden Soja und Getreide aus der ganzen Welt importiert. In Südamerika, vor allem in Brasilien, werden riesige Flächen tropischer Wälder gerodet, um Soja anzubauen. Weltweit größter Abnehmer von brasilianischem Soja ist übrigens Deutschland - fast ausschließlich Futter für die Massentierhaltung. Über 80 Prozent des nach Deutschland importierten stammt aus Südamerika. Und dies, obwohl die ärmere Bevölkerung in Lateinamerika nicht genug zu essen hat.

Mit Messer und Gabel kann jeder Einzelne für den Schutz der Regenwälder und ihrer Bewohner aktiv werden! Denn eine pflanzliche Ernährung kann die Wälder bewahren. Die Rodung des Regenwaldes ist nicht nur für unser Klima problematisch - zahllose Pflanzen- und Tierarten verlieren dadurch viele davon sind noch nicht einmal entdeckt und sterben unwiederbringlich aus. Nirgendwo auf der Welt leben mehr Arten als in den tropischen Regenwäldern: schätzungsweise 70 Prozent aller tierischen und pflanzlichen Landlebewesen.


Quellen und Studien:

Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern: Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. C. Bertelsmann Verlag, 2012

Positionspapier des Umweltbundesamts, 2012: Globale Landflächen und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonende nutzen
www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4321.html

Studie des Stockholm International Water Instituts: Feeding a thirsty world: Challenges and opportunities for a water and food secure world. 2012.
pdf-download: www.siwi.org/documents/Resources/Reports/Feeding_a_thirsty_world_2012worldwaterweek_report_31.pdf

WWF-Studie 2012: Klimawandel auf dem Teller
www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf

Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, 2010: Food consumption, diet shifts and associated non-CO2 greenhouse gases from agricultural production
www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2010/klimaschutz-durch-bewusste-ernaehrung
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378010000075

UNO-Studie, 2010: Assessing the Environmental Impacts of Consumption and Production
www.unep.fr/shared/publications/pdf/DTIx1262xPA-riorityProductsAndMaterials_Report.pdf

Studie des Worldwatch Institute, 2009: Livestock and Climate Change. www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf

FAO-Studie, 2006: Der lange Schatten der Viehwirtschaft / Livestock’s long shadow
www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.HTM
ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/A0701E/A0701E00.pdf

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