(openPR) Hamburg, 28. August 2012 – Die Hamburger Schulen sind für den inklusiven Unterricht von Schülern mit Behinderungen in allgemeinbildenden Schulen nicht mit genug Stellen für Sonderpädagogen ausgestattet. Mehr als die Hälfte der Grundschulen hat von der Schulbehörde keine volle Stelle für einen Sonderpädagogen zugewiesen bekommen.
103 von 192 Hamburger Grundschulen, also mehr als jede zweite Grundschule, haben für das laufende Schuljahr 2012/2013 nicht einmal eine volle Stelle für eine Sonderpädagogin oder einen Sonderpädagogen zugewiesen bekommen. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage des parteilosen Abgeordneten in der CDU-fraktion Dr. Walter Scheuerl (Drs. 20/4909) vom 21. August 2012 hervor. An den 47 Stadtteilschulen, in deren 5. Klassen jetzt zahlreiche Schülerinnen und Schüler mit ganz unterschiedlichen sonderpädagogischen Förderbedarfen eingeschult wurden, sieht es noch schlimmer aus: 32 Stadtteilschulen (68 %) haben nur zwischen 0,22 und 5 Lehrerstellen für Sonderpädagogen zugewiesen erhalten.
„Die Lage für die betroffenen Schulen und alle dort unterrichteten Schülerinnen und Schüler ist prekär“ kommentiert Dr. Walter Scheuerl das Ergebnis seiner Kleinen Anfrage. „Die Schulbehörde hat die Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit der leeren Versprechung an die allgemeinbildenden Schulen gelockt, die Kinder würden dort unter dem Zauberwort ‚Inklusion‘ eine individuelle und fachgerechte sonderpädagogische Förderung erhalten. Das Gegenteil ist aber, wie die Senatsantwort zeigt der Fall: individuelle sonderpädagogische Förderung kann von den Schulen bestenfalls nach dem Zufallsprinzip geleistet werden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle werden sich an der konkreten Schule gar keine Sonderpädagogen mit der für das betroffene Kind erforderlichen fachlichen Ausbildung befinden.“
„Mit dieser unzureichenden Ausstattung der Schulen mit Stellen für fachlich ausgebildete Sonderpädagogen, werden Schulsenator Rabe und die Schulbehörde mittel- und langfristig sehr vielen Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, aber auch sehr vielen ihrer Mitschülerinnen und Mitschülern schaden.“ so Scheuerl weiter.
„Das Anmelden von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen, die so schlecht mit fachlich geschulten Sonderpädagogen ausgestattet sind, wie das heute in Hamburg der Fall ist, muss scheitern. Die seit vielen Jahren in Hamburg erfolgreichen Sonderschulen und Förderschulen mit exzellenten und qualifizierten Teams von Sonderpädagogen und die I- und IR-Klassen nach dem bisherigen Modell sind eindeutig die bessere Lösung und verdienen unsere volle Unterstützung. Um es deutlich zu sagen: Schulsenator Rabe und die Schulbehörde verletzen mit der unzureichenden Personalausstattung der allgemeinbildenden Schulen ihre Fürsorgepflicht für die betroffenen Schülerinnen und Schüler!“ schließt Dr. Scheuerl.
Weiterführende Informationen zur Umsetzung der Inklusion in Hamburg:
Ressourcenzuweisung Schuljahr 2012/2013: Drs. 20/4909, Anlage 4
http://www.walterscheuerl.de/resources/Senatsantwort_20_4909_Stellenzuweisungen_Inklusion_Sonderpaedagogen.pdf
FAZ v. 17.8.2012: Inklusion mit Augenmaß
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schulunterricht-inklusion-mit-augenmass-11858001.html
NDR Online v. 12.6.2012: Inklusion wird zum Reizwort an Hamburger Schulen
http://www.ndr.de/regional/hamburg/inklusion115.html
Hamburger Abendblatt v. 24.5.2012: Sozialpädagogen fühlen sich Förderschülern nicht gewachsen
http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article2285886/Sozialpaedagogen-fuehlen-sich-Foerderschuelern-nicht-gewachsen.html



















