(openPR) • Neue Anforderungen an Wohnqualität
• Umbau ganzer Wohnquartiere erforderlich
• Einbruch bei energetischen Sanierungen
• Neue Trinkwasserverordnung entpuppt sich als bürokratische Groteske
Heutige Anforderungen beim Wohnen sind mit denen vor dreißig oder vierzig Jahren nicht vergleichbar. Die Menschen wollen zurück in Städte mit einer befriedigenden Versorgungsinfrastruktur, der Bedarf an Wohnangeboten, die auch im hohen Alter noch ein selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen, steigt rapide und gleichzeitig sollen Wohnimmobilien einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Energieverbrauchs und zur Nutzung erneuerbarer Energien leisten. „Wir müssen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ganze Quartiere förmlich umkrempeln“, fasste Reinhold Jäger, Präsident des Verbandes der saarländischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW saar) bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes am 11. November in Saarbrücken die Herausforderungen zusammen.
Mittelkürzungen des Bundes kommen politischem Abgesang gleich
„Gleichzeitig stehen aber immer weniger Mittel zur Verfügung. Mit besonderer Sorge erfüllen uns dabei die aktuellen Kürzungspläne der Bundesregierung bei der Wohnungs- und Städtebauförderung. Praktisch in allen Programmbereichen werden die Mittel um ein Viertel bis zu einem Drittel gekürzt. Das kommt angesichts der Anforderungen einem politischen Abgesang gleich. Wenn wir gleichzeitig etwa die politischen Zielvorstellungen bei der energetischen Gebäudesanierung betrachten, können wir diese nur noch als Luftschlösser bezeichnen“, so Jäger.
Einbruch bei energetischen Sanierungen
Rudolf Ridinger, Vorstand des Verbandes, verwies in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Entwicklung bei der energetischen Gebäudesanierung. Diese sei deutlich an der Inanspruchnahme bei den einschlägigen Förderprogrammen erkennbar. So ergebe sich bei einer Hochrechnung der Fördernachfrage nach den in diesem Bereich besonders bedeutsamen Maßnahmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein Rückgang im Bund von über 60 Prozent. Im Saarland sei ein deutlicher Rückgang bereits 2010 zu beobachten gewesen. Trotzdem sei auch 2011 ein weiterer Rückgang wie auf Bundesebene zu beobachten, erklärte Ridinger.
Hintergrund seien gestiegene Anforderungen an energetische Sanierungen aufgrund neuer Verordnungen. Aber auch das aktuelle Gezerre zwischen Bund und Ländern um die angekündigten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten energetischer Sanierungen entwickele sich zum politischen Eigentor, so Ridinger. Denn solange die Zukunft der Förderung nicht klar sei, warte jeder Hausbesitzer erst einmal ab. „Die Konsequenz ist, es geschieht erst mal nichts“, sagte Ridinger.
Barrierefreier Umbau häufig nicht finanzierbar
Völlig unverständlich sei, so der Verband, auch das geplante Auslaufen der Förderung des altersgerechten Umbaus von Wohnungen. Gerade hier rechneten sich die Maßnahmen oft nicht, insbesondere dann, wenn ein barrierefreier Umbau nur durch den nachträglichen Ein- oder Anbau eines Fahrstuhls erreicht werden könne. „Hier bewegen sich die Investitionskosten nicht unter sechsstelligen Summen, hinzu kommen dann später noch hohe Unterhaltskosten“, berichtete Jäger aus der Praxis der Wohnungsunternehmen. Solche Beträge könnten bei Mietwohnungen nicht über Mietsteigerungen refinanziert werden.
Trinkwasserverordnung: Viele Fragen offen, Novelle der Novelle angekündigt
Zu den Herausforderungen bei den Investitionen kämen aktuell noch weitere Anforderungen hinzu, die – so der Verband – bei der aktuellen Trinkwasserverordnung groteske Züge trage. Die neue Trinkwasserverordnung ist am 1. November in Kraft getreten. Diese sehe ein Meldeverfahren von Anlagen in Mehrfamilienhäusern und jährliche Überprüfungen auf Legionellen vor. Allerdings seien unzählige Fragen offen, wie diese Verordnung umgesetzt werden solle. Gleichzeitig werde an einer Novelle der Novelle gearbeitet, weil sich offensichtlich alle Seiten klar seien, dass die aktuelle Trinkwasserverordnung nicht umgesetzt werden könne und einige Anforderungen auch überzogen seien. Hierdurch würden selbst die gutwilligsten Vermieter und in der Konsequenz auch die Mieter total verunsichert.
Neue Arbeitsgemeinschaft immobilienwirtschaftlicher Verbände im Saarland
Vor dem Hintergrund der Anforderungen an den Umbau von Wohnquartieren, über die sich die Wohnungswirtschaft mit der Politik durchaus einig sei, sei mehr denn je ein partnerschaftlicher Dialog erforderlich. Der Verband erhofft sich ein entsprechendes Signal von einer neuen Arbeitsgemeinschaft immobilienwirtschaftlicher Verbände, die die für die Städtebauförderung und die Energiepolitik zuständige Ministerin Simone Peter und Vertreter aller Landtagsfraktionen zu einer Veranstaltung am 8. Dezember in die Congresshalle in Saarbrücken eingeladen hat.
Terminhinweis:
Fachkongress „Zukunft Saarland“
Zu den Themen: energetisch und barrierearm Bauen und Sanieren und Diskussionen mit führenden saarländischen Politikern.
Donnerstag, 8. Dezember 2011, 10.00 Uhr
Congresshalle Saarbrücken
Hinweis:
Weitere Informationen zu der Veranstaltung am 8. Dezember im Internet unter www.vdw-saar.de .






