(openPR) Kurzfristig übernimmt der griechische Dirigent George Petrou die musikalische Leitung der Neuinszenierung von Glucks Oper „Alkestis“ an der Oper Leipzig. Nachdem bereits der ursprünglich für diese Neuinszenierung in der Regie von Peter Konwitschny vorgesehene Dirigent Paolo Carignani kurz vor Probenbeginn an der Schulter operiert werden musste und deshalb für die Produktion absagen musste, erkrankte nun Jonathan Stockhammer. George Petrou, ohnehin für eine Vorstellung im Mai vorgesehen, übernahm daraufhin gestern die musikalische Leitung. Glucks „Alceste“ in der Pariser Fassung hatte Petrou bereits 2009 am Athener Megaron dirigiert.
George Petrou erhielt seine musikalische Ausbildung am Konservatorium in Athen sowie am Royal College of Music und der Royal Academy of Music in London. Ergänzend zu Auftritten als Klavier-oder Cembalosolist und als Dirigent u.a. beim Philharmonia Orchestra London, beim Orchestre National du Capitole du Toulouse, beim Tchaikovsky Symphony Orchestra in Moskau und bei der Basel Sinfonietta hat er sich in den letzten Jahren zunehmend als Operndirigent profiliert. Zu nennen sind Produktionen mehrerer Händel- und Monteverdi-Opern, Paisiellos „L’Olimpiade“ (in einer selbst angefertigten Edition) Glucks „Alceste“ und „Orphée et Eurydice“, Vivaldis „Il Giustino“ und „Juditha triumphans“, Mozarts „Le nozze di Figaro“ sowie Donizettis „Anna Bolena“ insbesondere an der Griechischen Nationaloper Athen. Am Staatstheater Saarbrücken dirigierte er im April 2009 „Il Tigrane“ von Alessandro Scarlatti. Für das deutsche Label MDG nahm er Händels Opern „Oreste“, „Arianna in Creta“, „Tamerlano“ und „Giulio Cesare“ auf und erhielt hierfür u. a. die Schallplattenpreise „Echo Klassik 2008“, „Choc du Monde de la Musique“ und „Gramophone Editor’s Choice“.
Peter Konwitschny folgt in der eigens für die Leipziger Neuinszenierung erarbeiteten Partitur aus Glucks Wiener (1. und 2. Akt) und Pariser Fassung (3. Akt) dem antiken Opfermythos und stellt in den ersten zwei Akten die Unerbittlichkeit der Umfeld von Alkestis heraus. Deutlich wird die Einsamkeit der Ehepartner angesichts des Todes: Admetos liebt zwar Alkestis, seine Schuldgefühle ihr gegenüber schlagen aber in Misstrauen und zuletzt in Wut um. Sein Rollenverständnis lässt es nicht zu, dass eine Frau eine eigene, existentielle Entscheidung trifft. Alkestis hingegen sieht das Opfer als einzige Möglichkeit, aus dem Schatten der Geschichte zu treten. Das Verhältnis Mann – Frau hat einen ersten Riss bekommen. Mit dem dritten Akt aus Glucks Pariser Fassung der „Alkestis“ inszeniert Peter Konwitschny dann ein „ironisches Satyrspiel“, das von der antiken Realität mit seinen Wettkampfarenen und Theatern nicht weit entfernt ist und gleichzeitig die moderne Medienwelt im Fernsehstudio mit „Hercool TV“ dabei als grausame und oberflächliche Fortsetzung des antiken Spiel-Kultes entlarvt.
Christoph Willibald Gluck zeichnet in seiner 1767 für Wien in italienischer Sprache entstandenen und 1776 für Paris in französischer Sprache bearbeiteten Oper „Alkestis“ das ergreifende Porträt einer Frau und Mutter, die mit ihrem Opfer hofft, das Schicksal ihres Mannes und ihres Volkes retten zu können. Zwei Akte lang steht in Glucks Oper der Prozess des Sterbens im Mittelpunkt – ein singulärer Vorgang in der Musiktheatergeschichte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein:
Höhere Mächte haben entschieden – nur der Tod eines anderen Menschen kann König Admetos vor dem drohenden Lebensende bewahren. Als einzige willigt seine Frau Alkestis ein, sich für ihren geliebten Mann zu opfern. Denn ohne ein männliches Staatsoberhaupt sind das Land, aber auch ihre Kinder, schutzlos dem Chaos ausgeliefert. Ihre Opferbereitschaft führt allerdings zu einem ausgedehnten Ehestreit: Vom Tode gezeichnet, muss sich Alkestis auch noch die Klagen und Vorwürfe ihres Mannes gefallen lassen, der sie nicht loslassen will.
Im anschließenden 3. Akt der Pariser Fassung erscheint Herkules als strahlender Held. Bringt er Alkestis und Admetos die Rettung oder ist ihre Zeit doch abgelaufen?
Musikalische Leitung George Petrou | Inszenierung Peter Konwitschny | Bühne Jörg Koßdorff | Kostüme Michaela Mayer-Michnay | Choreinstudierung Sören Eckhoff | Einstudierung Kinderchor Sophie Bauer | Choreographie Mirko Mahr | Video fettFilm Momme Hinrichs und Torge Møller
Alkestis Chiara Angella | Admetos Yves Saelens | Evandros Norman Reinhardt | Herkules Ryan McKinny | Apoll Tomas Möwes | Oberpriester Apollos Jürgen Kurth | Ismene Viktorija Kaminskaite | Eumelo, Aspasia Mitglieder des Kinderchores | Chor und Kinder-chor der Oper Leipzig | Leipziger Ballett | Gewandhausorchester
Weitere Vorstellungen: 29. April, 19 Uhr I 6. Mai, 19 Uhr I 14. Mai, 19 Uhr I 28. Mai, 19 Uhr I 18. Juni, 19 Uhr I weitere Termine im November und Dezember 2010









