(openPR) Obwohl sie das Rückgrat eines jeden Betriebes sind, stehen sie nicht im Mittelpunkt der Führung und Personalentwicklung. Den sogenannten B-Playern wird kaum Beachtung geschenkt. Welch eine Verschwendung....
Schauen Sie sich mal in Ihrem Betrieb um. Ihr eigener Blick oder der Ihrer Personalentwickler ist vorrangig auf die „High Potentials“ gerichtet oder aber auf die „Sorgenkinder“. Die einen kommen in den Genuss von Fördergesprächen und Entwicklungsprogrammen. Die anderen erfordern viel Zeit, Geduld und Energie durch Konfliktgespräche und Krisenmanagement. Aber was ist mit den echten „Arbeitspferden“, die ohne viel Aufheben in aller Stille ihren guten Job machen?
Nennen wir sie „B-Player“. Sie sind unauffällig, loyal und fleißig. Sie arbeiten eher im Hintergrund, machen kaum Probleme, auf sie ist immer Verlass. Obwohl sie es eigentlich sind, die das Rückgrat des Unternehmens bilden, stehen sie nicht im Fokus der Unternehmensleitung. Dabei würde sich eine kritische Analyse des Zeit – bzw. Ressourcenaufwands in die einzelnen Mitarbeitertypen schon lohnen. Schnell würde deutlich: die B-Player leben ein „Schattendasein“ im Betrieb. Viele Chefs sind ohnehin der Meinung, um die braven Arbeitstiere müsse man sich nicht kümmern. Mehr noch: sie hätten – warum auch immer - keine Lust auf Karriere. Beachtung oder gar Förderung könne man sich hier sparen. Welch eine Ressourcenverschwendung! Dabei wissen wir spätestens seit Karl May, dass alle noch so starken Häuptlinge nichts wären, ohne ihre tapferen Indianer. Damit sind diese B-Player das am wenigsten genutzte Potenzial im Unternehmen.
Was sind das für Leute, diese Arbeitspferde, die im Schatten der Alpha-Tiere wirken? Es gibt sie in jedem Unternehmen. Bei näherer Betrachtung können wir vier Typen identifizieren:
1. Die Spezialisten
Sie sind fasziniert von ihrer Fachaufgabe (z.B. Sommelier, Patissier, Buchhalter etc), sind Experten in „ihrem“ Metier, vergessen die Welt um sich herum, wenn sie in ihrem Fach ihr Bestes geben können. Sie verstehen sich als gute Ratgeber in ihrem Fachgebiet
2. Die versteckten A-Player
Sie wollen nicht an der Spitze und im Rampenlicht stehen, Karriere machen ist ihnen ein Gräuel. Sie sind lieber gute Stellvertreter des Chefs. Hier üben sie – oft ohne es zu wissen - manchesmal mehr Macht aus, als der Chef selbst
3. Die Kontakter
Für sie sind Beziehungen das halbe Leben. Sie sind die Größten im social networking. Sie legen Wert auf die gute Stimmung im Team, wirken ausgleichend, spüren atmosphärische Störungen als erste auf und werden damit zum unverzichtbaren Radar für jeden unsensiblen Chef
4. Die Mitläufer
Sie arbeiten zuverlässig wie ein Uhrwerk, sind loyal. Sie halten dem Chef stets den Rücken frei, wenn der ins Kreuzfeuer gerät (z.B. Direktionssekretärin, Betriebsassistent, Souschef etc). Für ihn fällt ihnen immer eine Notlüge ein.
Wie geht man nun als Vorgesetzter mit diesen B-Playern am besten um? Was kann man tun, um ihre Produktivität für den Betrieb nicht zu beeinträchtigen, ja sogar zu steigern? Grundsätzlich sollten wir uns vor Augen halten - auch wenn mancher Chef anderer Meinung ist: wir können auf die Grundmotivation der Mitarbeiter vertrauen. Menschen wollen gute Arbeitsergebnisse erzielen. Und noch etwas: Sie können sich ausgezeichnet selbst motivieren. Sie brauchen nicht das Schulterklopfen des Chefs. Aber – sie brauchen die richtigen Rahmenbedingungen durch anständige Führung, die den Nährboden dafür bereitet, dass Selbstmotivation entstehen kann.
Das schlimmste, was ein Chef seinem B-Player antun kann, ist, ihn zum nächsten Karriereschritt zu drängen. Für die meisten Menschen dieses Typs gibt es deutlich mehr, als den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Geld und Status genießen in ihren Augen wenig Bedeutung. Oft legen sie z.B. viel mehr Wert auf ihre Work-Life-Balance, also die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitszeitgestaltung, geldwerte Leistungen etc. Gerade für die „Nicht-Alpha-Tierchen“ im Betrieb ist oft das Incentive zu mehr Lebensqualität eine erfolgreiche Motivation.
Eines ist sicher: Alle B-Player machen ihren Job. Darauf können Sie sich verlassen. Es bedarf also nicht unbedingt den „Extraschub“ an Motivation durch Sie. Vielmehr sollten Sie Demotivation vermeiden. Beachten Sie einfach die grundsätzlichen Hygienefaktoren Ihrer Führung. Neben der anständigen Bezahlung Ihrer Leute wünschen sich gerade „Nicht-Alpha-Tierchen“ starke zwischenmenschliche Beziehungen („Wir alle halten zusammen“). Ein guter Draht zum Chef, zu Kollegen bewirkt, dass sie bei der Stange bleiben. Ein positiver persönlicher Kontakt, der Chorpsgeist, deutliche Anerkennung der erbrachten Leistung und eine partnerschaftliche Unternehmenskultur bedeuten ihnen ebensoviel wie institutionalisierte Feedbackgespräche mit ihrem Vorgesetzten. Das alles trägt dazu bei, dass Ihre B-Player sich nicht stiefmütterlich behandelt oder missachtet fühlen.
Da der nächste Karriereschritt, der Aufstieg in eine nächst höhere Position sowie schlagartige Übernahme von Führungsverantwortung in der Regel für B-Player eine nach geordnete Rolle spielen, bieten z.B. Qualitätsmanagement, Verbesserungsprozesse ideale Felder für ihre Mitwirkung und Mitgestaltung. Hier lernen sie, schrittweise mehr Verantwortung zu übernehmen und ihre Stärken einzusetzen. In regelmäßigen Feedbackgesprächen erfahren sie nun konkrete Bewertung ihrer Arbeitsergebnisse – nicht pauschale Lobhudelei. Hier gelten die Grundregeln der Führung ebenso wie für alle anderen Mitarbeiter auch: Kritik wird von Ihnen nicht problembezogen oder destruktiv geäußert, sondern lösungssuchend. Wenn Sie darüber hinaus die Kompetenzen dieser Mitarbeiter kontinuierlich weiterbilden, klare Arbeitsabläufe bzw. Entscheidungskompetenzen definieren und ihre Zielerreichung öffentlich kommunizieren, steigern Sie die Motivation und den Output dieser Menschen deutlich.
Jetzt höre ich so manche Führungskraft genervt stöhnen: „Was soll ich denn noch alles tun! Jetzt soll ich mich auch noch um die Mauerblümchen kümmern“. Nun – Sie haben natürlich die Wahl: Vernachlässigen Sie die B-Player in Ihrem Betrieb, wird über kurz oder lang die Motivation im gesamten Team spürbar sinken. Die Folge sind nachlassende Arbeitsqualität, sinkende Produktivität pro Mitarbeiter, Boreout, innere Kündigungen, noch mehr C-Player (echte Low Performer) und, und, und.... Andere Mitarbeiter lassen sich anstecken. Fehlzeiten und Fluktuation steigen. Alle diese Effekte zusammen genommen kosten eine Menge Geld (auch wenn sie in keiner Bilanz auftauchen). Sie sorgen für das berüchtigte schlechte Betriebsklima. Nicht nur in Krisenzeiten sollten Sie Ihrem Betrieb das nicht antun. Erinnern Sie sich an die bekannte Karikatur aus dem Büroalltag? Die Assistentin steht vor dem Schreibtisch ihres Chefs: „Und dann sollte ich Sie noch daran erinnern, dass Sie heute Ihre Mitarbeiter loben wollten!!!“
Sie werden mir sicher Recht geben: das Rückgrat Ihres Unternehmens hat es gewiss verdient, dass Sie sich Gedanken machen um dessen Führung und wie Sie sie verbessern können.













