(openPR) Dem Nachwuchs im Öffentlichen Dienst reicht es. Nach zwei Verhandlungsrunden ist für die rund 1,2 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen bislang nichts erreicht worden. Die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) mobilisiert jetzt NRW-weit ihre Mitglieder. Am Samstag werden die jungen Beschäftigten aus dem Öffentlichen Dienst in Köln auf die Straße gehen und mit einer außergewöhnlichen Aktion auf ihre Situation aufmerksam machen.
Warm anziehen werden sich fünf Berufsfeuerwehrtaucher, wenn sich die jungen Beschäftigten aus Kommunen und Bundesverwaltungen am Samstag, 6. Februar, ab 10:30 Uhr auf dem Roncalliplatz zusammenfinden. Sie werden eine tragende Rolle spielen, wenn die rund 250 Demonstranten gegen 12 Uhr am Hyatt Regency Hotel am Kennedy-Ufer 2 a eintreffen. Nach einem Zug durch die Altstadt und über die Hohenzollernbrücke geht mit den fünf Berufsfeuerwehrmännern symbolisch der Öffentliche Dienst baden. Parallel zur Protestkundgebung auf der Bühne werden die fünf Taucher der Fachgewerkschaft für Kommunalbeamte und Arbeitnehmer NRW (komba) mit Slogans auf dem Rücken wie „Ausgebildet und arbeitslos“ oder „Keine Übernahme = keine Zukunft“ von der Kaimauer aus im eisigen Rhein baden gehen.
Auf diesem Wege wollen die jungen Beschäftigten aus den Kommunal- und Bundesverwaltungen den Forderungen der dbb tarifunion am Verhandlungstisch Nachdruck verleihen. Für sie geht es um 100 Euro mehr im Portemonnaie und eine garantierte Übernahme statt der Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung.
Auch nach der zweiten Verhandlungsrunde hat es keine Bewegung in Potsdam gegeben. Die finanzielle Zukunft der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bleibt damit offen. „dbb jugend nrw ist enttäuscht über diese Situation“, sagt ihr Vorsitzender Markus Schallenberg. Doch so leicht lässt sich die Jugend im Öffentlichen Dienst nicht schrecken. „Wir haben die Jugend im Öffentlichen Dienst mobilisiert und werden so zum Ausdruck bringen, dass wir die starre Haltung der Arbeitgeberseite nicht hinnehmen“, erklärt der NRW-Chef. Die missliche Lage der kommunalen Haushalte sei hinlänglich bekannt. Kein Interesse brächten die Medien allerdings für die ebenso leere Haushaltskasse vieler Berufsanfänger im Öffentlichen Dienst auf. Sarah Tegethoff hat das bei der Stadt Bochum bitter erfahren müssen. Nach dreijähriger Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bot ihr die Stadt einen Vertrag an. Doch das war kein Grund zur Freude: Für wöchentlich 30 Stunden Arbeit bot die Stadt Bochum der 21-Jährigen monatlich netto 864 Euro Gehalt an. Statt der ihr zustehenden Entgeltgruppe 5 wurde sie lediglich in EG 3 eingestellt – vergleichbar mit einer ungelernten Kraft.
Ebenso aus der Realität der Jugend im Öffentlichen Dienst gegriffen sind auch Erfahrungen wie sie unter anderem die Verwaltungsfachangestellten der Bundeswehrverwaltung machen. „Wenn man die Schulbank gedrückt und fleißig gebüffelt hat, kann man sich glücklich schätzen, einen Vertrag für ein halbes bis ein Jahr in der Tasche zu haben. Und letztendlich steht man dann doch auf der Straße“, betont Schallenberg weiter.
Zum einen ist die Ausbildung im Öffentlichen Dienst sehr spezifisch, zum anderen trägt man den Stempel des Öffentlichen Dienstes auf der Stirn. Beides ist bei Arbeitgebern in der Privatwirtschaft nicht gut angesehen. Dies macht die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt so schwierig - ergo: man wurde für die Arbeitslosigkeit ausgebildet. Das bedeutet für die Betroffenen Probleme bei der Wohnungssuche, denn wer vermietet gerne an jemanden, der schon bald Hartz IV-Empfänger ist? Schwierigkeiten gibt es auch beim Gewähren eines Dispokredits oder beim Autokauf, denn mangels eines festen Arbeitsvertrags geht die Kreditwürdigkeit gegen Null. „So stellt sich niemand seine Zukunft nach mehrjähriger, qualitativ hochwertiger Ausbildung vor“, hält Schallenberg fest. Darum fordert die dbb jugend nrw die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Nur die stellt für die Azubis nach der Ausbildung eine reelle Zukunftsperspektive statt Hartz IV dar.













