(openPR) Die internationalen Großbanken sehen ein das Ende der globalen Krise. Trotz der Risiken für die Weltwirtschaft rechnet die internationale Bankenvereinigung IIF für das Jahr 2010 mit einem globalen Wachstum von „etwas über zwei Prozent“. Doch IIF-Präsident Josef Ackermann warnt vor wachsendem Protektionismus.
Dieses Jahr werde es zunächst allerdings ein Minus von drei Prozent geben. "Unsere Prognose sieht 2010 aber als das Jahr der Erholung", erklärte der Deutsche-Bank-Chef beim Frühjahrstreffen der internationalen Bankenvereinigung Institute of International Finance in Peking voller Zuversicht.
Ackermann warnte zugleich vor einer "Zersplitterung" des internationalen Finanzsystems. Ohne einzelne Länder beim Namen zu nennen, kritisierte der IIF-Präsident, dass die staatlichen Eingriffe zur Stabilisierung der heimischen Bankensysteme oft zu national orientiert seien. "Dies kann zu Ineffizienz führen und das ganze globale System schwächen", so Ackermann. Die Staatshilfen für heimische Banken oder politische Forderungen, dass Institute ihr internationales Geschäft aufgeben sollten, zeige einen Trend zum Protektionismus, der allen schade.
Zudem berge der zunehmende Protektionismus die Gefahr, so Ackermann, dass irgendwann das internationale Bankensystem nicht mehr ausreiche, um die globale Wirtschaft zu finanzieren. Das IIF warnte in diesem Zusammenhang auch vor einem "dramatischen Rückgang" der Nettokapitalströme in Schwellenländer. Die Vereinigung veröffentlichte in Peking einen Report, nach dem der Nettozufluss privaten Kapitals 2009 in diese Länder auf 141 Mrd. Dollar sinken wird. 2008 waren es mit 392 Mrd. Dollar noch fast doppelt soviel Zuflüsse gewesen, nach einem Rekordwert von 888 Mrd. Dollar im Jahr 2007.
Allerdings macht auch hier das IIF schon eine "grundlegende Trendwende" aus. Vor allem in Schwellenländern mit guten Wachstumsaussichten - etwa in China - dürften die Nettozuflüsse in der zweiten Jahreshälfte und 2010 wieder deutlich zunehmen. 2010 könnten bereits wieder 373 Mrd. Dollar erreicht werden, vor allem wegen der anhaltenden Zinsunterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern. In die Volksrepublik dürften nach der IIF-Prognose dieses und kommendes Jahr jeweils rund 60 Mrd. Dollar fließen - fast die Hälfte des gesamten Kapitalstroms Richtung Asien.
Die Krise habe auch sehr deutlich gemacht, wie wichtig China und andere Schwellenländern für die Welt geworden seien, so das IIF. Der Beitrag dieser Staaten zur weltweiten Erholung werde mit Sicherheit "bedeutend sein", betonte Ackermann. Allerdings warnte er vor zu großer Hoffnung auf eine grundlegende Erholung. Die Finanzbranche sei sich bewusst, "dass wir weiter vor gewaltigen Herausforderungen stehen", sagte Ackermann. Gerade darum sei es wichtig, das Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherzustellen und die Rolle der Banken zu stärken. Dabei müssten aber "gleiche Regeln für alle" gelten, kritisierte er unterschiedliche Standards etwa bei der Umsetzung von Basel II.
Das Gastgeberland lobte Ackermann: "China geht mit der schrittweisen Öffnung seiner Märkte den richtigen Weg." In der Volksrepublik sind die Finanzmärkte jedoch stark kontrolliert, dürfen an den meist staatlichen chinesischen Banken ausländische Institute nur bis zu 20 Prozent besitzen.
Auf der IIF-Konferenz zeigten sich zahlreiche Redner zuversichtlich, dass die Volksrepublik für den angestrebten Umbau seiner Wirtschaft die Finanzmärkte weiter öffnen wird. China werde sein Bankensystem sowie seine Börsen weiter liberalisieren, sagte Fang Xinghai, Regierungsbeamter aus Schanghai, der Chinas wichtigsten Börsenstandort zum Finanzplatz von Weltniveau machen soll. Dabei komme China auch um eine Freigabe seiner Landeswährung nicht herum.
Das IIF forderte auf der Tagung, dass die Londoner Beschlüsse der G20-Staaten besser umgesetzt werden müssten. Die Entwicklung von Lösungen reiche nicht aus, so Ackermann: "Wir müssen sie auch anwenden um zu zeigen, dass wir es auch ernst meinen." Nur so ließe sich der neue Protektionismus stoppen.
Ackermann betonte, dass die Branche dabei sei, die im vergangenen Jahr vom IIF verabschiedeten "Best Practices" in die Tat umzusetzen. Für Deutschland bestätigte das der Bankenverband (BdB). "Die Banken arbeiten mit erheblichem Aufwand daran", sagte BdB-Chef Manfred Weber dem Handelsblatt. Das gelte für die Verbesserung des internen Risikomanagements ebenso wie für die Steigerung der Transparenz strukturierter Produkte. Diese Prozesse seien aber noch nicht in toto abgeschlossen, da die Umsetzung der IIF-Empfehlungen mit erheblichen Anpassungen der internen Abläufe verbunden seien.
IIF-Präsident Ackermann verteidigte seine Branche gegen den Vorwurf, die Krise nicht rechtzeitig erkannt zu haben. "Keiner hat das kommen sehen", sagte er. Die zahlreichen Warnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat der IIF offenbar nicht zur Kenntnis genommen. Die Bankenvereinigung war 1983 nach der Finanzkrise gegründet worden, um besser auf die Anforderungen der internationalen Märkte reagieren zu können.




