(openPR) Heinrich Düker, Direktor des Psychologischen Instituts in Marburg, lud 1959 zur ersten Tagung experimentell arbeitender Psychologen einen kleinen Kreis ein, etwa 30 Wissenschaftler. In den Folgejahren wuchs das Projekt personell und thematisch. Während der 50sten TeaP, 3. bis 5. März 2008 in Marburg, diskutieren mehr als 500 - überwiegend junge -TeilnehmerInnen Experimente aus der Grundlagenforschung und aus angewandten Fachbereichen.
"Die Forderung nach ´sauberen Experimenten´ hat Düker oft wiederholt. Er verstand darunter vor allem die begrifflich präzise Benennung der psychischen Prozesse in Verbindung mit exakter Beobachtung, sowohl im Sinne von Introspektion als auch von Verhaltensbeobachtung, die Beachtung und Kontrolle aller Bedingungen, die zur Variation der abhängigen Variablen beitragen, sorgfältig erhobene und dokumentierte Daten, sowie eine faktennahe, theoretisch möglichst sparsame, die Datenlage nicht strapazierende Interpretation", resümiert der Düker-Schüler Lothar Tent. "Dass diese an sich trivialen Attribute experimentellen Vorgehens eher ethisch als methodisch verstanden werden müssen, ist das eigentlich Bemerkenswerte daran."
Mehrfach hat Heinrich Düker postuliert: "Wissenschaft ist Charaktersache."
Tent würdigt seinen Lehrer in dem zweibändigen Werk "Heinrich Düker - Ein Leben für die Psychologie und für eine gerechte Gesellschaft": "Was ihn zur historischen Figur macht, sind einige Persönlichkeitskonstanten ... Dazu zählt nicht zuletzt die ihm schicksalhaft aufgezwungene Bewältigung der Folgen seines Kriegseinsatzes (Beinamputation) ... Es liegt nahe, darin den Ursprung der Wahl seiner zentralen Thematik zu erkennen: das Widerstand überwindende Wollen, die (u.U. kompensatorische) Anspannung, aber auch die Freiheit der Willensentscheidung, die er dem äußeren Zwang nicht nur als das universale psychische Phänomen entgegensetzt, sondern auch als eines der tragenden Prinzipien seines staatsbürgerlichen Handelns begreift..."
Die Willenskraft - um nicht zu sagen Dominanz - des Chefs beschrieb Gustav Lienert im gleichen Werk. Als Assistent im Psychologischen Institut in Marburg verfolgte er: "Düker war hart in seinen Anforderungen schon gegenüber Diplomanden und nicht nur gegenüber seinen wenigen Doktoranden. Letztere mussten ihn nicht nur wissenschaftlich, sondern auch von der Persönlichkeit her überzeugen. Nicht selten hat er persönlich als Versuchsperson teilgenommen und Versuchsräume besichtigt, auch unangemeldet. Wer schon als Diplomand nicht alle Utensilien gewissenhaft geordnet und seine Versuchspersonen nicht streng nach Plan betreut hatte, erregte bei ihm Misstrauen ..."
Lienert gestand: "Ich selbst tat mich anfangs schwer, seine Gewissenhaftigkeitserwartungen zu erfüllen, und Düker hielt selbst bei meinen Habilitationsversuchen noch ein waches Auge auf meinen Umgang mit Versuchspersonen und Geräten."
Der engagierte Sozialdemokrat Düker plädierte engagiert für die Einführung der Fünf-Tage-Arbeitswoche. Doch wie selbstverständlich fügte er klar hinzu: "Natürlich können wir so etwas nicht bei uns im Institut einführen."
Patrick Khader, Kerstin Jost, Harald Lachnit, Frank Rösler (Hrsg.):
Beiträge zur 50. Tagung experimentell arbeitender Psychologen 2008, Marburg
Pabst, 316 Seiten, ISBN 978-3-89967-457-6
Lothar Tent (Hrsg.):
Heinrich Düker - Ein leben für die Psychologie und für eine gerechte Gesellschaft
Pabst, 2 Bände, insgesamt 636 Seiten, ISBN 978-3-934252-27-1











