openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Was würde heute Immanuel Kant den Medizinethikern entgegnen?

17.01.200809:37 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Was würde heute Immanuel Kant den Medizinethikern entgegnen?
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth

(openPR) „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (…), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. (…) Dass der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem, dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“ (Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1783), zitiert nach: Werkausgabe Bd. VI, hg. von Wilhelm Weischedel, 1968, S. 53.).



In der Tat ist Aufklärung geboten und die Selbstbestimmung ist untrennbar mit der Selbstverantwortung verbunden. Das ethische Dilemma im Rahmen der Sterbehilfe-Debatte ist nicht unauflösbar, wie gerne von den Fundalmentalethikern behauptet wird. Ein rechtsethischer Umbruch hat zu keinem Zeitpunkt bei der Begründung des Selbstbestimmungsrechts stattgefunden, sondern die Irritationen hierüber sind ausnahmslos den „Vormündern“ geschuldet, die die Definitionsherrschaft qua Profession über ein vermeintlich „gutes und ethisch genehmigtes Sterben“ ausüben wollen. Dass hierbei das spezifische Berufsethos im Rekurs auf Hippokrates die Legitimation für eine Instrumentalisierung des Sterbens verbürgen soll, dürfte aus der Sicht der Paternalisten höchst angenehm sein, wenngleich wir nicht umhinkommen, feststellen zu müssen, dass hier das Berufethos mit dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten kollidiert und freilich das letztere der Oberaufsicht der Vormünder deutliche Grenzen setzt. Entlasten wir die Ärzteschaft, allen voran die Medizinethiker von ihrem sich selbst auferlegten Nebenamt, diese Last auf sich genommen zu haben. Sofern wir der gütige Hilfe bedürfen, werden wir selbst darüber zu befinden haben, ob wir die Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Das Vertrauensverhältnis wird wachsen, wenn die Oberaufsicht nicht mehr auszuüben ist, zu denen die Ärzteschaft nach herrschender Lehre scheinbar standesrechtlich und –ethisch verpflichtet ist. Die berufsständische Institution ist aufgefordert, die Ärzte in die Mündigkeit zu entlassen und damit diesen die Möglichkeit zur freien Gewissensentscheidung zu ermöglichen. Noch nimmt der Gesetzgeber erkennbar auf die subjektiven Befindlichkeiten der Fundamentalethiker Rücksicht, binden diese doch qua ethischem Dekret eine gesamte Berufsgruppe. Sofern die Ärzteschaft allerdings selbst nicht mehr der gütigen Oberausicht „ihrer“ Vormünder unterstellt ist, wird sich die Debatte um den ärztlich begleiteten freiverantwortlichen Suizid in Wohlgefallen auflösen. Nicht nur der Patient ist also gefordert, sondern vor allem auch die Ärzteschaft, der frei von ihren standesethischen Fesseln die Möglichkeit zur Teilnahme am ethischen Diskurs ermöglicht werden muss, ohne dass hier ein empfindliches Übel in Gestalt einer Strafanzeige mit der entsprechenden Stigmatisierung in Aussicht gestellt wird. Im letztere Falle avanciert der Oberaufseher zum Zuchtmeister mit Sanktionsmöglichkeit, um bereits eine dringend gebotene und vor allem offene Diskussion innerhalb einer Berufsgruppe im Keime zu ersticken. Mündige Ärzte braucht das Land und nicht ein Heer folgsamer Gewissensträger, deren Gewissen sich aus einem richtlinienkonformen Programm einer Institution konstituiert.

Lutz Barth

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 182415
 2063

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Was würde heute Immanuel Kant den Medizinethikern entgegnen?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth

Bild: Wir sollen nicht sterben wollenBild: Wir sollen nicht sterben wollen
Wir sollen nicht sterben wollen
Der „Diskurs“ (?) über das frei verantwortliche Sterben eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen ist nach wie vor nicht nur soziologisch unterbelichtet, sondern zeichnet sich insbesondere durch Glaubensbotschaften der selbsternannten „Oberethiker“ und deren „Geschwätzigkeit“ aus. „Lebensschützer“ meinen zu wissen, was die Schwersterkrankten und Sterbenden wünschen und welcher Hilfe diese am Ende ihres sich neigenden Lebens bedürfen. Mit Verlaub: Es reicht nicht zu, stets die Meinungsumfragen zu kritisieren, in denen die Mehrheit der…
Bild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubarBild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Es scheint an der Zeit, in einer hoch emotionalisierten Debatte „Ross und Reiter“ zu benennen, die sich fortwährend um den „Lebensschutz“ scheinbar verdienstbar gemacht haben und unbeirrt auf ihrer selbst auferlegten Mission fortschreiten. Einige politisch Verantwortlichen sind gewillt, die „Sterbehilfe“ gesetzlich zu regeln und wie es scheint, besteht das Ziel in einer strikten Verbotsregelung. Auffällig ist, dass es sich um eine handverlesene Schar von Ethiker, Ärztefunktionären, freilich auch Theologen und Mediziner handelt, bei denen ber…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Kreissparkasse ermöglicht bargeldloses Bezahlen in der SchulkantineBild: Kreissparkasse ermöglicht bargeldloses Bezahlen in der Schulkantine
Kreissparkasse ermöglicht bargeldloses Bezahlen in der Schulkantine
… Ein Vorteil, der allen voran von den Eltern jüngerer Schüler geschätzt wird“, erläutert Neumärker. Die KANTine ist eine Gemeinschaftseinrichtung für das Immanuel-Kant-Gymnasium und die Immanuel-Kant-Realschule in Leinfelden-Echterdingen. Sie wird ehrenamtlich von den Mitgliedern des gleichnamigen Vereins betrieben. In insgesamt 16 Teams, bestehend aus …
Bild: Armin Mueller-Stahl, Neue GrafikenBild: Armin Mueller-Stahl, Neue Grafiken
Armin Mueller-Stahl, Neue Grafiken
Von Armin Mueller-Stahl sind soeben einige neue Farblithographien erschienen. Etliche Portraits von Persönlichkeiten aus Kunst, Musik und Literatur, wie z.B. Woody Allen, Immanuel Kant, Anton Bruckner, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Martin Luther. Aber auch einige reizend charmante Motive der leichten Muse wie z.B. "Kompliment" und …
Bild: Sendereihen von INTER/AKTION im Bayerischen Fernsehen: KANTBild: Sendereihen von INTER/AKTION im Bayerischen Fernsehen: KANT
Sendereihen von INTER/AKTION im Bayerischen Fernsehen: KANT
… eine junge Journalistik-Studentin, will Antworten auf ihre Fragen finden. Sie fängt an zu recherchieren und trifft auf jemanden, der ihr bestens Auskunft geben kann: Professor Immanuel Kant höchstpersönlich. Denn wer kann besser über den Sinn der langen und schwer verdaulichen Sätze Auskunft geben als der Verfasser selbst? In der ersten Staffel steht …
Bild: Zum 300. Geburtstag: Neues Hörbuch "Immanuel Kant zum Reinhören" gelesen von Stefan Schäfer veröffentlichtBild: Zum 300. Geburtstag: Neues Hörbuch "Immanuel Kant zum Reinhören" gelesen von Stefan Schäfer veröffentlicht
Zum 300. Geburtstag: Neues Hörbuch "Immanuel Kant zum Reinhören" gelesen von Stefan Schäfer veröffentlicht
Anlässlich des 300. Geburtstags von Immanuel Kant hat der renommierte Sprecher Stefan Schäfer das neue Hörbuch "Immanuel Kant zum Reinhören" veröffentlicht. Es bietet einen einzigartigen Zugang zu den wichtigsten Schriften und Gedanken des großen Philosophen.Immanuel Kant, geboren am 22. April 1724 in Königsberg, gilt als einer der bedeutendsten Denker …
Bild: Kantstraße – Annäherungen an einen »Namenspatron«Bild: Kantstraße – Annäherungen an einen »Namenspatron«
Kantstraße – Annäherungen an einen »Namenspatron«
… genommen werden. Anfang der 1950er Jahre erhielt die Traunreuter Hauptverkehrsader ihre Bezeichnung, die sie auch heute noch trägt.Der Aufklärungsphilosoph und seine ZeitImmanuel Kant (1724–1804) gilt als bedeutendster deutscher Philosoph der Neuzeit. Am Vorabend seines 222. Todestags möchte Dr. Norbert Wolff (Kirchenhistoriker und Sozialpädagoge) die …
Kant verbindet das neue Europa
Kant verbindet das neue Europa
200. Todestag von Immanuel Kant Aus Anlass des 200. Todestages von Immanuel Kant erklärt der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Günter Nooke MdB: Der Beitrag des Ostpreußen Immanuel Kant für die Philosophie und die Aufklärung im alten Europa ist aus Anlass seines 200. Todestages umfassend gewürdigt worden. Seine Überzeugung, …
Einladung zum Tag der offenen Tür an der Ev. Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Einladung zum Tag der offenen Tür an der Ev. Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Zum Tag der offenen Tür an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Immanuel-Kant-Straße 18-20, 44803 Bochum, sind Interessierte am Freitag, 17. November 2017, von 10 bis 13 Uhr herzlich eingeladen. --- Wer gerne Soziale Arbeit, Pflegewissenschaft oder Elementarpädagogik studieren möchte oder sich für Studiengänge wie Heilpädagogik/Inklusive …
Bild: Das Sublime - Galerie Frenhofer stellt die Berliner Malerin Chritine Keruth im ARCHOTEL Hamburg ausBild: Das Sublime - Galerie Frenhofer stellt die Berliner Malerin Chritine Keruth im ARCHOTEL Hamburg aus
Das Sublime - Galerie Frenhofer stellt die Berliner Malerin Chritine Keruth im ARCHOTEL Hamburg aus
… vergangenen Wochen hat sie sich überwiegend mit der Dramaturgie des Meeres beschäftigt. Diese Arbeiten stehen im Kontext zu Ihrer Werkreihe "Das Sublime bei Immanuel Kant als künstlerische Herausforderung". Kant versucht in seinem philosophischen Werk „Kritik der Urteilskraft“ detailliert Naturereignisse in extremstem Ausmaß zu umschreiben:“ … am Himmel …
Bild: Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft - Einführung in das intellektuelle Vermächtnis eines PhilosopBild: Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft - Einführung in das intellektuelle Vermächtnis eines Philosop
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft - Einführung in das intellektuelle Vermächtnis eines Philosop
Bernd Waß eröffnet den Lesern in "Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft" Zugang zu einem komplexen und bedeutenden philosophischen Werk. ------------------------------ Immanuel Kant ist einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen seiner Zeit und wird bis heute von vielen bewundert. Sein Hauptwerk, um das es in dem vorliegenden Buch geht, …
Sie lesen gerade: Was würde heute Immanuel Kant den Medizinethikern entgegnen?