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Entschärfung der angespannten Arbeitsmarktsituation durch Zuwanderung

08.08.200712:15 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Hat Deutschland den Anschluss verpasst?

Bonn/Nürnberg - „Wer glaubt , die Welt stünde Schlange, um in Deutschland arbeiten zu dürfen, irrt“, sagt Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) http://www.iwkoeln.de in Köln. Die Realität des Arbeitsmarktes zeigt einen akuten Fachkräfte-Mangel. Während Politiker über die Zuwanderungsbedingungen streiten und die Abschottung Deutschlands bis 2011 nachdenken, bewerben sich hochqualifizierte Fachkräfte in anderen europäischen Ländern - und das mit Erfolg. Dabei ist die Arbeitsmarktsituation in Deutschland besonders in der Elektro- und IT-Branche sowie der Fahrzeugindustrie kritisch.



Aufgrund des demographischen Wandels „sterben“ deutsche Arbeitskräfte „weg“, und Unternehmen klagen über leerstehende Stellen. Dies kann in Extremfällen sogar zur Insolvenz führen. Eine ähnliche Situation prägte Deutschland schon Ende der neunziger Jahre. Die damaligen Arbeitskräfteengpässe wurden durch Zuwanderung potenzieller Fachkräfte behoben. Damals gab es noch eine Vielzahl interessierter Bewerber. Heute stellt sich die Frage, warum das Interesse der Zuwanderer sinkt. Mögliche Gründe dafür sind attraktivere Jobangebote anderer Länder. Diese garantieren dem Einzelnen gute Erfolgsprognosen und helfen sogar ausländischen Studenten beim Einstieg ins Berufsleben.

Kritische Stimmen sagen, dass eine Lockerung der Zuwanderungsbestimmungen nur eine vorübergehende Lösung darstellen würde. Laut einer Studie des Forschungsinstitutes Forsa http://www.forsa.de sind 52 Prozent der Deutschen, davon die Mehrheit Arbeiter, gegen die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte. Arbeitsmarktexperten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) http://www.iab.de sagen, es bestehe kein Grund zur Annahme eines Fachkräfte-Mangels. Die Realität zeichnet ein anderes Bild. Bis 2017 sollen 200 000 Ingenieure nach Einschätzungen von Wissenschaftlern fehlen, schreibt der Focus http://www.focus.de .

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) setzt sich für leichtere Zuwanderungs-Bedingungen der Einwanderer ein und sorgt so für Diskussionsstoff. Schavan will die im Land lebenden Migranten besser integrieren. Somit würden Fachkräfte aus dem Ausland nicht mehr dringend benötigt. Um eine bessere Integration der hier lebenden Migranten zu gewährleisten, müssten einige Lücken im deutschen Bildungssystem geschlossen werden, sagt die Bundesbildungsministerin.

Das Ausbleiben der Zuwanderer verschärft nach Ansicht von Experten das Demographie-Problem in Deutschland. „Bisher haben wir uns gegenüber potenziellen Zuwanderern auch nicht sehr aufnahmewillig gezeigt. Wer hochqualifizierten Programmierern oder Ingenieuren aus Asien signalisiert, wir lassen Euch nur für kurze Zeit ins Land, um aktuelle Löcher zu stopfen, der darf nicht damit rechnen, dass die Bewerber Schlange stehen. Zudem dürfen aber auch die Anstrengungen nicht erlahmen, im Inland etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun. Zahlreiche ältere Ingenieure sind arbeitslos. Gleichzeitig sind viele Stellen unbesetzt. Das ist ein Unding. Es ist die Aufgabe der Unternehmen, die eigenen Leute auch jenseits der 50 auf dem neuesten Stand zu halten. Aber auch die Arbeitnehmer haben eine Bringschuld in puncto Weiterbildung“, sagt der Personalexperte Marc Emde von der Kölner Kirch-Personalberatung http://www.kirchconsult.de.

In manchen Branchen kann man beobachten, dass der Trend sich an erfahrenen, somit auch älteren Mitarbeitern in Spitzenpositionen orientiert. Das könnte vorübergehend einen sinnvollen Lösungsansatz darstellen, problematisch wird dieser, wenn keine „neuen,“ jungen Fachkräfte mehr angelernt werden können, weil sie nicht vorhanden sind. Andere Länder werben mit besseren Konditionen, sagt VDI- Direktor http://www.vdi.de Willi Fuchs. Sie schließen sich dem Trend, überwiegend erfahrene Personen einzustellen nicht an. Somit haben junge Qualifizierte in anderen Ländern größere Erfolgsaussichten und entscheiden sich gegen den deutschen Arbeitsmarkt, der ihnen keine Garantie auf eine lange Berufsbiografie geben kann. Dieser sollte seine Anwerbestrategien überdenken, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck standhalten zu können.

Deutschland befindet sich in einer dramatischen Situation und hat diese „zu spät erkannt“, betont Schäfer. Das Ausbleiben ausländischer Fachkräfte schlägt sich negativ auf den deutschen Arbeitsmarkt nieder. Die Frage, ob Deutschland den Anschluss verpasst hat, scheint beantwortet. Sonst sähe die aktuelle Arbeitsmarktsituation anders aus und Deutschland müsste sich nicht über fehlende Fachkräfte beklagen.

Medienbüro.sohn
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