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Not am Mann – Arbeiterlosigkeit in den neuen Bundesländern

26.06.2007 • 12:40 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Bonn/Köln – Neben der hohen Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern macht sich jetzt auch ein starker Mangel an gutem Personal bemerkbar. Laut einer Studie des Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung berlin-institut.org sind es besonders die jungen und gut qualifizierten Kräfte, die sich nunmehr seit einem Jahrzehnt entscheiden, in den Westen auszuwandern und ihre Karriere dort zu verfolgen. Manchmal ist dies die einzige Möglichkeit überhaupt eine solche zu beginnen. Zahlen verdeutlichen die Problematik dieser Entwicklung: 1,5 Millionen Menschen sind bereits in den Westen gegangen; das entspricht zehn Prozent der Bevölkerung zu Ende der DDR Ära. „Und die Entscheidung, seine Sachen zu packen, ist durchaus begründet“, so Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung http://www.kirchconsult.de in Köln. „Die Verdienst- und Aufstiegmöglichkeiten in den meisten Berufen sind im Osten weitaus geringer als im Westen.“



Auch das Forschungsinstitut Prognos http://www.prognos.de bescheinigt den neuen Bundesländern noch immer eine Rückständigkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung. So ist die Arbeitslosigkeit aber auch die Arbeiterlosigkeit gerade in den peripheren und strukturschwachen Regionen erschreckend hoch. Der Zusammenbruch des überkommenden DDR-Wirtschaftssystems, der Niedergang alter Wirtschaftsbranchen und der damit verbundene Strukturwandel produzieren mehr männliche als weibliche Verlierer. Und dennoch sind es überproportional häufig Frauen, welche sich gegen ein Leben im schönen Mecklenburg oder Sachsen entscheiden.

„Die Hauptursache lässt sich in den enormen Bildungsunterschieden zwischen den Geschlechtern finden. Mädchen verlassen die Schule mit weitaus besseren Abschlüssen als ihre männlichen Altersgenossen und dies ist im Osten nochmals ausgeprägter. Mittlerweile werden weibliche Arbeitnehmer in vielen Unternehmen bevorzugt eingestellt“, erklärt Emde. Durch ihre Bildung und die daraus resultierenden höheren Ansprüche reagieren junge Frauen früher und deutlich zielgerichteter auf den Strukturwandel, indem sie in den Westen gehen.

Momentan schon lässt sich ein erheblicher Überschuss an Männern zwischen 16 und 34 Jahren erkennen. In einigen Regionen fehlen bis zu 30 Prozent der Frauen. „Dieses Frauendefizit ist europaweit ohne Beispiel: „Selbst in den Polarkreisregionen Schwedens oder Finnlands leben noch mehr Frauen“, so Emde. „Die Männer sind dann von einer Teilhabe in wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen: Keine Ausbildung, keine Arbeit, keine Frau...“. So entsteht eine neue, männlich dominierte Unterschicht, die sich auch dauerhaft zu etablieren droht. Zum so genannten „abgehängten Prekariat“ gehören im Osten der Republik etwa 20 Republik, schätzungsweise bis zu drei Viertel davon Männer.

Die nach der Wiedervereinigung ausgelöste Abwanderung könnte sich auf die Dauer als das größte Entwicklungshemmnis für die neuen Bundesländer herausstellen. Entsprechend hinterlässt sie ihre Spuren im Qualifikationsniveau der Zurückgebliebenden. Die wenigen neuen Arbeitsplätze, die in den neuen Bundesländern entstehen, verlangen oft nach einer hohen Qualifikation, so dass auch hier wiederum die Frauen bevorzugt werden. „Männer mit einer solch schlechten Ausbildung sieht ein Unternehmen nur als Belastung; doch langfristig müssen auch diese Menschen durch Weiterbildungsmaßnahmen wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden, da sonst gesellschaftliche Muster auseinander brechen, Männer wie Frauen der Politik verdrossen gegenüber stehen werden und das Generationenproblem sich immer mehr verschärfen wird“, erläutert Emde.

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