(openPR) Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben gewählt. Die Wahlkämpfe sind vorbei – politische Gegensätze, Enttäuschungen und gesellschaftliche Spannungen sind es nicht.
„Am Tag nach einer Wahl leben wir immer noch miteinander. Der Nachbar bleibt der Nachbar, Kollegen begegnen sich wieder bei der Arbeit und in Familien sitzen Menschen am selben Tisch, die politisch völlig unterschiedlich entschieden haben“, sagt der zertifizierte Mediator Frank Hartung aus Dessau-Roßlau.
Hartung beschäftigt sich beruflich mit Konflikten und der Frage, wie Verständigung möglich bleibt, wenn Menschen sehr unterschiedliche Sichtweisen vertreten. Eine Erfahrung aus der Mediation hält er auch für politische Auseinandersetzungen für wichtig:
„Verstehen heißt nicht zustimmen.“
„Ich kann nachvollziehen, warum jemand wütend, enttäuscht oder mit politischen Entscheidungen unzufrieden ist, und seine Schlussfolgerung trotzdem für falsch halten“, sagt Hartung. „Ich muss die Sicht meines Gegenübers nicht übernehmen, um verstehen zu wollen, wie sie entstanden ist.“
Gerade nach polarisierten Wahlkämpfen sieht Hartung die Gefahr, Menschen nur noch anhand ihrer Wahlentscheidung wahrzunehmen. Statt über konkrete Probleme zu sprechen, würden sich politische Lager gegenüberstehen und einander zunehmend als Gegner betrachten.
Hartung hat sich anlässlich der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ausführlicher mit der Frage beschäftigt, warum Menschen das Vertrauen in die bisherige Politik verlieren und weshalb einige von ihnen die AfD als Alternative betrachten. Seine persönliche Position ist dabei eindeutig: Er hält die AfD nicht für die Lösung. AfD-Wähler deshalb pauschal abzuschreiben, hält er jedoch ebenfalls für falsch.
Statt einem Gesprächspartner sofort zu erklären, warum er falschliege, könnten zunächst einfache Fragen helfen: Was stört dich eigentlich? Was müsste sich verändern? Was erwartest du von der Partei, die du gewählt hast?
„Vielleicht stellen wir dann fest, dass wir bei der Beschreibung mancher Probleme gar nicht so weit auseinanderliegen“, sagt Hartung. „Über die Lösungen können wir anschließend immer noch streiten.“
Das bedeute ausdrücklich nicht, problematische oder aus eigener Sicht falsche Aussagen unwidersprochen stehen zu lassen. Für Hartung liegt gerade darin ein wichtiger Unterschied zwischen Verstehen und Zustimmung.
„Respekt vor einem Menschen bedeutet nicht, seine politischen Überzeugungen zu teilen. Ich kann einer Aussage deutlich widersprechen, ohne deshalb den Menschen dahinter abzuwerten.“
Nach den Wahlen komme es deshalb nicht nur darauf an, welche Parteien künftig politische Verantwortung tragen. Auch der gesellschaftliche Umgang mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen bleibe eine Aufgabe.
„Ein einzelnes Gespräch wird politisch wenig verändern. Aber wie wir miteinander umgehen, können wir selbst beeinflussen. Wir müssen uns nicht einig sein – aber wir sollten noch miteinander reden können.“
Über Frank Hartung
Frank Hartung, Jahrgang 1966, ist zertifizierter Mediator und lebt in Dessau-Roßlau. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit Konflikten, unterschiedlichen Wahrnehmungen und der Frage, wie Verständigung auch dann möglich bleibt, wenn Menschen in der Sache unterschiedlicher Meinung sind.
Seinen ausführlichen Beitrag zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Hartung in seinem Mediationsblog veröffentlicht:
Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026: Warum die AfD für mich keine Lösung ist
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Frank Hartung
Zertifizierter Mediator
Dessau-Roßlau









