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Schwache Konjunktur und höhere Zinsen fordern ihren Preis

Bild: Schwache Konjunktur und höhere Zinsen fordern ihren Preis
Entwicklung des NPL-Barometers seit 2015 (© Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing)
Entwicklung des NPL-Barometers seit 2015 (© Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing)

(openPR) Berlin, 15. November 2023 – Die deutsche Wirtschaftsleistung stagniert, das Zinsniveau ist kräftig gestiegen. Das hinterlässt Spuren in den Kreditportfolios der Banken. „Die Bestände an notleidenden Krediten werden nach Einschätzung der Risikomanager in allen Assetklassen steigen“, sagt Professor Christoph Schalast, Vorsitzender des Beirats der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS). Am Markt für notleidende Kredite (NPL) zeige sich nun die Umkehr von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt – also ein Rückgang der Preise. Jürgen Sonder, Präsident der BKS: „Doch es gibt qualifizierte Instrumente, damit verantwortungsvoll umzugehen, haben doch EU-Kommission und EZB in den vergangenen Jahren ein effektives Set-up für das NPL-Management in Europa installiert, das aktuell auch in Deutschland umgesetzt wird.“

Zu konjunktureller Schwäche, geopolitischen Krisen und hohen Zinsen kommen die angespannten öffentlichen Haushalte. „Anders als noch bei der Corona-Pandemie darf die deutsche Wirtschaft wenig Hilfe vom Staat erwarten“, sagt Schalast, „dafür fehlen schlicht die Mittel und Instrumente.“ Diese aktuelle Situation spiegelt sich auch in der Herbst-Erhebung des NPL-Barometers für den Zeitraum Juli bis September 2023 wider. Mit dem Barometer evaluiert die BKS seit 2015 in Kooperation mit der Frankfurt School of Finance & Management, wie sich die NPL-Marktaktivitäten in der jüngsten Vergangenheit entwickelt haben und welche Entwicklung die Marktteilnehmer erwarten. 

Sowohl der Lage- wie auch der Erwartungswert des NPL-Barometers erreichten im Herbst die höchsten bisher gemessenen Werte. Dies bedeutet: So viele Banken wie nie zuvor beobachteten steigende Bestände und sinkende Verkaufspreise von NPL-Portfolios in den vorausgegangenen zwölf Monaten und erwarteten dies auch für die kommenden zwölf Monate. Ein Teil des starken Anstiegs ist allerdings auf eine Umstellung der Berechnungsmethodik zurückzuführen. 

Für den Bestand notleidender Kredite in den Bilanzen ergibt sich ein Lagewert von 0,45 und ein Erwartungswert von 0,59. Das heißt, eine überwiegende Mehrheit der Befragten beobachtete in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme an NPLs und noch mehr Risikomanager gehen davon aus, dass die Zahl in den kommenden zwölf Monaten weiter zulegen wird. Anstiege gibt es insbesondere in den Bereichen Konsumentenkredite und Corporate Real Estate (CRE). Die Erwartung fällt im CRE-Bereich am größten aus. Allerdings ist auch bemerkenswert, dass 65 Prozent der Teilnehmenden für den Bereich Residential Real Estate (RRE) mit steigenden Beständen rechnen, obwohl nur 35 Prozent einen Anstieg in den vergangenen zwölf Monaten registriert haben.

Der Anstieg der NPLs spiegelt sich in sinkenden Verkaufspreisen für Portfoliotransaktionen notleidender Kredite wider. Besonders groß war der Anteil der Befragten, die gesunkene Preise im Bereich der CRE-Kredite beobachteten (78 Prozent) und erwarten (95 Prozent). Der zweithöchste Wert wird bei den KMU-Forderungen mit 57 Prozent der Befragten erreicht, allerdings erwarten auch nur 60 Prozent einen weiteren Rückgang, während die Schere bei den RRE-Forderungen mit 50 Prozent für die Lageeinschätzung und 71 Prozent für die Erwartung erheblich weiter auseinandergeht. 

Die Schätzungen für die NPL-Volumina in den deutschen Banken bis Ende 2023 und Ende 2024 fallen nach wie vor konservativ aus. Für Ende 2023 werden 36,1 Milliarden Euro an notleidenden Krediten erwartet, bis Ende nächsten Jahres 41,6 Milliarden Euro. Im Juni 2023 meldete die EBA 33,6 Milliarden Euro. Konservativ fallen die Schätzungen auch mit Blick auf die NPL-Quoten aus. Für unbesicherte Konsumentenkredite wird bis Ende 2023 im Schnitt mit einer Quote von 2,5 Prozent gerechnet. Bis Ende 2024 erwarten die Teilnehmenden dann im Schnitt eine Quote von 2,8 Prozent. Zum Vergleich: Im aktuellen Schufa-Risiko- und Kreditkompass 2023 wird mit einer Ausfallquote von 2,1 Prozent gerechnet. 

„Generell ist festzustellen, dass Deutschland in den vergangenen zehn Jahren sehr geringe NPL-Quoten aufwies und die derzeitigen Steigerungen demnach von einem niedrigen Niveau aus zu messen sind“, sagt Schalast. 

Das NPL-Barometer bestätigt darüber hinaus eine allgemeine Verschärfung der Kreditstandards und eine sinkende Kreditnachfrage im Zuge der Zinswende. So beobachteten 39 Prozent der Befragten einen starken oder leichten Rückgang der Nachfrage nach Konsumentenkrediten, 18 Prozent stellten einen Anstieg fest. Zum Einbruch kam es beim Neugeschäft im Bereich der wohnwirtschaftlichen Immobilienkredite, hier meldete über die Hälfte der Befragten einen starken Rückgang. 

Auch die Trendumkehr an den Immobilienmärkten ist inzwischen im NPL-Barometer vollends angekommen. In Deutschland wurden sowohl im wohnwirtschaftlichen Bereich (69 Prozent), aber insbesondere im gewerblichen Sektor (89 Prozent) in den vergangenen zwölf Monaten überwiegend gesunkene Preise beobachtet und werden auf einem ähnlich hohen Niveau auch für die Zukunft erwartet (62 beziehungsweise 96 Prozent). BKS-Präsident Jürgen Sonder: „Inwieweit sich die restriktive Kreditvergabe im gewerblichen Sektor kritisch in der Insolvenzentwicklung bemerkbar machen wird, ist abhängig von Bewertungsfragen innerhalb der Banken hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle.“

Zur Methodik

Gefragt wird nach der tatsächlichen Entwicklung innerhalb der vergangenen zwölf Monate und der erwarteten Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Dabei werden die NPL-Bestände, die Kaufpreise, die Nutzung von Verkäufen und Outsourcings, die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Entwicklungen auf den Immobilienmärkten unter die Lupe genommen. Das NPL-Barometer ist auf einer Skala von -1 bis +1 abgetragen. Werte im negativen Bereich der Skala sprechen für einen weniger aktiven NPL-Markt, während ein positiver Wert für höhere NPL-Bestände, mehr Transaktionstätigkeit und geringere Verkaufspreise spricht.

Das aktuelle NPL-Barometer kann hier heruntergeladen werden.

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