(openPR) In Deutschland wird bislang kaum darüber diskutiert, Ärzteverbände lehnen entsprechende Vorstöße als "grotesk" ab. In Großbritannien und in den USA ist es schon Teil der Realität: Die finanzielle Vergütung von Arzt- und Krankenhausleistungen in Abhängigkeit von der medizinischen Versorgungsqualität in Form eines finanziellen Bonus. In einer Umfrage bei amerikanischen Ärzten hat sich jetzt gezeigt, dass die große Mehrheit der Mediziner dieses Prinzip des "P4P", "Pay for Performance" (Bezahlung nach Leistung) unter bestimmten Voraussetzungen durchaus befürwortet. Dies ist ein recht deutlicher Hinweis darauf, dass die bislang auch in den USA und im United Kingdom noch eher zögerliche Verbreitung einer teilweise qualitätsabhängigen Honorierung medizinischer Leistungen in der ambulanten wie stationären Versorgung nicht am Widerstand der Betroffenen scheitern wird. Zumindest die Diskussion über Vor- und Nachteile des P4P-Systems dürfte daher schon bald auch in Deutschland einsetzen.
In einer großen repräsentativen Befragung haben jetzt Wissenschaftler aus Massachusetts und Chicago knapp 600 Ärzte (Internisten) unter anderem dazu befragt, wie sie zu einer qualitätsorientierten Bezahlung stehen und ob sie auch dafür wären, bestimmte Daten zur Versorgungsqualität von Ärzten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter dem Strich zeigt sich: die Ärzte sind mehrheitlich gegenüber einer P4P-Entlohnung positiv eingestellt, lehnen aber eine Veröffentlichung von Statistiken über Qualitätsmerkmale in der Versorgung ab. Im Einzelnen zeigen die Antworten:
• "Wenn Qualitäts-Merkmale solide erfasst werden können, sollte die Entlohnung von Ärzten qualitätsabhängige Anteile enthalten" - diesem Statement stimmen 73% der Befragten zu.
• "Finanzielle Anreize für Qualität sind bei Ärzten nicht angebracht" - dieser konträren Position stimmen insgesamt nur 33% zu.
• "Wenn Qualitäts-Merkmale solide erfasst werden können, sollten diese Daten auch über einzelne Ärzte veröffentlicht werden" - diese Position wird allerdings von den Befragungsteilnehmer deutlich abgelehnt, nur 32% stimmen zu.
Die Befragung zeigt allerdings auch, dass die Ärzte die gegenwärtigen Voraussetzungen für eine qualitätsorientierte Bezahlung noch sehr kritisch einschätzen. 70% meinen, dass Qualitätsdaten aktuell sehr wenig fundiert sind, wobei insbesondere die sogenannte "Risiko-Adjustierung" kritisiert wird. Knapp 90% vertreten die Meinung, dass bei den gegenwärtigen Statistiken der unterschiedliche Gesundheitszustand und die Vorerkrankungen von Patienten nicht hinreichend berücksichtigt werden. Solche Voraussetzungen, die von Arztpraxis zu Arztpraxis unterschiedlich sein können, beeinflussen jedoch den Ausgang der Therapie, ganz unabhängig von ärztlicher Kompetenz und Engagement.
Gegen die Erhebung und Veröffentlichung von qualitätsbezogenen Daten führen die amerikanischen Ärzte noch eine Reihe weiterer Argumente ins Feld. Dies könnte ihrer Meinung nach einerseits dazu führen, dass bestimmte Merkmale der ärztlichen Tätigkeit (wie Kommunikation mit Patienten), die nicht oder nur schwer messbar, gleichwohl aber für den Therapieerfolg wichtig sind, vernachlässigt werden. Dieser Meinung sind 61%. Andererseits befürchten sie, dass Ärzte bestimmte Risiko-Patienten (mit Vorerkrankungen, schlechtem Gesundheitszustand, hohem Lebensalter, ungesundem Verhalten usw.) ablehnen, weil dies ihre Statistik verschlechtern würde. 82% schließen sich dieser Meinung an.
Weitere Informationen:
http://www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index3013.htm












