(openPR) Hamburg/Rom/Istanbul www.schadengutachter.eu Raif Özalan - Der Durchschnittsbürger weiß nicht viel mehr als dass die Moslems Allah anbeten, statt einer Bibel den Koran haben und ihre Frauen Kopftücher tragen. Das ist nicht sehr viel. Selbstmordattentäter und die Bilder in den Medien von schießenden Palästinensern, Chaos im Irak, die Äußerungen islamischer Politiker oder die Unduldsamkeit islamischer Staaten gegenüber Christen vermitteln einen sehr negativen Eindruck. Doch wir sollten uns klar machen, dass es auch bei den Moslems die große Masse gibt, die einfach nur in Ruhe ihr Leben führen will.
Istanbul ist auch eine wichtige Stadt für die Annäherung zwischen der katholischen Kirche und den alt-orientalischen und orthodoxen Christen.
Der viertägige Besuch von Papst Benedikt XVI. wird die schwierigste Reise seit seiner Wahl im April 2005. Erstmals reist Benedikt in ein Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. «Der Papst wird jedes Wort seiner Reden genau abklopfen», sagt ein Vatikankenner in Rom. «Ein falsches Wort, und das Verhältnis zum Islam steht in Flammen.»
In Istanbul ist die Periode des Dialoges geprägt von der Person des Ehrenoberhauptes der Weltorthodoxie, des Ökumenischen Patriarchen Athenagoras (s. Foto). Er hatte 1951 zum 1500. Jahrestag des Konzils von Chalkedon ein Rundschreiben erlassen „An alle Gläubigen der Kirche“ und sich an die seit 451 getrennten Kirchen gewandt. In diesem Schreiben heißt es: „Und jetzt, an diesem denkwürdigen Tag des 1500. Jahrestages des ehrwürdigen Konzils von Chalkedon, richten wir unseren Geist in brüderlicher Liebe besonders an die seit der Zeit dieses Konzils getrennten Brüder, welche unter dem Vorwand des Konzils von Chalkedon sich selbst von der Kirche abspalteten, im übrigen aber orthodox blieben, um mit Johannes von Damaskos zu sprechen, und auch diese haben ungeteilt die Ehre und unsere Liebe als Brüder. Im gleichen Geiste der Liebe richten wir an diesem heiligen Gedenktag auch an alle Kirchen Christi herzliche Grüße im Herrn. Es ist an der Zeit, durch konzentrierte gemeinsame Bemühungen, jedes Hindernis zu beseitigen, das der Annäherung und der Einigung im Wege steht, wozu, wie wir alle versuchen, von unserem Ökumenischen Thron Wohlgeneigtheit und Unterstützung und Verständnis erwiesen wird.“
Mit seinem Besuch in der Türkei ab nächstem Dienstag (28.11.2006) kann Papst Benedikt XVI. an päpstliche Traditionen in diesem Land anknüpfen. Zwar haben nur seine Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II. als Päpste dieses Land 1967 und 1979 besucht, aber Johannes XXIII. war als Vatikanbotschafter eng mit der Türkei verbunden. Benedikt XV., der wegen seiner Bemühungen, den Ersten Weltkrieg zu beenden, als Friedenspapst in die Geschichte einging, hat ein Denkmal vor der katholischen Heilig-Geist-Kathedrale in Istanbul.
Als Johannes XXIII. von Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, benannte die Stadtverwaltung von Istanbul nach ihm eine Straße in Roncalli-Straße um und widmete ihm eine Broschüre in türkischer, englischer und französischer Sprache mit dem Titel „Ein Freund der Türken.“ Benedikt XVI. besucht nur wenige Tage nach dem 125. Geburtstag seines Vorgängers die Türkei.
Im Januar 1935 kam Angelo Roncalli erstmals an den Bosporus. Vorher war er seit 1925 Apostolischer Visitator in Bulgarien, wo er im November 1934 seine Ernennung für die Türkei erhielt, in der er bis 1945 bleiben sollte. „Er war ein wahrer Freund der Türken, die er liebte und schätzte“, erklärte ein halbes Jahrhundert später der türkische Außenminister Ihsan Sabri Caglayangil anlässlich einer Roncalli-Woche, die 50 Jahre nach seiner Ankunft in der Türkei veranstaltet wurde. Schon 1936 sagte Roncalli: „Ich fühle eine tiefe Zuneigung für dieses Volk, zu dem mich der Herr gesandt hat.“ Während seiner Exerzitien 1939 schrieb er: „Ich liebe die Türken.“
Auch als Papst behielt er diese Haltung bei, die von der türkischen Regierung erwidert wurde. Seine Schreiben an das Apostolische Vikariat in Istanbul endeten mit guten Wünschen für das türkische Volk. Präsident Celal Bayar besuchte ihn am 11. Juni 1959. Im Jahre 1960 sollten zur Erinnerung an den 25. Jahrestag seiner Ankunft in der Türkei verschiedene Gedenkveranstaltungen zu seinen Ehren stattfinden, doch herrschte dann in Istanbul der Ausnahmezustand. General Refik Tulga erlaubte als Gouverneur von Istanbul dennoch die Feiern und beendete seine Grußadresse mit den Worten: “Papst Roncalli ist der erste türkische Papst in der Geschichte.“
Bei einer weiteren Roncalli-Woche 1986 würdigte ihn auch die Jüdische Gemeinde in Istanbul wegen seiner Hilfe in der Zeit der Nationalsozialisten, als zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Ungarn und Rumänien über Bulgarien in die Türkei kamen. Franz von Papen sagte beim Nürnberger Prozess aus, dass Monsignore Roncalli 24.000 Juden gerettet habe. Der Ökumenische Patriarch Athenagoras wandte auf ihn die Worte des Evangeliums an: „Es kam ein Mann von Gott gesandt. Sein Name war Johannes.“
Nach seiner Seligsprechung veranstalteten die türkischen Behörden vom 8. bis 10. Dezember eine Reihe von Feiern zu Ehren des neuen Seligen, die mit der Namensgebung der Ölcek-Straße in Papa-Roncalli-Straße ihren Höhepunkt fanden. Kultusminister Istemihan Talay schrieb damals in einem Buch von Rinaldo Marmara, welches die türkische Regierung in verschiedenen Sprachen verbreitete: „Das türkische Volk, das einen Sinn für Freundschaft hat, wird Roncalli niemals vergessen.“
Zitat nicht vergessen
Der Papst hatte im September an der Universität Regensburg einen byzantinischen Kaiser aus dem 14.Jahrhundert mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe «nur Schlechtes und Inhumanes» gebracht. Der streitbare Präsident der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, macht keinen Hehl daraus, dass eine förmliche Entschuldigung Benedikt XVI. besser gewesen wäre, um die Wogen zu glätten. Immerhin wird er den Papst zum persönlichen Gespräch treffen.
Dagegen hält es Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht für opportun, sich mit dem Staatsgast aus Rom zu zeigen. Er wird in Ankara nicht präsent sein, weil er zum NATO-Gipfel nach Lettland reist. Italienische Medien sprachen von «Brüskierung», der Vatikan versucht aber, die Angelegenheit herunter zu spielen.
Unterkühlter Empfang
In der Türkei ist die umstrittene Regensburger Rede des Kirchenführers zum Thema Islam und Gewalt nicht vergessen. Der erste Besuch eines Papstes seit mehr als einem Vierteljahrhundert erweckt in der Türkei kaum Hoffnungen auf den Beginn eines Dialogs zwischen Christentum und Islam.
«Es dürfte ein unterkühlter Empfang werden», glauben viele Türken. Zudem steht ein höchst politisches Thema im Raum: Das Für und Wider eines türkischen EU-Beitritts. Als er noch Kardinal Joseph Ratzinger hieß, war Benedikt XVI. strikt dagegen. «Als Papst wird er sich dazu wohl kaum äußern», heißt es in Rom.
Doch das alles entscheidende Thema der Reise heißt «Christentum und Islam». Viele Muslime in der Türkei haben genau zur Kenntnis genommen, dass der Papst seine Äußerungen zum Thema Islam und Gewalt nicht zurückgenommen hat. Stattdessen hatte er bedauert, dass seine Rede missverstanden worden sei. Bescheidenes Programm. Ansonsten ist das Programm nach der Ankunft am Dienstag in Ankara eher schmal: Benedikt XVI. hält einen Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten ab und besucht das Mausoleum von Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938), dem Staatsgründer der modernen Türkei.
Die erste Messe gibt es erst am Mittwoch auf einem Zwischenstopp in Ephesus, der alten biblischen Siedlung in der Nähe von Izmir. Höhepunkt der Reise ist Istanbul, das alte Konstantinopel, Stadt zwischen Orient und Abendland und Sitz des orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I.
Medien Spektakel
Während aus den muslimischen Staaten geschlossene Proteste kamen, wurden aus 39 Ländern, genau 950 ausländische Journalisten in der Türkei akkreditiert. Aus der Türkei akkreditierte Journalistenzahl ist 1000. Für die Berichterstattung des Papsts besuch haben sich nur 3 muslimische Staaten angemeldet. Italien, Deutschland und USA wollen ein Heer von Journalisten senden. Aus dem Land des Vatikans haben sich 88 Journalisten angemeldet, heißt es in den türkischen Nachrichten Magazins „Aksam“.
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