(openPR) Daß Gelddrucken kein Problem ist, wissen wir aus der Geschichte. Daß es letztlich nur wenige reich, aber sehr viele arm macht, wissen wir auch. Trotzdem wiederholen die Reichen und Mächtigen bzw. ihre politischen Statthalter aus blindem Eigennutz ihre Fehlhandlungen immer wieder und verursachen dadurch auch immer wieder die gleichen katastrophalen Folgen.
Wohin mit dem vielen Geld, fragt sich gegenwärtig die kleine Minderheit derer, die von der geradezu manischen Geldvermehrung und -verbilligung durch die Zentralbanken profitiert. Geldpolitisch aufgeblähte Vermögenspreise machen die Besitzende Klasse ohne eigenes Zutun (wenigstens nominal) reicher – jedenfalls solange die Party läuft, solange die Preise von Anleihen und Immobilien ebenso weiter zulegen wie die Aktienkurse von Unternehmen, die immer weniger und nicht selten gar kein Geld mehr verdienen.
Die ungeheure Menge spottbilligen, real oft schon kostenlosen Geldes befeuert die Nachfrage nach Anlageobjekten. Das treibt deren Preise unabhängig von den zu erzielenden Renditen, die immer weiter in den Keller rauschen. Aber man gönnt sich ja sonst nichts. Die große Mehrheit der „normal“ verdienenden Bevölkerung kann die Party sowieso nicht mitfeiern. Sie leidet stattdessen unter Kurzarbeit, zunehmender Arbeitslosigkeit und der Erosion ihrer privaten Altersversorgung, mit der sie ihre unzureichende Sozialrente aufzubessern hoffte.
Immer mehr Menschen müssen inzwischen hilflos zusehen, wie sie ärmer werden. Einkommen brechen weg, Ersparnisse schmelzen dahin. Wer noch Geld verdient, der muß damit leben, daß sein Erspartes dank Draghis Null- und Negativzinspolitik unter Schwindsucht leidet und seine – aus welchen Gründen auch immer – unzureichende Rente damit nicht aufgebessert werden kann. Ohne Ersparnisse ist es aber auch in unserem Sozialstaat vielen Menschen unmöglich, wirtschaftliche Krisen ohne Not zu überstehen. Rund ein Drittel der Deutschen verdient normalerweise – und so wollen es die selbst üppig versorgten Regierenden ganz offensichtlich – ohnehin nur maximal das, was zum Überleben unverzichtbar ist. Billige Arbeitskräfte sind den Lobbyisten des großen Geldes immer schon wichtiger gewesen als soziale Gerechtigkeit und Mindesteinkommen, die zum Leben – nicht nur zum Vegetieren – genügen. Was sich unsere üppig versorgten „Volksvertreter“ wohl dabei denken, wenn sie überhaupt denken?
Eine kleine Minderheit weiß dagegen nicht, was sie mit dem vielen (praktisch kostenlosen) Geld anfangen soll, das ihr in rauhen Mengen zur Verfügung steht. Sie spekuliert und treibt die Preise für Vermögensgegenstände wie Anleihen, Aktien, Immobilien und begehrte Sammlergegenstände in immer neue Höhen, obwohl ökonomische Gründe für solche Preissteigerungen weit und breit nicht zu erkennen sind. Man wird an „Des Kaisers neue Kleider“ erinnert. Was wird geschehen, wenn genügend Glücksrittern plötzlich klar wird, daß sie in Luftschlösser investieren?
Wenn unsere Politiker wirklich die Interessen des ganzen Volkes verträten, wäre jetzt der geeignete Zeitpunkt für eine längst überfällige radikale gesellschaftspolitische Wende. Die noch lange nicht bewältigte Coronakrise, die im Gemenge mit der von den Notenbanken verschleppten weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gerade dabei ist, zu einem finanzpolitischen Monster zu mutieren, könnte zum Anlaß für die längst überfällige sozialpolitische Wende genutzt werden: Endlich weg vom teuren und Millionen Mitmenschen niederdrückenden Ausbeutungs- und Sozialhilfestaat und hin zur gerechten Beteiligung aller am gemeinsam geschaffenen Wohlstand mittels Einführung eines Grundeinkommens in Gestalt einer negativen Einkommensteuer.
Wie das aussehen könnte, wurde vor einigen Jahren in einer Studie („Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer …“ (ISBN 978-3-943788-18-1, eBook [PDF] oder ISBN 978-3-943788-32-7, eBook [ePub]), je 9,95 Euro) gezeigt. Es wäre die lange überfällige Wende zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Einfach und kostengünstig würde damit soziale Sicherheit für alle geschaffen, im Alter sowie für den Fall der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsunfähigkeit. Auf einfache, gerechte und verwaltungstechnisch sparsamste Weise würde allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Einkommen gesichert, das ihnen die angemessene Teilnahme am sozial-kulturellen Leben unserer Gesellschaft ermöglichte und zugleich die volkswirtschaftliche Binnennachfrage stabilisierte. Anstatt sich von einer „Rettungsmaßnahme“ in die nächste treiben zu lassen, sollten die Politiker auf diesem Wege endlich Nägel mit Köpfen machen.
Ein solches Grundeinkommen machte Ausbeutung allerdings unmöglich. Das klingt zwar erfreulich, ist bei den Vertretern des „großen Geldes“ aber offensichtlich unerwünscht. Deshalb werden sich ihre über alle Parteien verteilten Lobbyisten, die sich „Volksvertreter“ nennen, niemals dafür entscheiden. Aber die große Weltfinanz- und -wirtschaftskrise ist noch lange nicht ausgestanden; zu befürchten ist sogar, daß wir gerade erst an ihrem Beginn stehen. Ob es genügt, sie unter gigantischen Mengen von neuem Geld zu ersticken, ohne für den sozialen Frieden und die politische Stabilität letztlich letale Wirkungen zu riskieren, bleibt abzuwarten.
Was wir gegenwärtig „Finanzmarkt“ nennen, ist nichts weiter als eine riesige Schwemme praktisch kostenlosen Geldes, das überwiegend in Händen derer, die ohnehin mehr als genug haben verzweifelt nach Anlageobjekten sucht, von denen selbst die Schlechtesten infolge begrenzten Angebots noch reichlich Nachfrage auf sich ziehen. Von zukunftssichernden Anlageentscheidungen kann längst nicht mehr die Rede sein. Jedes aufkeimende Risikobewußtsein scheint augenblicklich durch den Wahn, die Vermögenspreise könnten nur noch weiter steigen, erstickt zu werden. Die Preise von Anleihen, Aktien und Immobilien schießen in absurde Höhen und die Mehrheit der Menschen wird ärmer. Ist das die Inflation, die Mario Draghi wollte?
Die Kollateralschäden dieser Kur sind katastrophal und könnten uns letztlich auch den sozialen Frieden kosten. Die Vermögenspreise hängen inzwischen allein am Tropf massenhaft verfügbaren spottbilligen Geldes. Sie könnten geradezu astronomische Höhen erreichen, wenn der Nachschub an Neugeld von der EZB gesichert wird. Aktien und Anleihen könnten dabei beliebig hohe Minusrenditen erreichen. Das gilt grundsätzlich auch für Immobilien. Jedoch verursachen Immobilien zusätzlich zu den Erstellungs- bzw. Kaufkosten (oft beträchtliche) laufende Unterhaltungskosten. Die Kosten müssen finanziert werden – sollten die Mietausfälle infolge wirtschaftlicher Depression und Zahlungsunfähigkeit vieler Mieter auch noch so hoch sein.
Das leichtsinnige Experiment mit den Null- und Negativzinsen ist längst außer Kontrolle geraten. Es wird vielleicht als eine der größten Dummheiten der Menschheit in die Geschichte eingehen. Sinkende Renditen signalisieren einen kontinuierlich abnehmenden Wert von Kapital. Die Folge sind Fehlinvestitionen. Die finanzielle „Bewältigung“ der Corona-Krise durch die Politik tut ein Übriges, um die Wirtschaft mit ihrer absurden Übersteigerung der Vermögenspreise noch konsequenter ins Ungewisse zu steuern. Welche Folgen das für den künftigen Lebensstandard der großen Mehrheit der Bevölkerung haben wird und wie die Herrschenden auf die zu erwartenden sozialen Auswirkungen reagieren, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, daß die sozialen Folgen der finanzwirtschaftlichen Experimente letztlich auch politische Konsequenzen haben werden.
In der Reihe „Tacheles“ sammelt Prof. Querulix seit vielen Jahren seine Beobachtungen und Kommentare zum bunten Treiben der Menschentiere. Bisher gibt es 7 Bände eBooks. Der 7. Band der Reihe trägt den Titel „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3, 264 S.) Er ist wie alle anderen Bände in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro erhältlich.
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