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DLRK 2018: Die Luftfahrt ist digital

21.08.201813:03 UhrVereine & Verbände
Bild: DLRK 2018: Die Luftfahrt ist digital
Bild: DGLR
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(openPR) Schneller, effizienter, kostengünstiger – die Digitalisierung verspricht in der Luftfahrt für Hersteller, Fluggesellschaften und Passagiere erhebliche Möglichkeiten. Wie sie das Fliegen für alle angenehmer machen soll und was die Luftfahrt sonst noch in den nächsten Jahren erwartet, zeigt der 67. Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK), der vom 4. bis 6. September 2018 in Friedrichshafen stattfindet. Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) bringt jährlich rund 600 Teilnehmer aus Industrie und Forschung zusammen, die sich über die aktuellen Entwicklungen der Branche austauschen.



Schon heute finden viele Phasen der Flugzeugentwicklung am Computer statt. Simulationen zeigen zum Beispiel das aerodynamische Verhalten einzelner Teile oder des ganzen Flugzeugs, ohne, dass es im Windkanal getestet werden muss. Das vollständige digitale Flugzeug bezieht sich auf die virtuelle Abbildung des Flugzeugs mit allen geometrischen und physikalischen Eigenschaften. Dies geschieht mittels digitaler Konstruktionswerkzeuge und numerischer Simulationsmodelle. Aber nicht nur die Produktion, sondern auch die weiteren Lebensphasen – über den Betrieb bis zur Außerdienststellung und Entsorgung einer Maschine – lassen sich digitalisieren. Mit dieser vollständigen Spiegelung kann ein sogenannter „digitaler Zwilling“ für jede Maschine entstehen. Dieser würde es zum Beispiel möglich machen, Fehler vorherzusagen bevor sie entstehen. So ließen sich viel Zeit und Kosten sparen.

Von der Digitalisierung in der Luftfahrt profitieren aber nicht nur Hersteller und Fluggesellschaften. Auf dem DLRK präsentiert David Doyle von Lufthansa Technik in seinem Plenarvortrag auch das Projekt „SMILE“. Im Rahmen von „SMILE“ sammelt Lufthansa Kundendaten und wertet sie aus, um ihr Angebot speziell auf die einzelnen Personen zuzuschneiden. So wird zum Beispiel getestet, die Website auf die individuellen Anforderungen der Passagiere auszurichten. Passagiere, die in den Urlaub fliegen wollen, erhalten dann Anregungen und Ideen für ihre Reise, während Geschäftsreisende nur mit den nötigsten Informationen versorgt werden. Desweiteren untersucht das Projekt, wie viel Zeit die Passagiere vor dem Boarding am Flughafen verbringen und wie die Airlines ihnen mit bestimmten Produkten und Dienstleistungen, wie zum Beispiel einem Lounge-Pass, die Zeit angenehmer gestalten können.

Forschung am Flugzeug der Zukunft

Die Digitalisierung wirkt sich auch auf einzelne Systeme des Flugzeugs wie das Triebwerk aus. Sensoren können hier laufend wichtige Parameter überwachen und etwaigen Instandhaltungsbedarf erkennen. Darüber berichtet Paul Stein, CTO bei Rolls-Royce, beim DLRK. Er präsentiert die aktuelle Entwicklung des Rolls-Royce UltraFans, der gegenüber den bislang eingesetzten Trent-Triebwerken 25 Prozent Treibstoff sparen soll. Darüber hinaus beschäftigt sich das Unternehmen mit hybridelektrischen Konzepten. Gemeinsam mit Airbus und Siemens verkündete Rolls-Royce am 28. November 2017, dass 2020 der erste Flugdemonstrator, der E-Fan X, mit einem hybrid-elektrischen Antrieb fliegen soll. Für den E-Fan X stellen Airbus, Rolls-Royce und Siemens jeweils ihr Know-how auf den entsprechenden Fachgebieten zur Verfügung. Für die 2020 geplanten Testflüge sollen eine bis zwei der vier Turbinen des Flugzeugs durch ein elektrisches Antriebssystem ersetzt werden. 2025 soll der Antrieb Serienreife erlangen.

Airbus arbeitet zudem an vielen weiteren Projekten für das Flugzeug der Zukunft. So stellt Torsten Bardewyck, Airbus Head of R & T Business Development, das BLADE-Projekt (Breakthrough Laminar Aircraft Demonstrator in Europe) vor. Mit einem A340-Testflugzeug untersucht das Unternehmen gemeinsam mit 20 Industriepartnern und Forschungseinrichtungen das Potenzial von Laminarprofilen für Verkehrsflugzeuge. Durch die speziell geformten Flügel mit sehr glatten Oberflächen soll die Luft über eine möglichst lange Strecke gleichmäßig und parallel über die Tragflächenoberseite strömen. Dadurch soll der Reibungswiderstand am Flügel halbiert werden und der Treibstoffverbrauch um rund fünf Prozent sinken.

Der Weg für die Luftfahrtindustrie

Mit solchen Forschungsprojekten und Innovationen hat sich Deutschland in den letzten 20 Jahren zu einem weltweit führenden Luftfahrtstandort entwickelt. Um diesen Erfolg zu halten und weiter auszubauen hat der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) zusammen mit seinen Mitgliedern eine Technologiestrategie erarbeitet, die er beim DLRK in Friedrichshafen vorstellen wird. Die Strategie beinhaltet eine konkrete Vorstellung der Technologieentwicklung in den kommenden Jahrzehnten. Sie soll zeigen, wie die Wettbewerbsfähigkeit erhöht und gleichzeitig gesellschaftliche Ziele erreicht werden können. Auch die Nachhaltigkeit spielt in der Strategie eine zentrale Rolle und wird mit der Wettbewerbsfähigkeit gleich gewichtet.

Auf die richtige Balance kommt es auch beim Dialogtag Luftfahrt an, der wie bereits in den letzten Jahren im Rahmen des DLRK stattfindet. Seit dem ersten Dialogtag 2014 stieg die Nachfrage an der Veranstaltung so an, dass es in diesem Jahr erstmals zwei thematisch getrennte Dialogtage geben wird. Bei dem Event treffen sich Ingenieure und Piloten, um Erfahrungen auszutauschen und Konzepte aus ihrer jeweiligen Perspektive zu diskutieren. Ziel ist es, die unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen zu verknüpfen, sodass angepasste technische Systeme entstehen, mit denen bessere operationelle Ergebnisse erreicht werden können.

Der Dialogtag Verkehrsluftfahrt geht näher auf die operative Arbeit der Piloten mit Systemen im Cockpit ein. So geht es zum einen darum, wie Piloten mit der steigenden Informationsflut im Cockpit umgehen und welche Systeme die Arbeit der Piloten unterstützen können. Zum anderen besprechen die Teilnehmer, welche Systeme für die Flugzeuge der nächsten Generation zu erwarten sind. Dazu zählen Pilotenassistenzsysteme, die vor Gefahren warnen, Flüge mit nur einem Piloten oder auch die unbemannte Fracht- und Passagierluftfahrt. Der Dialogtag Unbemannte Luftfahrtsysteme konzentriert sich auf die anwendungsorientierte Darstellung des Einsatzes von UAS (Unmanned Aerial Systems). Hier soll erörtert werden, wie weit diese Systeme schon heute sind – das betrifft zum Beispiel das operationelle Fliegen außerhalb des Sichtbereichs des Piloten. Darüber hinaus werden Regularien für die Zulassung unbemannter Luftfahrtsysteme für den operationellen Einsatz besprochen.

Von bodengebundenen Luftverteidigungssystemen zu zivilen Hybridluftschiffen

Neben der zivilen Luftfahrt geht es beim DLRK auch um einige militärische Projekte. So beschäftigt sich eine Sitzung mit bodengebundenen Luftverteidigungssystemen. Mitte des nächsten Jahrzehnts möchte Deutschland das Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) einführen. Damit wird das Waffensystem PATRIOT bis 2030 schrittweise abgelöst. Als technologische Grundlage für TLVS dient das Medium Extended Air Defense System (MEADS), an dem Deutschland mit weiteren Staaten wie den USA und Italien arbeitet. TVLS wird weitere Entwicklungsleistungen umfassen wie die Integration des Zweitflugkörpers IRIS-T SL, einen Mittelbereichssensor, einen optronischen Sensor, Anteile des Führungssystems SAMOC sowie ein wesentlich erweitertes Performance-Spektrum. Der von Diehl Defence entwickelte Boden-Luft-Flugkörper IRIS-T SL ist eine leistungsgesteigerte Version der weltweit im Einsatz befindlichen Fighter-Bewaffnung IRIS-T.

Insgesamt beschäftigen sich mehr als 30 Sitzungen beim DLRK 2018 mit verschiedensten Themen aus der Luftfahrt. Dazu kommen viele weitere Querschnittsthemen wie zum Beispiel Vorträge zum Thema Aerodynamik. Auch der Austragungsort des diesjährigen DLRK, die Zeppelinstadt Friedrichshafen, zeichnet sich im Vortagsprogramm ab: Es geht unter anderem um Senkrechtstarttechnologien und Hybridluftschiffe.

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