Haben Sie sich jemals gefragt, wie viele Berührungspunkte (sog. Touchpoints) mit einem potenziellen Kunden nötig sind, bevor dieser einen Kauf tätigt? Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Anzahl der Berührungspunkte, die ein Kunde benötigt, bevor er eine Kaufentscheidung trifft, kontinuierlich zunimmt. Es reicht bei weitem nicht mehr aus, nur ein oder zwei Kontakte zu haben. Vor allem die Reise (Customer Journey) eines B2B-Kunden ist komplex und oft langwierig. B2B-Kunden verlangen eine tiefere und kontinuierlichere Interaktion. Ein Dutzend B2B Touchpoints sind dabei keine Seltenheit. Wie kann man diesen Prozess optimieren?
Was genau sind die Touchpoints?

Diese Berührungspunkte können sowohl online als auch offline stattfinden und umfassen eine Vielzahl von Kanälen und Formaten. Jeder dieser Punkte ist eine Gelegenheit, das Vertrauen des Kunden zu gewinnen, ihn von Ihrem Angebot zu überzeugen und ihn in seiner Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Touchpoints beginnen oft mit der ersten Wahrnehmung Ihrer Marke, zum Beispiel durch eine Online-Werbung oder einen Social-Media-Post. Weitere Berührungspunkte können der Besuch Ihrer Website, das Lesen eines Blogbeitrags, das Herunterladen eines Whitepapers, die Teilnahme an einem Webinar oder ein persönliches Treffen auf einer Messe sein. Auch E-Mail-Kommunikation, Telefonate, Produktdemos und Kundenbewertungen gehören dazu.
Diese Touchpoints spielen eine wichtige Rolle im Kaufprozess, da sie das Vertrauen und die Beziehung zum Kunden aufbauen. Dabei gibt es entscheidende Unterschiede zwischen B2B (Business-to-Business), bei denen Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen an andere Unternehmen verkaufen, und B2C (Business-to-Consumer), bei denen Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen direkt an Endverbraucher verkaufen.
Die Besonderheiten bei B2B Touchpoints
B2C-Kunden benötigen in der Regel weniger Berührungspunkte, um eine Kaufentscheidung zu treffen. Durchschnittlich sind es etwa 3 bis 5 Touchpoints, bis ein B2C-Kunde zum Kauf schreitet.
Im B2B-Bereich benötigen Kunden in der Regel deutlich mehr Berührungspunkte. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass B2B-Kunden im Durchschnitt zwischen 8 und 12 Touchpoints durchlaufen, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden.
Dies liegt an mehreren Faktoren:
Komplexität der Produkte und Dienstleistungen
B2B-Produkte und -Dienstleistungen sind häufig komplexer und technisch anspruchsvoller als Konsumgüter. Ein Unternehmen, das Softwarelösungen, industrielle Maschinen oder spezialisierte Beratungsdienste anbietet, muss umfangreiche Informationen bereitstellen, um potenzielle Kunden zu überzeugen. Diese Kunden müssen die technischen Details, die Vorteile und die Anwendungsmöglichkeiten vollständig verstehen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen können. Daher sind mehr Berührungspunkte erforderlich, um diese Informationen schrittweise zu vermitteln.
Längere Verkaufszyklen
Der Verkaufszyklus im B2B-Bereich ist in der Regel wesentlich länger als im B2C-Bereich. Während ein Verbraucher möglicherweise innerhalb weniger Stunden oder Tage eine Kaufentscheidung trifft, kann der B2B-Verkaufsprozess Monate oder sogar Jahre dauern. Diese längeren Zyklen erfordern eine kontinuierliche Kommunikation und mehrere Touchpoints, um das Interesse des potenziellen Kunden aufrechtzuerhalten und Vertrauen aufzubauen.
Entscheidungsgremien
In B2B-Transaktionen sind oft mehrere Entscheidungsträger beteiligt. Während im B2C-Bereich in der Regel eine Einzelperson die Kaufentscheidung trifft, handelt es sich bei B2B-Käufen häufig um Entscheidungen, die von einem Team oder einer ganzen Abteilung getroffen werden. Jeder dieser Entscheidungsträger hat möglicherweise unterschiedliche Anliegen und Informationsbedürfnisse, die durch spezifische Touchpoints adressiert werden müssen. Dies erhöht die Komplexität und die Anzahl der erforderlichen Interaktionen.
Höhere Transaktionsvolumina
Die Transaktionsvolumina im B2B-Bereich sind oft deutlich höher als im B2C-Bereich. Aufgrund des höheren finanziellen Risikos und der strategischen Bedeutung solcher Käufe müssen B2B-Kunden besonders gründlich informiert und überzeugt werden. Dies erfordert detaillierte Produktpräsentationen, Fallstudien, ROI-Berechnungen und andere spezifische Inhalte, die über zahlreiche Touchpoints hinweg vermittelt werden.
Personalisierung und Beziehungspflege
Im B2B-Bereich spielt die Personalisierung und Pflege von Beziehungen eine entscheidende Rolle. Geschäftsbeziehungen sind langfristig angelegt und basieren auf Vertrauen und Zuverlässigkeit. Jeder Touchpoint sollte daher darauf abzielen, die Beziehung zu stärken und auf die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen des Kunden einzugehen. Dies erfordert eine fein abgestimmte Strategie und eine enge Zusammenarbeit zwischen Marketing- und Vertriebsteams.
Multikanal-Strategien
Während im B2C-Bereich bestimmte Kanäle wie Social Media oder Online-Shopping-Plattformen dominieren können, erfordert der B2B-Bereich eine vielfältigere und ausgefeiltere Multikanal-Strategie. Dies umfasst digitale Kanäle wie Websites, E-Mail-Marketing und Webinare sowie traditionelle Kanäle wie Messen, persönliche Treffen und Printmedien. Die Integration und Koordination dieser Kanäle sind entscheidend, um eine kohärente und effektive Kommunikation sicherzustellen.
Beispiel

- Online-Werbung auf Social Media
- Besuch der Produktseite im Online-Shop
- Lesen von Kundenbewertungen
- Betrachten eines Produktvideos
- Abschluss des Kaufs
würde beispielsweise ein Software-Unternehmen, das eine komplexe Business-Lösung anbietet, den folgenden Berührungspunkte-Pfad haben:
- Anzeige auf LinkedIn
- Besuch der Unternehmenswebsite
- Lesen eines Blogbeitrags
- Teilnahme an einem Webinar
- Erhalt einer Follow-up-E-Mail
- Download eines Whitepapers
- Teilnahme an einer Produktdemo
- Meeting mit einem Vertriebsmitarbeiter
- Einholen von Kundenbewertungen
- Weitere E-Mail-Kommunikation
- Besuch einer Messe
- Abschlussgespräch mit dem Vertrieb
Diese Vielzahl an B2B Touchpoints hilft dem potenziellen Kunden, das Unternehmen und das Angebot besser zu verstehen und Vertrauen aufzubauen. Die Anzahl der benötigten Berührungspunkte kann von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören die Komplexität des Produkts, die Branche, der Entscheidungsprozess des Kunden und die Qualität der einzelnen Berührungspunkte. In Branchen mit langen Verkaufszyklen, wie beispielsweise der Automobil- oder Maschinenbauindustrie, sind tendenziell mehr Berührungspunkte erforderlich als in Branchen mit kürzeren Verkaufszyklen.
Effektive Kanäle für B2B Touchpoints

Digitale Kanäle
Digitale Kanäle bieten zahlreiche Möglichkeiten, um potenzielle Kunden zu erreichen und kontinuierlich mit ihnen zu interagieren. Durch die richtige Nutzung dieser Kanäle können Sie die Anzahl und Qualität Ihrer Berührungspunkte maximieren.
Website und Blog
Ihre Website und Ihr Blog sind oft die ersten Berührungspunkte für potenzielle Kunden. Stellen Sie sicher, dass Ihre Website informativ und leicht navigierbar ist. Ihr Blog sollte regelmäßig aktualisiert werden und relevante Inhalte bieten, die den potenziellen Kunden in seiner Kaufentscheidung unterstützen.
E-Mail-Marketing
E-Mail-Marketing ist ein effektiver Kanal, um kontinuierliche Berührungspunkte zu schaffen. Personalisierte und relevante E-Mails können potenzielle Kunden über neue Produkte, Webinare oder Veranstaltungen informieren und sie so kontinuierlich in Kontakt mit Ihrem Unternehmen halten.
Social Media
Plattformen wie LinkedIn, Twitter und Facebook bieten hervorragende Möglichkeiten, um mit potenziellen Kunden in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen. Nutzen Sie Social Media, um Inhalte zu teilen, an Diskussionen teilzunehmen und gezielte Werbung zu schalten.
Online-Werbung
Gezielte Online-Werbung über Google Ads, Display-Netzwerke oder Social Media Plattformen kann dazu beitragen, die Sichtbarkeit Ihres Unternehmens zu erhöhen und potenzielle Kunden zu erreichen, die aktiv nach Lösungen suchen.
Pressemitteilungen und Veröffentlichungen in Fachmedien
Pressemitteilungen und Fachartikel in relevanten (online und offline) Branchenpublikationen sind wichtige Berührungspunkte, um Ihre Expertise und Marktpräsenz zu demonstrieren. Mit einem zielgerichteten Presseverteiler erreichen Sie eine Leserschaft, die sich für Ihre Branche interessiert und potenziell an Ihren Produkten oder Dienstleistungen interessiert ist.
Offline-Kanäle
Neben digitalen Kanälen sind auch traditionelle, offline Kanäle weiterhin wichtig, um eine ganzheitliche Berührungspunkt-Strategie zu entwickeln.
Messen und Konferenzen
Persönliche Treffen auf Messen und Konferenzen sind unschätzbar wertvoll. Sie bieten die Gelegenheit, direkte Gespräche zu führen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Networking-Events
Auch kleinere Networking-Events können effektiv sein, um persönliche Beziehungen zu potenziellen Kunden aufzubauen. Solche Veranstaltungen bieten eine entspanntere Atmosphäre, in der Sie wertvolle Kontakte knüpfen können.
Direktmarketing
Direktmarketing, wie beispielsweise postalische Mailings oder personalisierte Geschenke, kann ebenfalls einen starken Eindruck hinterlassen und eine persönliche Note hinzufügen.
Strategien zur Optimierung der Touchpoints
Die entscheidende Frage lautet: Kann man die Anzahl der Touchpoints reduzieren?
Ja, die Anzahl der Touchpoints und damit auch die Länge des B2B-Kaufprozesses kann theoretisch reduziert werden, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen und mit einer gezielten Strategie.
Diese Ansätze und Strategien können Ihnen helfen, die Anzahl der notwendigen Berührungspunkte zu reduzieren, ohne die Effektivität des Verkaufsprozesses zu beeinträchtigen:
Content Marketing
Guter Inhalt ist der Schlüssel zu erfolgreichen Touchpoints. Stellen Sie sicher, dass Ihr Content informativ, relevant und ansprechend ist. Hochwertige, informative und relevante Inhalte, die spezifische Fragen und Bedürfnisse der potenziellen Kunden ansprechen, können den Entscheidungsprozess beschleunigen. Nutzen Sie eine Vielzahl von Formaten, wie Blogposts, Whitepapers, Videos, Webinare und Fallstudien, um verschiedene Berührungspunkte zu schaffen.
Beispiel: Ein Whitepaper, das detailliert auf die Herausforderungen der Branche und spezifische Lösungen eingeht, kann potenziell mehrere einfache Marketing-E-Mails ersetzen.
Personalisierung und Relevanz
Durch den Einsatz von Datenanalyse und Marketing-Automatisierung können Sie personalisierte und relevante Botschaften erstellen, die direkt auf die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen Ihrer Zielkunden abgestimmt sind. Diese maßgeschneiderte Ansprache kann dazu führen, dass potenzielle Kunden schneller die für sie relevanten Informationen finden und sich für Ihr Angebot entscheiden.
Beispiel: Ein personalisiertes Webinar, das direkt auf die Interessen und Bedürfnisse eines bestimmten Unternehmens zugeschnitten ist, kann mehrere allgemeine E-Mails und Telefonanrufe ersetzen.
Effiziente Nutzung von Technologien
Moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Marketing-Automatisierung können den Prozess erheblich beschleunigen. Chatbots, KI-gesteuerte Empfehlungsmaschinen und automatisierte E-Mail-Sequenzen können schnell und effizient Informationen bereitstellen, Fragen beantworten und potenzielle Kunden durch den Verkaufsprozess führen.
Beispiel: Ein KI-gestützter Chatbot auf Ihrer Website kann sofortige Antworten auf häufige Fragen geben und qualifizierte Leads generieren, was die Notwendigkeit für mehrere Folgeanrufe oder E-Mails reduziert.
Verbesserung der Kundenerfahrung
Eine nahtlose und benutzerfreundliche Kundenerfahrung kann dazu beitragen, die Anzahl der Touchpoints zu reduzieren. Wenn potenzielle Kunden problemlos die Informationen finden, die sie benötigen, und schnell Antworten auf ihre Fragen erhalten, werden sie weniger zusätzliche Berührungspunkte benötigen.
Beispiel: Eine gut strukturierte, informative Website mit klaren CTA-Buttons (Call-to-Action) und leicht zugänglichen Ressourcen kann die Notwendigkeit für zusätzliche Follow-up-Interaktionen verringern.
Einsatz von Account-Based Marketing (ABM)
ABM ist eine gezielte Strategie, die sich auf die Ansprache spezifischer hochkarätiger Kundenkonten konzentriert. Durch den Einsatz personalisierter Kampagnen und gezielter Inhalte können Sie die Anzahl der notwendigen Berührungspunkte reduzieren, indem Sie direkt auf die Bedürfnisse und Herausforderungen der Zielkonten eingehen.
Beispiel: Ein maßgeschneiderter Bericht oder eine Präsentation, die die spezifischen Probleme und Lösungen eines potenziellen Kunden behandelt, kann die Notwendigkeit für mehrere allgemeine Marketingaktivitäten reduzieren.
Effektives Lead Nurturing
Ein gut durchdachtes Lead-Nurturing-Programm kann den Verkaufsprozess effizienter gestalten und die Anzahl der Touchpoints reduzieren. Durch den Einsatz gezielter, automatisierter Kampagnen, die potenzielle Kunden mit relevanten Informationen versorgen und sie Schritt für Schritt durch den Verkaufsprozess führen, können Sie den Entscheidungsprozess beschleunigen.
Beispiel: Eine automatisierte E-Mail-Kampagne, die potenziellen Kunden im richtigen Moment die richtigen Informationen liefert, kann den Bedarf an manuellen Follow-ups verringern.
Die Rolle der Datenanalyse
Ohne die richtige Datenerfassung und Analyse können Sie den Erfolg Ihrer Berührungspunkt-Strategie nicht beurteilen. Nutzen Sie Tools wie Google Analytics, CRM-Systeme und Marketing-Automatisierungstools, um die Interaktionen Ihrer potenziellen Kunden zu verfolgen und zu analysieren. Diese Daten helfen Ihnen zu verstehen, welche Berührungspunkte am effektivsten sind und wo Optimierungspotenzial besteht.
Die kontinuierliche Überwachung und Analyse Ihrer Berührungspunkte ermöglicht es Ihnen, Ihre Strategie anzupassen und zu optimieren. Identifizieren Sie, welche Kanäle und Inhalte am effektivsten sind, und konzentrieren Sie Ihre Ressourcen entsprechend.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Marketing-Automatisierungstools kann Ihnen helfen, Ihre Berührungspunkt-Strategie effizienter zu gestalten. Automatisierung ermöglicht es Ihnen, potenzielle Kunden zur richtigen Zeit mit den richtigen Inhalten anzusprechen, was zu einer höheren Conversion-Rate führt. KI kann Ihnen dabei helfen, Muster und Trends zu erkennen und Ihre Kampagnen entsprechend anzupassen.
Fazit: Die richtige Balance finden
Wie viele Berührungspunkte sind also nötig bis zum Kauf? Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Jede Kaufentscheidung ist einzigartig und hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Komplexität des Produkts, der Branche und den individuellen Präferenzen des potenziellen Kunden.
Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch, dass Sie eine vielfältige und kontinuierliche Interaktion mit Ihren potenziellen Kunden pflegen müssen. Nutzen Sie eine Kombination aus digitalen und traditionellen Kanälen, bieten Sie hochwertigen und relevanten Content, und passen Sie Ihre Strategie kontinuierlich basierend auf Daten und Feedback an.
Indem Sie diese Ansätze verfolgen, können Sie die Anzahl und Qualität Ihrer Berührungspunkte maximieren und so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass potenzielle Kunden sich für Ihr Unternehmen und Ihre Produkte entscheiden.