openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Grüne Chemie: Polyurethane mit Synthesebausteinen aus Lignin

06.12.201711:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Forscher entwickeln im Projekt „Lignoplast“ Verfahren und Anwendungsmöglichkeiten für verschiedene Lignintypen bis zum Pilotmaßstab

---
Im Projekt „Lignoplast“ arbeitete ein Forscherverbund unter Koordination des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP daran, Lignin als Chemierohstoff nutzbar zu machen. Als Verfahren zur primären Raffination erwies sich die basenkatalytische Spaltung als besonders vielversprechend, die das CBP erfolgreich in den Pilotmaßstab übertrug. Mehrere Industriepartner stellten aus den gewonnenen Synthesebausteinen verschiedene Produkte her und unterzogen sie diversen Tests. Vor allem ligninbasierte Polyurethan(PUR)- und Polyiso(PIR)-Hartschäume und Beschichtungen für Langzeitdünger, die bislang aus Phenolharzen hergestellt werden, erscheinen aussichtsreich.



Verholzte Biomasse, also vor allem Bäume, bestehen in der Trockenmasse bis zu 30 Prozent aus Lignin. Damit gehört diese Substanz zu den häufigsten organischen Verbindungen der Erde. Lignin fällt bislang vor allem als sog. Kraft-Lignin als Nebenprodukt der Zellstoffproduktion an. Aufgrund des Aufschlussverfahrens mit Sulfit oder Sulfat sind Lignine aus Zellstoffprozessen schwefelhaltig, was eine nachfolgende stoffliche Nutzung behindern kann. Deshalb werden sie überwiegend verbrannt. Es gibt aber auch neuere Verfahren, die schwefelfreie Organosolv- oder Hydrolyse-Lignine erzeugen.

Ziel des Vorhabens Lignoplast war es, innovative Verfahren zu entwickeln, um aus diesen verschiedenen Lignintypen aromatische Synthesebausteine zu gewinnen und damit Klebstoffe, Lacke, Polyurethane und Epoxide herzustellen und zu erproben.

Im Ergebnis erwies sich die basenkatalytische Spaltung als besonders vielversprechender Prozess, um die komplex aufgebauten Lignin-Moleküle in einfache Bausteine zu zerlegen. Aus diesen lassen sich dann neue Verbindungen synthetisieren. Die basenkatalytische Spaltung ist grundsätzlich für alle Lignintypen geeignet. Die Forscher des Fraunhofer ICT ermittelten, bei welchen Parametern sich mit diesem Verfahren die besten Resultate erzielen lassen. Anschließend übertrug das Fraunhofer CBP den Prozess in den Pilotmaßstab. Aus den Produkten stellten weitere Verbundpartner hochwertige PUR-Hartschäume her, die sich zum Beispiel als Isolationsmaterial für den Bausektor eignen. Den Firmen Rampf Polymer Solutions und Rampf Ecosystems gelang die Entwicklung von PUR-Hartschäumen direkt aus Organosolv-Lignin. Aufgrund seines geringen Eigengeruchs, der höheren Fließfähigkeit und einer nur leicht verringerten Reaktivität eignete sich dieser Lignintyp besser für die Hartschaumherstellung als Kraft-Lignin. Vom Fraunhofer WKI synthetisierte Ligninderivate und ligninbasierte Polyole wiederum ließen sich vielfältig für Polyurethan-Gießharze verwenden. Schließlich ersetzte die ASK Chemicals Beschichtungen für Langzeitdünger, die bislang auf Phenolharz basieren, bis zu 100 Prozent durch ligninmodifizierte Harze. Prüfungen zeigten, dass die Lignin-Beschichtung der Phenolharzschicht bei der Wirkstoffabgabe ebenbürtig war, hinzu kommt der Vorteil der biologischen Abbaubarkeit.

Die Projektergebnisse zeigen vielversprechende Ansätze auf, um mit Lignin petrochemische Rohstoffe in Produkten im Sinne der Bioökonomie zu ersetzen. Für eine Kommerzialisierung müssen Lignin und daraus gewonnene Chemikalien jedoch in ausreichender Menge und konstant verfügbar sein. Es gilt deshalb, alternative Aufschlussverfahren zu etablieren, damit künftig anstelle von Kraft-Lignin die besser geeigneten Lignintypen wie Organosolv-Lignin anfallen. Letzteres lässt sich besonders gut aus Laubholz gewinnen, das im Zuge des Waldumbaus vermehrt zur Verfügung steht.

Das Vorhaben "Funktionalisierte Ligninspaltprodukte als Synthesebausteine für die Herstellung von Klebstoffen, Lacken, Polyurethanen und Epoxyden (Lignoplast)" wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Die Abschlussberichte stehen auf fnr.de unter den folgenden Förderkennzeichen zur Verfügung:

22014212: Rohstoffbereitstellung, Scale-up und Koordination -
Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP

22024312: Ligninfunktionalisierung und Lignindepolymerisation, verfahrenstechnische Aspekte - Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT

22024412: Ligninfunktionalisierung und Grundlagenuntersuchungen von Klebstoff-, Lack- und Harzsystemen - Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

22024512: Enzymatische Ligninfunktionalisierung sowie Ligninfunktionalisierung; Lignindepolymerisation, katalytische Aspekte - Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB)

22024612: Enzymatische Ligninfunktionalisierung - Universität Stuttgart - Fakultät 4 Energie-, Verfahrens- und Biotechnik - Institut für Grenzflächenverfahrenstechnik und Plasmatechnologie (IGVP)

22024712: Untersuchungen zu Polyurethansystemen - RAMPF Eco Solutions GmbH & Co. KG

22024812: Untersuchungen zu Polyurethansystemen - RAMPF Polymer Solutions GmbH & Co. KG

22024912: Scale-up und Bewertung - Linde Aktiengesellschaft - Engineering Division

22025012: Anwendungsuntersuchungen von Klebstoff-, Lack- und Harzsystemen - Jowat AG

22025112: Ligninfunktionalisierung und Anwendungsuntersuchungen von Klebstoff-, Lack- und Harzsystemen - Robert Krämer GmbH & Co. KG

22025212: Untersuchungen zu Polyurethansystemen - ASK Chemicals GmbH

Weitere Informationen:
- https://www.fnr.de/
- https://www.fnr.de/projektfoerderung/projekte-und-ergebnisse/projektverzeichnis/

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 984076
 202

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Grüne Chemie: Polyurethane mit Synthesebausteinen aus Lignin“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Bild: Was behindert biobasierte Produkte im öffentlichen Einkauf?Bild: Was behindert biobasierte Produkte im öffentlichen Einkauf?
Was behindert biobasierte Produkte im öffentlichen Einkauf?
Universität Würzburg befragte Beschaffer und Anbieter – Neue Onlineplattform zur biobasierten Beschaffung auf www.VuBN.de gibt Hilfestellung --- „Die umweltfreundliche Beschaffung im Allgemeinen und insbesondere die mit biobasierten Produkten ist noch lange nicht überall in der Praxis angekommen. Das liegt nicht zuletzt an der nach wie vor bestehenden Unsicherheit der Einkäufer, wie denn ein rechtskonformer, nachhaltiger Einkauf im Detail auszusehen hat. Das bestätigt unsere Online-Umfrage. Grundsätzlich genießen biobasierte Produkte dabei e…
Bild: Innovatives Verfahren zur Aufbereitung von RapsBild: Innovatives Verfahren zur Aufbereitung von Raps
Innovatives Verfahren zur Aufbereitung von Raps
Im kürzlich begonnenen Verbundvorhaben „EthaNa“ erforschen Wissenschaftler des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) gemeinsam mit zehn Partnern ein neuartiges Konzept zur Aufbereitung von Raps. Sie entwickeln die Verfahrensprozesse und testen sie anschließend in einer Pilotanlage. EthaNa steht für ethanolische native Extraktion geschälter Rapssaat, auf der das Verfahrenskonzept basiert. Die alternative Aufbereitungslinie soll in herkömmliche Ölmühlen integrierbar sein. In dem bis Mitte 2020 laufenden Vorhaben woll…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Nachhaltige Kunststoffe aus PflanzenrestenBild: Nachhaltige Kunststoffe aus Pflanzenresten
Nachhaltige Kunststoffe aus Pflanzenresten
… entwickeln in B3PO ein schonenderes, einstufiges Verfahren, um gezielt sogenannte Lignin-Grundstoffe aus Holzabfällen zu gewinnen.- Bio-Aufbereitung: Statt der herkömmlichen Petrochemie unter Einsatz schädlicher Chemikalien nutzt B3PO biotechnologische Methoden und computergestützte Verfahren wie Machine Learning, um die Lignin-Grundstoffe zu chemisch …
Spitzentechnologie für alle
Spitzentechnologie für alle
… Kaiserslautern hat zusammen mit 25 Partnern aus sieben Ländern in den letzten vier Jahren an modernsten technologischen Lösungen zur Produktion biobasierter Polyurethane (PUR) gearbeitet. Nachhaltigkeit war eine zentrale Säule des BIOMAT genannten Projekts. Die im Rahmen des Projekts entwickelten biobasierten PUR-Schaumstoffe und naturfaserverstärkten …
Biométhodes: Erste Schlüsseltechnologie zur vollständigen Verwertung von Biomasse entwickelt
Biométhodes: Erste Schlüsseltechnologie zur vollständigen Verwertung von Biomasse entwickelt
… Zucker mit einem weitaus einfacheren und billigeren Enzymcocktail. Von der Biométhodes-Technologie profitieren sowohl die Land- und Forstwirtschaft als auch die Chemie- und Energieindustrie. Darüber hinaus bietet die Biométhodes-Technologie privaten und öffentlichen Investoren neue Investitionsmöglichkeiten. Die Technologie von Biométhodes hat drei …
Bild: Bio-Flammschutz für Kunststoffe: Fraunhofer LBF erschließt neue Verwendungsmöglichkeiten für LigninBild: Bio-Flammschutz für Kunststoffe: Fraunhofer LBF erschließt neue Verwendungsmöglichkeiten für Lignin
Bio-Flammschutz für Kunststoffe: Fraunhofer LBF erschließt neue Verwendungsmöglichkeiten für Lignin
Bei der Produktion von Papier aus Holz dreht sich alles um die Zellulose. Das ebenfalls darin enthaltene Lignin bleibt bislang weitgehend ungenutzt - bis zu 98 Prozent der bei der Papierherstellung anfallenden Menge werden zur Energiegewinnung eingesetzt. In einem EU-geförderten Forschungsprojekt hat das Fraunhofer LBF nun eine neue Verwendungsmöglichkeit …
Bild: Neue Forschungsprojekte: Biotechnologen der Saar-Uni forschen an Stoffen der ZukunftBild: Neue Forschungsprojekte: Biotechnologen der Saar-Uni forschen an Stoffen der Zukunft
Neue Forschungsprojekte: Biotechnologen der Saar-Uni forschen an Stoffen der Zukunft
… aus der Gruppe der sogenannten Polyketide ab, einer Substanzfamilie mit vielfältigen vorteilhaften Eigenschaften. In Zusammenarbeit mit der BASF, dem größten Chemieunternehmen der Welt, dem Hightech-Bioinformatik-Unternehmen Genedata sowie dem Genomzentrum in Bielefeld soll das Bodenbakterium Streptomyces albus zu einem möglichst vielseitigen Produktionsorganismus …
Elektrosynthese-Ausbildung an der JGU erhält Förderung
Elektrosynthese-Ausbildung an der JGU erhält Förderung
… Experimente in diesem Forschungsgebiet anschaffen. Der VCI betrachtet seine Unterstützung als einen gezielten Beitrag, um die Qualifikationen und Kompetenzen angehender Chemiker und Chemieingenieure in diesem Fachgebiet zu stärken. Sie würden benötigt, um weitere technologische Fortschritte in der Elektrosynthese zu erzielen, so der FCI. Die Elektrosynthese …
Bild: Spritzgegossene Formteile aus Holz / FlüssigholzBild: Spritzgegossene Formteile aus Holz / Flüssigholz
Spritzgegossene Formteile aus Holz / Flüssigholz
Ausgangsstoff für spritzgussfähiges Holz oder auch "Flüssigholz" genannt, ist Lignin, das nach der Cellulose am zweithäufigsten vorkommende Naturpolymer. Es stützt im Holz die Cellulosefasern und verhindert das Ausknicken bei Druckbelastung. Allein in der Zellstoffindustrie, vor allem in der Papierherstellung, fallen jährlich etwa 60 Millionen Tonnen …
Melanie Maas-Brunner zur neuen Präsidentin des Stifterverbandes gewählt
Melanie Maas-Brunner zur neuen Präsidentin des Stifterverbandes gewählt
… begann sie 1997 bei BASF in der Forschung. Sie übernahm in den folgenden Jahren verschiedene Leitungsfunktionen, unter anderem war sie als Senior Vice President für Polyurethane der Asien-Pazifik-Region in Hongkong. Ab 2021 war sie Mitglied des Vorstandes der BASF.Auf der Mitgliederversammlung des Stifterverbandes am 24. Juni 2026 wird Michael Kaschke …
Bild: Preis für Biokonversion nachwachsender RohstoffeBild: Preis für Biokonversion nachwachsender Rohstoffe
Preis für Biokonversion nachwachsender Rohstoffe
… Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der DFG geförderten Graduiertenschule MiCon gefördert. Im Anschluss arbeitete er in einem Start-up zur grünen Wasserstoffherstellung. Aktuell ist er als Post-Doc an der Universität Cambridge tätig.wissenschaftliche Ansprechpartner:Dr. Daniel EggerichsE-Mail: Webseite der RUB-Arbeitsgruppe: https://www.mbt.ruhr-uni-bochum.de/index.html.de
Bild: News von SKD Frankfurt: Gar nicht auf dem Holzweg - Lignin aus Holz ersetzt Erdöl zur KunststoffherstellungBild: News von SKD Frankfurt: Gar nicht auf dem Holzweg - Lignin aus Holz ersetzt Erdöl zur Kunststoffherstellung
News von SKD Frankfurt: Gar nicht auf dem Holzweg - Lignin aus Holz ersetzt Erdöl zur Kunststoffherstellung
… wie steht es mit der Herstellung von Kunststoff, für die Erdöl bisher als unverzichtbar galt? Das Unternehmen Tecnaro hat hierauf eine Antwort: Es verarbeitet Lignin, einen Bestandteil von Holz. Für die SKD GmbH, ein auf steueroptimierte Kapitalanlagen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Frankfurt, „eine spannende Alternative mit Zukunft“. Nichts …
Sie lesen gerade: Grüne Chemie: Polyurethane mit Synthesebausteinen aus Lignin