openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.201713:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Salmonellen als Medikament gegen Tumore
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Salmonella enterica (serovar Typhimurium). (HZI/Manfred Rohde)
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Salmonella enterica (serovar Typhimurium). (HZI/Manfred Rohde)

(openPR) HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

---
Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist bekannt, dass sich eben diese Bakterien gezielt in Tumoren ansiedeln. Forscher versuchen nun, diese Eigenschaft für die Krebstherapie auszunutzen. Das Dilemma: Salmonelleninfektionen sind lebensbedrohlich. Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig ist nun ein erfolgreicher Schritt in Richtung der klinischen Anwendung gelungen. Sie haben einen Salmonellenstamm entwickelt, der nur eine harmlose Infektion auslöst und gleichzeitig das Immunsystem stark genug aktiviert, um Tumore zu bekämpfen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal OncoImmunology.



Krebserkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen weltweit und gewinnen in einer immer älter werdenden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Für viele Tumorarten gibt es jedoch bislang keine befriedigende Therapie. Ein vielversprechender Ansatz ist es, Tumore durch das Immunsystem beseitigen zu lassen. Um das Immunsystem auf Tumore aufmerksam zu machen und eine körpereigene Abwehrreaktion auszulösen, nutzen Wissenschaftler des HZI Bakterien der Art Salmonella enterica. Bei Krebspatienten besiedeln Salmonellen gezielt Tumorgewebe, jedoch kann eine Infektion lebensbedrohlich verlaufen. „Für diese Art der Tumorbekämpfung muss ein Salmonellenstamm zwar eine starke Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen, darf dabei aber nicht zu aggressiv sein, um noch in Schach gehalten werden zu können“, sagt Dr. Sebastian Felgner, Wissenschaftler am HZI.

Schritt für Schritt haben die HZI-Forscher die Bakterien genetisch verändert und versucht, eine optimale Balance zwischen Sicherheit und ausreichender Immunantwort zu erreichen. „Wir haben verschiedenste Eigenschaften der Salmonellen verändert, so zum Beispiel einen Baustein, der den Bewegungsapparat ausschaltet und dadurch die Mobilität der Bakterien eingeschränkt“, sagt Felgner.

Um die Sichtbarkeit der Bakterien für das Immunsystem zu erhöhen, haben sich die Wissenschaftler unter anderem bestimmte Proteine in der Membran – also der Außenhülle – der Salmonellen vorgenommen. Dort sind sogenannte Lipopolysaccharide verankert, die aus Zucker- und Fettketten bestehen. Diese Moleküle sitzen an der Oberfläche der Bakterien und werden vom Immunsystem als fremd erkannt. Um sich bei einer Infektion zu verstecken, spalten verschiedene Enzyme der Salmonellen Fettketten ab, sobald sie in einen Wirt eindringen. „Wir haben die Enzyme, die diese Abspaltung vornehmen, in unserem Salmonellenstamm ausgeschaltet. Dadurch bleiben die Fettketten auch im Patienten an der Oberfläche der Bakterien erhalten und sind für das Immunsystem gut sichtbar“, sagt Felgner.

Nach diesem Schema haben die Wissenschaftler verschiedene genetische Veränderungen in ihren Salmonellenstamm eingebracht und die therapeutische Wirkung an Mäusen untersucht. Dabei ist es ihnen auch gelungen, neben der richtigen Balance zwischen der Abschwächung der Bakterien und der Stärke der Immunreaktion eine weitere Hürde zu nehmen: „Ein Problem ist, dass Menschen, die bereits mit den Bakterien in Kontakt gekommen sind, eine Immunität gegen sie entwickelt haben und auf die therapeutischen Salmonellen unter Umständen nicht mehr reagieren“, sagt Prof. Siegfried Weiß, ehemals Leiter der HZI-Abteilung für Molekulare Immunologie und jetzt tätig an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Daher muss ein therapeutischer Stamm diesen körpereigenen Schutz überwinden können, denn gerade in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen sind Salmonelleninfektionen recht häufig und dadurch viele Menschen immun.“ Das Ergebnis der vielfältigen Modifikationen, die die HZI-Forscher vorgenommen haben, ist nun ein Salmonellenstamm, der auch bei Mäusen mit einer Immunität gegen Salmonellen die körpereigene Abwehr mobilisiert. „Selbst Tumore, die bisher resistent gegen den Stamm waren, werden jetzt vom Immunsystem beseitigt“, sagt Weiß.

Die Forschungsarbeiten sind in enger Zusammenarbeit mit der Nachwuchsgruppe „Infektionsbiologie von Salmonellen“ von Prof. Marc Erhardt entstanden, der kürzlich an die Humboldt-Universität zu Berlin gewechselt ist. Der neu entwickelte Salmonellenstamm ist mittlerweile zum Patent eingereicht. „Unser Stamm ist sicher und gleichzeitig effektiv genug für die Tumortherapie“, sagt Sebastian Felgner. „Der nächste Schritt in Richtung therapeutischer Anwendung wäre es nun, den Stamm gemeinsam mit Industriepartnern in klinische Studien zu bringen und seine Eignung für den klinischen Einsatz zu testen.“

Originalpublikation:
Sebastian Felgner, Dino Kocijancic, Michael Frahm, Ulrike Heise, Manfred Rohde, Kurt Zimmermann, Christine Falk, Marc Erhardt, and Siegfried Weiss: Engineered Salmonella enterica serovar Typhimurium overcomes limitations of anti-bacterial immunity in bacteria-mediated tumor therapy. OncoImmunology, 2017, DOI: 10.1080/2162402X.2017.1382791

Die Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch auf unserer Webseite unter dem Link

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.

Ihre Ansprechpartner:
Susanne Thiele, Pressesprecherin

Dr. Andreas Fischer, Wissenschaftsredakteur


Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH
Presse und Kommunikation
Inhoffenstraße 7
D-38124 Braunschweig

Tel.: 0531 6181-1400; -1405

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 975866
 433

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Salmonellen als Medikament gegen Tumore“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Bild: Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in NigeriaBild: Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
Mobiles System ermöglicht in entlegenen Regionen frühzeitige Schutzmaßnahmen gegen Epidemien – Wanka: „Deutsche Forschung trägt dazu bei, globale gesundheitliche Herausforderungen zu lösen“ --- Mit einem neuen mobilen Informationssystem bekämpfen deutsche Wissenschaftler vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie nigerianische Forscher erstmals einen Affenpocken-Ausbruch in Nigeria. Seit September 2017 hat sich die Epidemie von Affenpocken mit bislang 128 …
Bild: Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfenBild: Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen
Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen
HIPS-Forscher haben ein Molekül hergestellt, das Infektionen mit Pseudomonaden im Körper sichtbar machen kann --- Der Problemkeim Pseudomonas aeruginosa kann schwere Infektionen in verschiedenen Organen des menschlichen Körpers auslösen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich die Bakterien zu Biofilmen zusammenlagern: So entziehen sie sich nicht nur Angriffen des Immunsystems, sondern schützen sich sogar vor der Wirkung von Antibiotika. Die Folge ist eine kaum behandelbare chronische Infektion. Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts für Ph…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Salmonellengefahr beim Umgang mit ReptilienBild: Salmonellengefahr beim Umgang mit Reptilien
Salmonellengefahr beim Umgang mit Reptilien
Am 08.05.2014 berichteten mehrere Nachrichtenportale über die mögliche Gefahr einer Infektion mit Salmonellen, derer Kinder beim Umgang mit Reptilien ausgesetzt sein sollen. In diesem von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereitgestellten Artikel heißt es: „Bis zu 90 Prozent der im Haus gehaltenen Reptilien sind Salmonellenträger.“ Leider fehlt es den …
Bild: Salmonellen in der LebensmittelindustrieBild: Salmonellen in der Lebensmittelindustrie
Salmonellen in der Lebensmittelindustrie
Salmonellen sind gramnegative Bakterien, die beim Menschen Magen-Darm-Erkrankungen auslösen können. Besonders gefährlich sind sie für Säuglinge, ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Salmonellen treten immer wieder in Lebensmittel Skandalen auf, da sie in der Lebensmittelindustrie oft vorkommen und schwierig zu bekämpfen sind.Warum …
direct/ Antisoma plc (UK) - Antisomas AS1404 steigert die Effektivität von Avastin in Dickdarm- und Lungenkrebsmodellen
direct/ Antisoma plc (UK) - Antisomas AS1404 steigert die Effektivität von Avastin in Dickdarm- und Lungenkrebsmodellen
… Antisomas AS1404 und Avastin erheblich effektiver bei der Verhinderung des Wachstums von humanen Colon- und Lungenkrebs-Xenograften. Zudem hat die Kombination der beiden Medikamente keine erkennbare Steigerung der Nebenwirkungen mit sich gebracht. Avastin hat für die Behandlung bei metastasierendem Kolorektalkarzinom in Kombination mit der üblichen …
direct/ Antisoma plc (UK) - Antisoma wählt Nierenkrebs und Melanom als Phase-I-Indikationen für AS1409
direct/ Antisoma plc (UK) - Antisoma wählt Nierenkrebs und Melanom als Phase-I-Indikationen für AS1409
London, UK, 29. August 2006. Der Entwickler von Krebsmedikamenten Antisoma plc (LSE: ASM; USOTC: ATSMY) gibt heute bekannt, dass für die anstehende Phase-I-Studie von AS1409 die Rekrutierung von Patienten mit Nierenkrebs und Melanom beginnt. In diesen Tumoren werden hohe Konzentrationen des Targets für dieses Medikament gefunden. AS1409 ist ein Fusionsprotein …
Bild: Krebsmedikament Foscan® der biolitec AG wird jetzt von niederländischen Krankenkassen erstattetBild: Krebsmedikament Foscan® der biolitec AG wird jetzt von niederländischen Krankenkassen erstattet
Krebsmedikament Foscan® der biolitec AG wird jetzt von niederländischen Krankenkassen erstattet
Deutsche Patienten können sich ab sofort auch stationär in den Niederlanden behandeln lassen – Deutsche Krankenkassen übernehmen auf Antrag die Medikamentenkosten In den Niederlanden werden jetzt nach Italien und Großbritannien die Medikamentenkosten für Foscan® von den Krankenkassen erstattet – Bereits sechs akademisch-medizinische Zentren wie z.B. …
Bild: Medizinische und biotechnologische Innovationen auf der Future Tech Expo 2018Bild: Medizinische und biotechnologische Innovationen auf der Future Tech Expo 2018
Medizinische und biotechnologische Innovationen auf der Future Tech Expo 2018
… einfachen Augentropfenverabreichung zur Behandlung von Kurzsichtigkeit, einem tragbaren Monitor zur Warnung vor Herzproblemen, bevor sie kritisch werden, und einem neuen Medikament gegen schwer zu behandelnde Krebserkrankungen werden die neuesten Innovationen in den Bereichen Biotechnologie, medizinische Behandlungen und Medizingeräte auf der Future …
Neues Biopharmazeutikum wirksam & zugelassen
Neues Biopharmazeutikum wirksam & zugelassen
… Krebstumoren ein signifikantes Risiko dar. Knochenbrüche und Kompression des Rückgrats können für die Krebspatienten schwerwiegende Folgen sein. Zwar steht seit dem Jahr 2002 mit einem Medikament von Novartis eine erste, effektive Präventionsmöglichkeit zur Verfügung, doch fehlte es bislang an wirksamen Alternativen. Der seit Ende 2010 – zunächst in den USA …
Bild: Bei Salmonellen-Alarm zu beachtenBild: Bei Salmonellen-Alarm zu beachten
Bei Salmonellen-Alarm zu beachten
… Sommermonaten bitter zu spüren. Mal ist es verunreinigtes Wasser, ein anderes Mal kontaminierte Speisen, was die Sommerfreuden vermiesen. Sehr häufig ist dann die Rede von Salmonellen. Aber auch andere Bakterien geraten in Verdacht. Zum Beispiel die Colibakterien. Diese gehören allerdings zur gesunden Darmflora. Ohne Sie könnten wir gar nicht leben. Da …
direct/ Antisoma plc (UK) - AS1411 von Antisoma erhält Orphan Drug Status der EU bei Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs
direct/ Antisoma plc (UK) - AS1411 von Antisoma erhält Orphan Drug Status der EU bei Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs
London, UK: 22 Februar 2006 Der Krebsmedikamentenentwickler Antisoma plc (LSE: ASM, US OTC: ATSMY) gibt heute bekannt, dass sein Aptamer-Medikament AS1411 den Orphan Drug Status in der Euroopäischen Union für die Behandlung von Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten hat. Damit erhält das Mittel für 10 Jahre Markt-Exklusivität, wenn AS1411 als …
Krebs: Neue Einsatzmöglichkeiten eines Medikaments lassen hoffen
Krebs: Neue Einsatzmöglichkeiten eines Medikaments lassen hoffen
Erfolgreiche zielgerichtete Therapie von Krebserkrankungen Neue Einsatzmöglichkeiten eines Medikaments lassen hoffen Essen, 20.08.2015 – Molekulare Untersuchungen von Tumorproben machen es immer häufiger möglich, für Patienten die individuell aussichtsreichste Therapie zu finden. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Westdeutschen Tumorzentrums …
Sie lesen gerade: Salmonellen als Medikament gegen Tumore