(openPR) Am 08.05.2014 berichteten mehrere Nachrichtenportale über die mögliche Gefahr einer Infektion mit Salmonellen, derer Kinder beim Umgang mit Reptilien ausgesetzt sein sollen. In diesem von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereitgestellten Artikel heißt es: „Bis zu 90 Prozent der im Haus gehaltenen Reptilien sind Salmonellenträger.“ Leider fehlt es den Medien an der nötigen Transparenz, die wissenschaftliche Grundlage dieser Angabe ihren Lesern mitzuteilen.
Ursprung dieser angsteinflößenden Bezifferung der Salmonelleninfektionen von Reptilien ist das Epidemiologische Bulletin 9/2013 des Robert-Koch-Institutes mit dem Titel „Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien“. Darin heißt es: „Woodward et al. ermittelten eine Prävalenz bei Reptilien von bis zu 90 %.“ Über nähere Hintergründe dieser Aussage schweigt jedoch auch das Robert-Koch-Institut. Die drei Autoren Andreas Hassl und Silvia Pfleger vom zertifizierten Klinischen Institut für Hygiene der Medizinischen Universität Wien sowie Gerald Benyr vom Naturhistorischen Museum Wien veröffentlichten einen Artikel mit dem Titel „Salmonellen-Infestationen in Amphibien und Reptilien“. Zur Ergebung ihrer wissenschaftlichen Daten wurden in einem Zeitraum von 2 Jahren (1997-1999) von verschiedenen Reptilien und Amphibien in Gefangenschaft und im Freiland Kotproben auf Salmonellen-Stämme untersucht. Lediglich bei 54 von 376 Kotproben der in Gefangenschaft gehaltenen Tiere konnten Salmonellen nachgewiesen werden. Dies entspricht gerade einmal einem Anteil von rund 14 Prozent.
Laut der Autoren lässt sich die hohe Durchseuchungsrate in Höhe von 90 % aus der Studie von Woodward et al. dadurch erklären, dass darin Tiere in und aus speziellen Zuchtanstalten (vorrangig Schildkröten) erfasst wurden, bei denen die Tiere wahrscheinlich mit Schlachtabfällen aus der Geflügelzucht (!) gefüttert wurden. Die Salmonellen wurden also durch den Einfluss des Menschen auf die Reptilien übertragen und nicht umgekehrt.
Es bleibt also festzuhalten, dass gerade mal ein Sechstel des in der Öffentlichkeit verbreiteten Infektionspotentials von Terrarientieren für Salmonellen vorherrscht. Doch nicht einmal dieser Anteil führt zu einem tatsächlichen Ausbruch der Krankheit beim Tier, geschweige denn zu einer Übertragen auf den Menschen. Es liegen in Deutschland schlichtweg keine verlässlichen Zahlen über die Häufigkeit von Salmonellen-Infektionen vor, die von Reptilien auf den Menschen übertragen wurden. In den Niederlanden konnten (laut einer Studie von Bertrand et al. im Jahre 2008) in den Jahren 2000 bis 2007 lediglich 0,6 % aller gemeldeten Salmonellen-Infektionen in direkten oder indirekten Zusammenhang mit Reptilien oder Amphibien gebracht werden! Der Zoonosetrendbericht des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) aus dem Jahre 2009 verdeutlicht, dass trotz der steigenden Popularität der Terraristik sogar ein Rückgang an gemeldeten Salmonellen-Infektionen festzustellen ist. Die Panikmache der Medien ist also vollkommen unbegründet. Bei Einhaltung der an sich selbstverständlichen Hygienestandards (Händewaschen mit Seife und heißem Wasser nach direktem oder indirektem Tierkontakt), kann man das Risiko einer Ansteckung mit Salmonellen nahezu ausschließen.
In der Öffentlichkeit als seriös eingestufte Tierrechtsorganisationen nehmen seit Jahren mit Kampagnen, unter Berufung auf eine grundsätzliche Salmonelleninfektionsrate bei exotischen Terrarientieren in Höhe von bis zu 90 %, massiv Einfluss auf die Politik und die Meinungsbildung in den Medien. Gegen die Gefahr einer Salmonellen-Infektion hilft simples Händewaschen. Gegen die Verunglimpfungen der Tierhaltung seitens Tierrechtlern leider nicht.













