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DLRK 2017: Neue Wege in der Raumfahrt

28.08.201712:33 UhrVereine & Verbände
Bild: DLRK 2017: Neue Wege in der Raumfahrt
Johann-Dietrich Wörner beim DLRK 2015. Bild: DGLR
Johann-Dietrich Wörner beim DLRK 2015. Bild: DGLR

(openPR) Die Raumfahrtlandschaft befindet sich seit einigen Jahren in einem Wandel. Der Begriff „NewSpace“ beschreibt die Veränderung von einer überwiegend staatlich geprägten Raumfahrt hin zur zunehmend privaten Raumfahrtindustrie. Das bringt für die bestehende Infrastruktur neue Herausforderungen und ein Umdenken mit sich und ist eines der Themen, die beim 66. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) aufgegriffen werden. Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) ist Deutschlands größtes wissenschaftlich-technisches Networking-Event der Branche und findet vom 5. bis 7. September 2017 im Forschungszentrum Garching der Technischen Universität München statt.



Raumfahrt im Wandel

„NewSpace“ bricht seit einigen Jahren die alten Raumfahrtstrukturen auf. Es entstehen immer mehr private Unternehmen, die sich auf dem ursprünglich von großen Agenturen wie der NASA und der Europäischen Weltraumorganisation ESA dominierten Markt positionieren. Ein permanenter Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie, an dem sich auch Organisationen wie die ESA beteiligen, wird somit immer wichtiger. Darum wird es auch beim Plenarvortrag „Paradigmenwechsel in der Raumfahrt“ von ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner im Rahmen des DLRK gehen. Er zeigt, wie sich die Raumfahrtaktivitäten und die Raumfahrtakteure ändern und geht der Frage nach, wie die ESA darauf regieren sollte.

Auf den Plenarvortrag von Wörner folgt ein weiterer, der sich nicht mit dem großen Ganzen, sondern mit den kleinen Teilen in der Raumfahrt beschäftigt. Denn auch die das Wissen um die Quantenphysik hat sich in den letzten zwanzig Jahren rasant verändert und damit den Wandel der Raumfahrt beeinflusst. Wolfgang Schleich, Institutsleiter für Quantenphysik an der Universität Ulm, spricht von einer „zweiten Revolution“, die sich durch Anwendungen wie Kryptographie, Präzisionsmessungen und neue Rechnerstrukturen abzeichnet. Dies nimmt der Experte zum Anlass und wirft in seinem Vortrag einen Blick auf die raumfahrtbezogenen Aktivitäten. Außerdem thematisiert Schleich das komplexe Raumfahrtexperiment QUANTUS und das nachfolgende Projekt MAIUS. Bei MAIUS 1, das am 23. Januar 2017 ins Weltall startete, war es erstmals gelungen, ein Bose-Einstein-Kondensat (BEK) im All zu erzeugen. Beim BEK nehmen alle Teilchen denselben quantenmechanischen Zustand an und können somit verglichen werden. So kann zum Beispiel die Einsteinsche Relativitätstheorie überprüft werden.

Internetzugang für jedermann

Eine weitere Entwicklung der Raumfahrt, die sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat, ist der Trend, Satellitenkonstellationen aus mehreren Kleinsatelliten statt großen Einzelsatelliten einsetzen zu wollen. Das geht, weil die Systeme immer leistungsfähiger werden und durch neue Verfahren wie dem 3D-Druck auch weniger Platz einnehmen. So können kleinere, leichtere und kostengünstigere Satelliten entstehen. Diesen Umstand macht sich zum Beispiel das Projekt OneWeb zunutze. Durch das Joint Venture OneWeb Satellites, bestehend aus den Unternehmen OneWeb und Airbus Defence and Space soll der Internetzugang für jedermann mit Hilfe einer Mega-Konstellation gelingen. Denn bislang sind die Möglichkeiten der Datenverarbeitung und des Informationsaustauschs noch immer eine Frage des Standorts. Viele Fleckchen der Erde sind noch nicht mit dem Netz bedeckt. Aus diesem Grund sollen nach und nach 648 Kleinsatelliten in den Weltraum geschickt werden, um die digitale Kluft zu überbrücken, wie es OneWeb-CEO Greg Wyler formulierte. Im Rahmen des DLRK gibt Wyler Einblicke in seine Vision des globalen Internetzugangs. Sein Plenarvortrag wird ergänzt durch den von Eric Zeis von Airbus Defence and Space. Bei ihm geht es um die Herausforderungen der Kleinsatelliten-Produktion, die für OneWeb erstmals automatisiert in Serie stattfinden soll. So entstehen gleich mehrere Satelliten pro Tag, während vorher der Bau oft Monate oder gar Jahre dauerte.

Deutschlands Zukunft in der Raumfahrt

Nicht nur die großen Raumfahrtagenturen und -einrichtungen müssen sich mit diesen Veränderungen auseinandersetzen. Alle, die in der Raumfahrt arbeiten, Mitglied eines Unternehmens- oder einer Forschungseinrichtung sind, müssen sich den Veränderungen anpassen. Dazu muss zunächst ein Bewusstsein geschaffen werden. Was passiert gerade in der internationalen Raumfahrtlandschaft? Wie sieht sich Deutschland in diesem dynamischen und zunehmend kommerziellen Umfeld aufgestellt? Was sind zentrale deutsche Raumfahrtthemen heute und vor allem morgen? Damit Deutschland auch in Zukunft einen signifikanten Beitrag zu internationalen Raumfahrt-Kooperationen leisten kann und nicht den Anschluss zu anderen Raumfahrt-Nationen verliert, ist der Dialog zwischen Experten und Fachkundigen nötig. Neben den raumfahrtspezifischen Plenarvorträgen lädt der DLRK daher seit zum zweiten Mal zu einem Diskussionsforum unter dem Motto „Deutschland – Deine Zukunft in der Raumfahrt“ ein. Im Zentrum dieses Workshops stehen dieses Mal große deutsche Forschungsschwerpunkte, wie elektrische Antriebssysteme, Exploration, robotische Weltraumanwendungen und Satellitenkonstellationen und -dienstleistungen. Bevor es zu einem offenen Dialog zwischen Podium und Publikum kommen wird, präsentieren Experten den aktuellen technischen Fortschritt zu diesen Raumfahrtthemen und nehmen eine Einordnung in den internationalen Kontext vor. So wird eine Plattform geschaffen, innovative Ideen auszutauschen und weiterzuentwickeln, damit regelmäßig neue Impulse zurück in die deutsche Raumfahrtpolitik gespielt werden.

Raumfahrt national und international

Denn die Politik bestimmt, wohin sich Deutschland in der Raumfahrt bewegt. Zentraler Punkt der deutschen Raumfahrtpolitik ist das nationale Raumfahrtprogramm der Bundesregierung, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgeführt wird. Es bietet der Wirtschaft und der Wissenschaft einen politischen Rahmen und ist richtungsweisend für die konkreten Forschungsprojekte, die sich auf der Bühne des DLR abspielen. Das gilt für deutsche Projekte sowie in internationale Kooperationen integrierte Beiträge. Zu solchen Projekten gehören etwa Beiträge zum Gravitationswellen-Technologieerprobungsträger LISA Pathfinder oder der weltweit erste drahtlose Satellit „Skith“. Die Einzelteile dieses Satelliten sind nicht über Elektrokabel verbunden, sondern über miniaturisierte Funkmodule. In zwei Sitzungen werden am DLRK diese und weitere laufende Projekte von Kooperationspartnern vorgestellt.

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