(openPR) Das Präsidium des Bayerischen Landtags unter Leitung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm informierte sich in Irschenberg über die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe des Caritas Kinderdorfs. Die rund 30-köpfige Delegation bestehend aus Mitgliedern des Präsidiums, der Regierungspräsidentin Brigitta Brunner, oberbayerischen Abgeordneten und Mitarbeitern des Landtagsamts möchte sich nach eigener Angabe bei ihren Regionalbesuchen ein Bild vor Ort machen und schauen, wo den Menschen der Schuh drückt. Den Besuch in Irschenberg hatten Staatsministerin Ilse Aigner, die Vorsitzende des Fördervereins Caritas Kinderdorf Irschenberg e.V. und Vizepräsident Reinhold Bocklet initiiert.
Prälat Hans Lindenberger ging in seiner Begrüßung auf den gestiegen Bedarf an Hilfen zur Erziehung und auf die Bedeutung der Inklusion ein. Besonders hervor hob er den Einsatz des Kinderdorfs für junge Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung und richtete seinen Appell an die Politik, hier Rahmenbedingungen zu schaffen, die es möglich machen, auch volljährige junge Geflüchtete bei Bedarf zu unterstützen. „Ich hoffe sehr, dass die Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, SGB VIII, irgendwann einmal zu echten, umfassenden und zukunftsfähigen Lösungen führt, die uns helfen, den Herausforderungen gerecht zu werden“, so der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising e.V.
Dorfleiter Wolfgang Hodbod gab den Gästen einen Einblick in die Arbeit des Kinderdorfs, die über die Einrichtung am Irschenberg hinausgeht und sich mittlerweile über die Landkreise Miesbach, Rosenheim und Bad Tölz erstreckt. Bei einer Führung und dem Besuch einer Kinderdorfgruppe konnten sich die Politiker einen persönlichen Eindruck verschaffen und das Gespräch mit Mitarbeitern sowie mit Kindern und Jugendlichen suchen.
Die stellvertretende Dorfleiterin, Annette Ehnes berichtete bei ihrer Führung von dem Tag, an dem die ersten junge Afghanen aus dem Kinderdorf die Ablehnung ihres Asylantrags erhielten und wie schwer es für die Pädagogen sei, dieses den Jugendlichen zu erklären. „Sie sind fleißig, ordentlich und höflich. Sie gehen in die Schule, integrieren sich vorbildlich, machen alles, was von ihnen verlangt wird. Plötzlich erhalten sie dann beim Erreichen der Volljährigkeit den Bescheid, dass ihr Asylantrag abgelehnt wurde und verstehen die Welt nicht mehr“, erläuterte Ehnes. Dann ging sie auf das Schicksal von A. ein, der nach dem Abschluss der Berufsschule eine Ausbildung als Kranken- oder Altenpfleger anfangen möchte. Obwohl es eine private Familie gibt, die ihn aufnehmen würde, darf er aufgrund der Ablehnung im Asylverfahren die Ausbildung nicht beginnen. Vielmehr droht ihm nun mit Ende der Jugendhilfe die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft. „Ich finde, wir sollten alle eine zwangsweise Untätigkeit von A. mit allen möglicherweise damit verbundenen Folgeproblemen verhindern“, plädierte die Bereichsleiterin. Der anwesende A. verfolgte aufmerksam den Appell und richtete einen hoffnungsvollen Blick in Richtung der anwesenden Politiker.













