(openPR) Vor vierzig Jahren nahm das Caritas Kinderdorf seinen Betrieb im oberbayerischen Irschenberg auf. Am 30. Juni 2012 wird dies anlässlich eines großen Sommerfestes und Tag der offenen Tür gefeiert.
Alles begann mit dem Anliegen des Caritasverbands der Erzdiözese München-Freising, Kindern in Not ein Kinderdorf zu bauen, das ihnen ein Zuhause gibt. Das erste seiner Art in Süddeutschland sollte entstehen. Gertrud Goppel, die Frau des bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Alfons Goppel, übernahm die Schirmherrschaft und sammelte Gelder ein mit dem neu gegründeten Förderverein Kinderdorf Irschenberg, der noch heute besteht. Durch die Unterstützung vieler Spender und Freunde wurde der Bau erst möglich. Am 14. Mai 1970 konnte sie gemeinsam mit Innenminister Dr. Bruno Merk, dem Vorsitzenden des Förderverein Kinderdorf Irschenberg, den Grundstein legen.
Mit dabei war auch der Initiator dieses Projekts, Caritas Direktor Prälat Sales Müller, der zur Leitung des Kinderdorfes die Schwestern von der Heiligen Familie gewinnen konnte, die das bereits Kinderheim Starkheim/Mühldorf in familienähnlichen Gruppen führten. Nach rund zwei Jahren Bauzeit nahm das Caritas Kinderdorf Irschenberg von dort die ersten Kinder auf. Siebzig Mädchen und Buben bezogen die an den Eingangstüren mit Luftballons geschmückten Häuser. Auf dem 44 000 qm großen Gelände befinden sich noch heute das damals errichtete Gemeinschaftshaus, das sonderpädagogische Förderzentrum und die 12 Familienhäuser, die derzeit energetisch saniert werden.
Am 10. Juli 1972 wurde das Kinderdorf in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, an der Spitze der Bayerische Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel mit Frau, durch den Erzbischof von München, Julius Kardinal Döpfner, eingeweiht. Frau Goppel, die zusammen mit Innenminister Dr. Bruno Merk mit dem Förderverein bis dahin schon große Summen aufgebracht hatte, zitierte in ihrer Rede Jean Paul: „Mit einer Kindheit voller Liebe kann man ein halbes Leben auskommen“ und überraschte die Gäste erneut mit einem Scheck über 115.000 DM. Das Leben im und außerhalb des Kinderdorfes nahm sichtbare Formen an. So errichteten die Kinderdorfkinder in dreijähriger Bauzeit auf der Kreuzbergalm in den Schlierseer Bergen eine Berghütte. Neben der Schutzhütte erinnert ein großes Kreuz aus jahrhundertealten Fichtenbalken an Kardinal Döpfner. Die Flori Hütte wird heute noch für freizeit- und waldpädagogische Maßnahmen genutzt, wie auch die 2008 dazugekommene Rabenmoos Alm in den Ruhpoldinger Bergen.
Zum 10-jährigen Bestehen empfang die Leiterin des Kinderdorfes, Schwester Diemut König die Vorsitzenden des Fördervereins, Gertrud Goppel und Staatsminister Dr. Fritz Pirkl. In seiner Festrede betonte er die Bedeutung des Kinderdorfs, wenn Familien ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kindern nicht mehr nachkommen können und nannte es „Perle bayerischer Jugendhilfe. Mittlerweile wurde die Anlage um einen eigenen Kindergarten erweitert, in den auch Irschenberger Mädchen und Buben gehen. Auch die Jugendlichen stehen nach der Schulzeit nicht mehr plötzlich ohne Bezugspersonen da. Für sie wurde die erste Außenwohngruppe für Auszubildende in Aying eingerichtet. Um den Übergang vom Kinderdorf ins Berufsleben zu erleichtern, gibt es zwischenzeitlich Außenwohngruppen und betreute Wohngemeinschaft, u. a. in Rosenheim und Wasserburg.
Die langjährige Leiterin des Kinderdorfs, Sr. Diemut König wird verabschieden und der neue Dorfleiter Wolfgang Hodbod weist in seiner Rede zum 20-jährigen Jubiläum auf die Notwendigkeit hin, die dort tätigen Schwestern in naher Zukunft ersetzen zu müssen, um die familienorientierte Erziehung fortführen zu können. „Die Zeiten, als eine Ordensschwester fast ihr Leben lang Hausmutter für eine Kinderdorf-Familie war sind leider vorbei“, so Hodbod, „aber es finden sich noch Ehepaare, die über einen längeren Zeitraum ihr Leben als Hauseltern mit neun Kindern teilen.“ 2004 verließen die letzten Schwestern das Kinderdorf.
Alois Glück, damaliger Landtagsabgeordneten und heutiger Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken übernimmt den Vorsitz im Fördervereins Caritas Kinderdorf Irschenberg und kann sich über die mittlerweile auf der Anlage entstandene Schulvorbereitende Einrichtung und Heilpädagogische Tagesstätte freuen. Gruppenübergreifend arbeiten im Kinderdorf mittlerweile ein Heil- und Freizeitpädagoge sowie ein Psychologe und helfen den oftmals traumatisierten Kindern ihre leidvollen Schicksale zu verarbeiten. Schon lange beschränkten sich die Aktivitäten nicht mehr nur auf das Kinderdorf in Irschenberg. Verschiedene Hilfsprogramme kamen im Laufe der Jahre hinzu, so zum Beispiel die Bereitschaftspflegefamilien, die Kinder übergangsweise in ihren Familien aufnehmen.
Seit den Gründungstagen hat das Kinderdorf sein Konzept ständig weiterentwickelt und sich weiter nach außen geöffnet, auch um die Integration zu fördern. So wird das Angebot des Förderzentrums mittlerweile zu 75% von Kindern aus den Landkreisen Rosenheim und Miesbach wahrgenommen. Der hohe Bedarf führte sogar dazu, dass vor rund 10 Jahren eine Außenstelle in der Schule in Weyarn eröffnet wurde. Im Gemeinschaftshaus entstand ein Therapie- und Begegnungszentrum, das die Gemeinde Irschenberg als Pfarrzentrum nutzt. Obwohl das Kinderdorf als Schutzraum für die Kinder und Jugendlichen angesehen wird, ist es sehr gut in das gesellschaftliche Leben integriert. Eine eigene Kinderdorf Stiftung sorgt heute dafür, dass den Jugendlichen, die in die Selbständigkeit entlassen werden, ein Sicherheitsnetz den Rücken stärkt.
Seit 2007 engagiert sich das Kinderdorf zunehmend in der ganzen Region, beispielsweise im Bereich Straffälligenhilfe und Vormundschaften. Es arbeitet präventiv als Sozialraumträger in Rosenheim Nord und seit diesem Jahr auch im Sozialraum Mitte Bad Tölz-Wolfratshausen, bietet gemeinsam mit dem Jugendämtern ambulante Hilfen für Kinder-, Jugendliche und Familien in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim an. Alles mit dem Ziel, Familien in schwierigen Phasen durch ambulante Hilfen frühzeitig zu unterstützen, ihre Probleme selbst zu lösen.
Das Caritas Kinderdorf Irschenberg hat sich in 40 Jahren von einem Kinderdorf zu einem der leistungsstärksten Anbieter sozialer Dienste in Bayern entwickelt und präsentiert sich heute als moderner Jugendhilfeverbund. Sein differenziertes Betreuungs- und Förderangebot wird dabei ständig an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. „Wir haben viel erreicht, aber noch so viel mehr vor“, resümiert Dorfleiter Hodbod. „Aber jetzt wird erst einmal gefeiert und ich hoffe auf viele Besucher“, lädt er zum großen Jubiläumssommerfest am Samstag, 30 Juni ein, zu dem auch Bundesministerin Ilse Aigner erwartet wird, die 2010 den Vorsitz im Förderverein des Caritas Kinderdorf Irschenberg e. V. übernommen hat.













