(openPR) Kommunikationskampagne soll Vorurteile gegenuber Langzeitarbeitslosen abbauen und Unternehmen uber Fördermöglichkeiten informieren – Jobcenter-Geschäftsfuhrer Gunter Schmidt-Klag: „Langzeitarbeitslosigkeit ist keine Frage fehlender Motivation“
Liegt es an zu wenig Motivation, wenn ein Mensch uber einen längeren Zeitraum hinweg keine feste Anstellung findet? Was denken Betriebe uber die Arbeitsmotivation von Langzeitarbeitslosen? Eine Studie des Instituts fur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liefert dazu folgendes Bild: Rund ein Drittel (37 Prozent) der Unternehmen, die Langzeitarbeitslose beschäftigen, beurteilen deren Motivation als schlecht, aber rund zwei Drittel als gut (63 Prozent). Umgekehrt sieht es bei Betrieben aus, die keine Langzeitarbeitslosen beschäftigen. Hier glauben zwei Drittel (68 Prozent), dass es mit der Motivation schlecht aussähe. Rund die Hälfte der Unternehmen sagt, noch gar keine Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosen gemacht zu haben.
Dass die Lucke im Lebenslauf in der Regel ganz andere Grunde als fehlende Motivation hat, weiß Gunter Schmidt-Klag, Geschäftsfuhrer des Jobcenters Bonn. „Von den rund 5.300 Langzeitarbeitslosen (Durchschnittswert 2015) in Bonn, die nach Jobverlust keine neue Anstellung gefunden haben, sind uber 38 Prozent uber 50 Jahre. Auch fur alleinerziehende Mutter ohne Berufsausbildung ist es in Bonnschwierig, eine Stelle mit einem passenden Arbeitszeitmodell zu finden. Wenn diese Personengruppen uber viele Monate hinweg ohne Anstellung bleiben, hat das viele Grunde – sicher ist es aber keine Frage fehlender Motivation.“
Mehr „Mut zur Lucke“: Arbeitgeber der Region könnten Bewerberpotenzial und Fördermittel noch stärker nutzen
Der uberwiegende Teil langzeitarbeitsloser Menschen in Bonn sucht eine Anstellung als Hilfskraft, zum Beispiel in der Gastronomie, im Sicherheitsbereich oder im produzierenden Gewerbe.
„Es gibt in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis viele Unternehmen, die händeringend Hilfspersonal suchen. Mit unserer Informationskampagne ‚Mut zur Lucke. Zahlt sich aus‘ möchten wir Arbeitgeber dazu ermutigen, ihre Mitarbeitersuche auf Menschen mit einer größeren ‚Lucke im Lebenslauf‘ auszudehnen, auch wenn die Arbeitsleistung möglicherweise nicht von jetzt auf gleich der Idealvorstellung entspricht“, erläutert Schmidt-Klag.
Dafur stunden Arbeitgebern uber das ESF-Bundesprogramm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit unter anderem Lohnkostenzuschusse von durchschnittlich rund 40 Prozent, die Vor-Ort-Begleitung durch Job-Coaches im Betrieb sowie Weiterbildungs- und Mobilitätszuschusse zur Verfugung. Anfängliche Defizite im Arbeitsalltag können so ausgeglichen werden.
Im Fokus der Informationskampagne stehen Maßnahmen, die sich bereits kurzfristig positiv auf die Vermittlungsaktivitäten des Jobcenters auswirken sollen. Dazu zählen zum Beispiel ein Hilfskräfte-Speeddating, bei dem Arbeitgeber eine Vielzahl von Bewerbern kennenlernen können, der Aufbau des Arbeitgeber-Informationsportals www.mut-zur-luecke.org und eines E-Mail-Newsletter-Systems, uber das interessierten Arbeitgebern regelmäßig passende Bewerberprofile zugesendet werden.
Bewusstsein fur die tatsächlichen Vermittlungshemmnisse schärfen
Dabei richtet sich die Informationskampagne des Bonner Jobcenters bewusst nicht nur an Arbeitgeber. Über Hörfunk- und Kinospots sollen möglichst viele Bonnerinnen und Bonner erreicht werden.
„Vorurteile gegenuber Langzeitarbeitslosen bestehen ja nicht nur bei manchen Arbeitgebern. Wir möchten insgesamt ein stärkeres Bewusstsein fur die Situation langzeitarbeitsloser Menschen in Bonn schaffen – weg von Vorurteilen, hin zu tatsächlichen Vermittlungshemmnissen, wie zum Beispiel dem schwierigen beruflichen Wiedereinstieg nach einer Elternzeit, gerade fur geringqualifizierte Bewerberinnen und Bewerber“, unterstreicht Schmidt-Klag.
ESF-Förderprogramm in Bonn noch von Zielwerten entfernt
Im zweiten Halbjahr 2015 konnten die Betriebsakquisiteure des Jobcenters 15 Menschen uber das ESF-Förderprogramm in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermitteln; in diesem Jahr kamen bis Ende September 24 weitere Vermittlungen hinzu. Bis zum 30. Juni 2017 möchte das Jobcenter Bonn insgesamt 90 Langzeitarbeitslose in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung vermittelt haben.
„Mit den Vermittlungszahlen liegen wir bisher noch hinter unseren Zielwerten zuruck“, erklärt Schmidt-Klag. „Dies liegt nicht zuletzt auch am speziellen Bonner Arbeitsmarkt, der fur Menschen mit geringer Qualifikation sehr eng ist. Statistisch kommen auf eine freie Helferstelle 20 Bewerber. Diese Rahmenbedingungen können wir nicht ändern. Woran mögliche Vermittlungen aber nicht scheitern sollten, sind fehlende Informationen uber das ESF-Förderprogramm bei den Arbeitgebern der Region.“
Aufgrund erster positiver Ergebnisse der begleitenden Kommunikationskampagne „Mut zur Lucke. Zahlt sich aus“ ist der Geschäftsfuhrer des Jobcenters Bonn aber optimistisch, dass sich die Vermittlungszahlen bis Mitte 2017 noch positiv entwickeln.










