(openPR) Bei der Legasthenie handelt es sich um eine isolierte Lernstörung, die bei 2 - 5% aller Kinder eines Jahrgangs auftritt. Sie sind trotz häuslicher Betreuung und guter Begabung nicht in der Lage, mit den normalen Unterrichtsmethoden eine ausreichende Rechtschreibleistung zu liefern.
Eltern müssen oft feststellen, dass viel Üben nicht den erwünschten Erfolg bringt. Trotz des Übens werden Worte verstümmelt, Buchstaben ausgelassen oder aber vertauscht.
Auch wenn der Lehrer oft unter die Aufgaben schreibt: "Du musst mehr üben!", ist es extrem wichtig, auch richtig zu üben und nicht zu viel. Die Rechtschreib-fähigkeit eines Legasthenikers wird durch viel Üben nicht besser.
Das Kind kann sich in einer permanenten Überforderung befinden. Diese kann zu Angsteinbrüchen oder Stress führen.
Solche Zustände können auch gesundheitliche Schäden mit sich bringen.
Die Fehler beruhen oft auf einer Verwechslung von Buchstaben und dem Nicht-trennen-können von Silben. Ähnlich aussehende Buchstaben werden oft vertauscht.
B und P wird gerne verwechselt oder auch U und O oder aber T und D.
So wird aus Wald oft Walt.
Sie schreiben unt anstatt und.
Oder Europa mit B anstatt P.
Aus Ort kann auch Tor
Eltern sind vielfach verunsichert, wenn Kinder teilweise Worte richtig und später wieder falsch schreiben. Da sie oft raten, welche Buchstaben zum Wort gehören, liegen sie auch manchmal richtig.
Einige Kinder entwickeln auch ihre eigenen Symbole, um dem Dilemma zu entrinnen. Oft werden dabei Buchstaben aus unerklärlichen Gründen zwischen zwei Worte gestellt. Dies kann ein eindeutiges Zeichen für eine bestehende Legasthenie sein.
Das Schriftbild eines Legasthenikers ist oft schwer zu entziffern. Gerne werden auch Buchstaben verschmiert. Dies liegt zum einen daran, dass der Legastheniker seine Unfähigkeit zu einer korrekten Rechtschreibung verschleiert. Andererseits steht er bei Diktaten unter Druck - und eine schöne Schrift verträgt sich meist nicht mit Stress. Häufig werden Wörter verbessert oder durchgestrichen.
Manche Legastheniker überspringen gerne Zeilen; oder drehen ihre Hefte oder Blätter um und beginnen in der entgegengesetzten Richtung von vorne. All dies ist in einer Aufmerksamkeitsspaltung begründet. Dem Legastheniker gelingt es nicht, schön zu schreiben und gleichzeitig ein Wort richtig zu verschriften.
Eltern und Lehrer sollten die Anzeichen der Legasthenie kennen und auch nicht unterschätzen.
Eine Diagnose ist notwendig, um dem Kind zu helfen.
Eine Legasthenie kann nicht durch stundenlanges Üben ausgeglichen werden.
Die Schule und die Lehrer können dem Legastheniker nur sehr bedingt helfen. Überfüllte Klassenzimmer, ein sehr umfangreicher Lernstoff und zu wenig Zeit machen es dem Lehrer fast unmöglich.
Klar strukturierte Lernmaterialien sind notwendig und können den Kindern zum nötigen Erfolg verhelfen.
Lehrer und Eltern können dem Legastheniker helfen, Regel-Fehler zu verbessern. Diese unterscheiden sich von Legasthenie-Fehlern und können oft durch pädagogische Fördermaßnahmen erlernt werden.
Durch die Pubertät kann sich die Legasthenie stabilisieren und die Fehler reduzieren sich. Trotzdem ist es besonders wichtig, die Kinder schon vor der Pubertät zu fördern und nicht abzuwarten, ob sich das Problem von selbst löst. Oft haben Legastheniker schon so viele Misserfolge erleiden müssen, dass eine normale Schullaufbahn für sie kaum mehr möglich ist.
Das Erlernen von Lesen und Schreiben ist nicht nur durch Intelligenz und Fleiß beeinflusst, sondern auch vom inneren Wahrnehmungsvermögen. Es handelt sich um einen komplizierten neurologischen Vorgang, der durch einfaches Üben nicht verbessert werden kann.
Zum Erlernen von Lesen und Schreiben müssen optische und akustische Signale verknüpft werden. Da dieser Vorgang beim Legastheniker gestört ist, muss er durch eine spezielle psychologische Betreuung eingeübt werden. Diese Reifungsstörungen können auch mit körperlichen Anzeichen einhergehen. Oft haben Legastheniker einen späteren Zahnwechsel als andere Kinder. Auch Wachstumsschübe können später eintreten als bei Nicht-Legasthenikern.
Dabei sind sie in ihrer intellektuellen Entwicklung sowie ihrer körperlichen Gewandtheit eher ihrem Alter voraus. Legastheniker sind oft interessierte und fleißige Kinder. Das nicht ordnungsgemäße Verschriften beruht nicht auf Faulheit.
Wichtig ist auch zu differenzieren, ob es sich um eine Leserechtschreibschwäche oder aber um eine Legasthenie handelt. Bei der Legasthenie liegt ein psychologisches und medizinisches Problem vor.
Eine Leserechtschreibschwäche kann auch durch mindere Begabung oder aber ein sozial schwächeres Umfeld entstehen. Eine solche Schwäche kann durch entsprechende Förderung und gezieltes Üben behoben werden.
Die Legasthenie hingegen kann über die Jahre weniger ausgeprägt werden. Legastheniker entwickeln oft Mittel und Wege, um der Rechtschreibung Herr zu werden; die Legasthenie selbst wird sie jedoch in der einen oder anderen Form ein Leben lang begleiten.
Sie kann sich auch in der Form einer Strukturierungsschwäche ausdrücken.
Vielen Legasthenikern fällt es schwer, Struktur in ihren Alltag zu bringen.
Einfache Abläufe können auch dem erwachsenen Legastheniker noch schwerfallen, wie zum Beispiel das simple Hinterfragen weniger Punkte bevor man das Haus verlässt: "Geldbeutel, Schlüssel und Telefon."
Oder als Schulkind: "Jacke, Schulranzen und Schlüssel."
Wie man den Legastheniker optimal fördert ist umstritten. Es gibt zahlreiche Methoden - doch keine ist als eindeutiges Heilmittel belegt.
Eine extrem wichtige Voraussetzung ist aber unstrittig: die Aus- und Weiterbildung von Lehrern und Eltern, um auf diese Weise negative Schul- und Lebensereignisse zu verhindern.
Sollten bei Ihrem Kind in Diktaten die Farbe Rot oder Korrekturen überwiegen,
sollten Sie unbedingt versuchen, mit dem Lehrer zu sprechen. Vor allem in den ersten Grundschuljahren ist es durchaus möglich und notwendig, dass die Lehrer positiv bewerten. Sie sollten nicht die Fehler zählen, sondern Vermerke wie: „Du hast schon 20 richtige Wörter.“ oder „Du hast heute 5 Wörter mehr richtig geschrieben.“ Manche empfehlen auch, bei Problemkindern auf die Farbe Grün überzugehen und dabei positiv zu bewerten. Hierdurch werden die Kinder nicht mehr so sehr entmutigt, weil sie nur noch „Rot“ sehen.
Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Kind nicht andauernd zusätzliche Rechtschreibübungen machen muss. Ein einfaches 'Nur-mehr-üben' bewirkt bei Kindern mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie in der Regel nichts. Diktate sind nicht das Mittel der Wahl. Üben Sie täglich maximal 15 Minuten und halten Sie diese Routine aufrecht. Wichtig ist auch, dass Sie Ihr Kind immer erst leise lesen lassen und dann erst laut. Geben Sie ihm Zeit.
Die Förderung von Legasthenikern in der Freizeit wird z. B. durch Klavierspielen oder Reiten empfohlen. Ebenso kann Ergotherapie unterstützend wirken.
Für die Förderung der Orientierung ist der Kampfsport Taekwondo sehr zu befürworten. Da hier ganze Bewegungsabfolgen mit Rechts-Links-Hand- und Fußbewegungen mit Drehungen zu absolvieren sind, trainiert das Kinder mit Orientierungsproblemen sehr gut.
Wie übt man am besten schwierige Wörter oder Lernwörter bei Legasthenie oder LRS:
Eine gute Möglichkeit besteht darin, die Wörter vorwärts und rückwärts zu buchstabieren.
Das Abschreiten oder das Klatschen der Silben der einzelnen Wörter kann insbesondere bei einer akustischen oder aber schwachen Legasthenie viel helfen, um die Wortendungen klarer zu erkennen.
Manche Wörter können abgeleitet werden. So kann man Bäume von Baum ableiten und erkennen, dass es sich um ein ä und nicht ein e
Lassen Sie Einzahl und Mehrzahl von Nomen bilden, um so Schwierigkeiten in der Schreibweise zu erkennen.
Eine weitere Übung besteht darin, zu den Adjektiven die Nomen zu bilden und aufzuschreiben. Oft kann man sich das Wort dann leichter einprägen.
Eselsbrücken sind sehr gut für Nichtlegastheniker, sonst aber nicht empfehlenswert, da man bei einer Rechtschreibschwäche oft mit den Eselsbrücken nichts anfangen kann. Wenn der Legastheniker z.B. Abendteuer schreibt, hilft es ihm nicht, wenn man ihm sagt, dass es sich nicht um einen Abend handelt, der teuer ist. Das Kind wird sich immer wieder die Frage stellen, ob es sich nun darum handelt oder nicht. Es wird darin keine Logik erkennen. Da es sich dann nicht für d oder t entscheiden kann, wird es beide Buchstaben verwenden.
Geeigneter sind Sprichwörter wie: „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich.“ Sie helfen Ihrem Kind nur dann, wenn das Sprichwort unmissverständlich und nicht interpretierbar ist, ansonsten wird ein Kind mit LRS es auf eine andere Art verstehen, die sie genauso wenig nachvollziehen können, wie ihr Kind ihre Idee.
Schwere Wörter sollten auf Karteikarten geschrieben und schwierige Stellen farblich markiert werden.
Halten Sie sich an eine sehr kurze Lernzeit bei Legasthenikern und üben Sie lieber öfter am Tag.
Insgesamt muss aber auch gesagt werden, dass bei einer Lese- und Rechtschreibschwäche die Devise: „Üben, üben, üben!“ nicht richtig ist, ja sogar falsch. Durch viel Üben und durch verstärkten Druck werden die Kinder entmutigt und nicht besser. Krankheiten sind oft die Folge und die Kinder verändern sich in ihrem Verhalten. Dies kann von scheinbarer Gleichgültigkeit, bis hin zur Angeberei, Wut oder Angst reichen.
In den unteren Klassenstufen können geübte Diktate noch besser als ungeübte ausfallen, so dass Eltern dadurch leicht falsche Schlussfolgerungen ziehen. Oft sind die Diktate aber nur auswendig gelernt und die Kinder „malen“ den Text ab. Dies hat nichts damit zu tun, dass sie auch tatsächlich wissen, wie die Wörter geschrieben werden. In einem anderen Kontext werden sie wieder Fehler machen.
Manchen Müttern wird vorgeschlagen, dass ihre Kinder das zu übende Diktat bis zu 20 x abschreiben sollen. Auch das wird nichts an der Fähigkeit eines legasthenen Kindes bezüglich der Rechtschreibung verändern.
Ebenso wird oft behauptet, dass man das Schreiben durch das Lesen erlernt, und daher gerade legasthene Kinder viel lesen sollten. Das ist nur bedingt der Fall. Die Lese- und Rechtschreibfähigkeit korreliert nur schwach miteinander. Wortbilder kann man sich nicht besonders lange merken.
Sie dürfen nie vergessen, dass Legasthenie nicht durch Faulheit, mangelnde Intelligenz oder mangelnde Fokussierung entstanden ist. Legastheniker denken auf eine ganz andere Weise als Nicht - Legastheniker.
Die korrekte Rechtschreibung bleibt für viele Jungen und Mädchen auch weit über die Grundschulzeit hinaus noch ein Rätsel, weil ihnen der Zugang über das Hören nicht so recht gelingen will und ein Verständnis für Buchstaben fehlt.
Vielleicht ist die Legasthenie leichter verständlich, wenn man davon ausgeht, dass das Gehirn verschiedene Zentren zur Verarbeitung von Informationen hat. Bei einem Legastheniker wäre in diesem Fall das Lese-Schreib-Zentrum noch nicht weit genug ausgereift, um eine ausreichend intensive Speicherung der Buchstaben zu schaffen. Voraussetzung für ein weiteres Lernen und für Fortschritte wäre folglich erst einmal die Reifung dieses Zentrums. Ist diese Voraussetzung nicht geschaffen, so kann es später nicht zu einem fehlerfreien Lesen und Schreiben kommen. Wenn dem legasthenen Kind die Buchstaben an sich schon nicht klar sind, dann kann es demgemäß auch nicht richtig schreiben. Das bedeutet, dass Sie als Eltern, mit Ihrem Kind in erster Linie Buchstabenspiele durchführen sollten, um ihm wirklich zu helfen - zB. Buchstabenmemory (finde den kleinen und großen gleichen Buchstaben), ABC-Spiele
etc. Dies sollte durchaus auch geschehen, wenn Ihr Kind bereits im Gymnasium oder an einer weiterführenden Schule ist, um ihm überhaupt die Grundvoraussetzungen zu einem späteren fehlerfreien Schreiben zu schaffen. Die Buchstaben müssen sich weitaus tiefer einprägen, als es Ihnen erscheinen mag. Auch wenn Ihr Kind die Buchstaben kennt, oder vermeintlich kennt, so muss dieses Lese- und Schreibzentrum intensiv aufgefüllt werden, was nicht der Fall ist, wenn eine Lese-Rechtschreibschwäche vorliegt. Nehmen Sie sich 3 – 6 Monate Zeit und richten Sie ihren Fokus auf die Buchstaben und nicht auf Lernwörter oder Diktate. Machen Sie jegliche Form von Buchstabenspielen. Wichtig sind insbesondere Spiele mit den für Legastheniker oft leicht zu verwechselnden Buchstaben: ao,bp,bd,dp, uo.
Man kann z.B. feststellen, dass Kleinkinder, die aufgrund erblicher Veranlagung eine Legasthenie haben könnten, sich später – auch wenn sie tatsächlich Legastheniker sind – deutlich einfacher tun, wenn sie bereits im Kleinkindalter viele Buchstabenspiele gemacht haben. Es ist dabei gleichgültig, ob diese Kleinkinder Buchstaben ausmalen, tanzen, in Sand malen, Memory spielen oder auf andere Weise sich den Buchstaben spielerisch annähern. Im Kleinkindalter erwartet auch niemand, dass das Kind zu lesen beginnt, und so kann sich das Kind mit den Buchstaben stressfrei und spielerisch anfreunden und als Legastheniker einen klaren Vorteil haben.
Kinder mit Leserechtschreibschwierigkeiten aufgrund einer auditiven Wahr-nehmungsschwäche sind nicht dumm und kennen die entsprechenden Regeln meist sehr genau. Ihre Schwierigkeiten liegen in einem ganz anderen Bereich, denn sie sind auf einer früheren Stufe des Schriftspracherwerbs stehengeblieben. Diese frühe Stufe können Sie bei einer familiären Veranlagung schon im Kleinkindalter fördern, oder aber im Nachhinein vertiefen.
Legasthenikern gelingt es nicht, jeden gehörten Laut sicher und schnell einem Buchstaben oder einer Buchstabenverbindung zuzuordnen. Die Laute können oft nicht identifiziert werden und nicht eindeutig einem Buchstaben zugeordnet werden. Gerade die oben genannten leicht zu verwechselnden Buchstaben machen den Kindern hierbei Probleme.
Daher sollte es als Eltern Ihr Ziel sein, erst einmal die Voraussetzung für richtiges Schreiben, bei Ihrem Kind zu schaffen. Wenn möglich sollten Sie dies einem Profi übergeben und nicht einem Nachhilfelehrer.
Lassen Sie Ihr Kind frei schreiben und geben Sie ihm ein einfaches Wörterbuch zur Hilfe. Kritisieren Sie Ihr Kind nur dann, wenn es die Kritik zulässt und vorher gefragt wurde.
Loben sie Ihr Kind! Es möchte mit Sicherheit gern richtig schreiben können und Ihr Lob wird es in seinen Bemühungen stärken und beflügeln.
Psychologie heute: http://www.psychologie-heute.de/
PSYCHOLOGIE HEUTE Februar 2013
Diktate üben? Davon rate ich ganz ab!“ Sprachwissenschaftler Günther Thomé
Günther Thomé
„ABC und andere Irrtümer über Orthographie, Rechtschreiben, LRS/Legasthenie
(2., überarbeitete auflage, isb 2013) und Ratgeber Rechtschreibprobleme: LRS Legasthenie (zusammen mit Dorothea Thomé, isb 2010)
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