(openPR) Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
Sie sind um Ihren „Job“ derzeit wirklich nicht zu beneiden: Breitbandausbau, Elektromobilität, VW-Skandal, Energiewende, Krieg, Finanz- und Flüchtlingskrise, Europa- und Regierungskrise … – die herausfordernden Themen nehmen kein Ende und was die meisten von uns nur sehr peripher betrifft, müssen Sie jeden Tag persönlich „erleiden“. Für Ihre Belastbarkeit gegenüber diesen Krisen und ganz besonders jetzt Ihre Standhaftigkeit in der Flüchtlingsfrage gehört Ihnen unser aller Respekt. Ihr Grußwort zur diesjährigen CeBIT möchte ich zum Anlass nehmen für den Versuch, etwas Ordnung und Optimismus in das scheinbare Chaos dieser Krisen-Themen zu bringen:
In den Mittelpunkt Ihres CeBIT-Grußwortes stellen Sie zurecht die digitale Revolution und die Fähigkeit, sich die neuen digitalen Möglichkeiten zu eigen zu machen. Denn so, wie Digitalisierung und Globalisierung die Ursache für die meisten derzeitigen Krisen sind, so bieten sie aus sich heraus gleichzeitig auch die Chance, gestärkt und unter komplett neuen Voraussetzungen aus der Krise auch wieder herauszufinden.
Seit einiger Zeit macht das neue Stichwort von der „Dematerialisierung“ Furore, insbesondere in der Wirtschaft. Die beiden Bestseller-Autoren Karl-Heinz Land und Ralf T. Kreutzer zeigen mit einfachen Thesen, welche physischen Produkte künftig durch Digitallösungen ersetzt werden können, welchen Einfluss die Digitalisierung auf Wertschöpfungsketten, das Management von Unternehmen sowie auch unser Konsumverhalten hat und wie sich unsere Arbeitswelt und die Struktur unserer Gesellschaft durch die kreative Kraft der Dematerialisierung verändern.
Richtig verstanden ist die digitale Transformation auch die Chance für den globalen Klimaschutz, denn wo Produkte nicht mehr hergestellt werden, werden auch keine Rohstoffe mehr benötigt und Transportwege fallen weg oder werden optimiert. Gleichzeitig lohnt es sich, das Thema auch vor dem Hintergrund der aktuellen Zuwanderung durch Flüchtlinge und deren Ausbildung in Richtung energieeffizientem bzw. energieautarkem und nachhaltigem Wiederaufbau ihrer Heimatländer einmal zu durchdenken: Welche Qualifikationen bereiten die Flüchtlinge am ehesten auf die Rückkehr in ihre Heimat vor und helfen ihnen beim selbständigen und gleichermaßen klimafreundlichen wie nachhaltigen Neuerfindung ihres zerstörten Landes?
Versteht man die Soforthilfen und Fördergelder, die aktuell und langfristig in die Flüchtlingshilfe fließen werden, als milliardenschweres Konjunkturprogramm und kombiniert diese mit anderen Fördergeldern wie Strukturhilfen für den ländlichen Raum oder Mittel aus der nationalen Klimaschutzinitiative und geht man bei der Ausbildung der überwiegend noch jungen bis jugendlichen Neubürger weiter davon aus, dass viele oder sogar der überwiegende Teil von ihnen so schnell wie möglich in ihr Land zurück gehen wollen, so läuft deren Unterstützung und Ausbildung langfristig auf prosperierende, wachstumsstarke wirtschaftliche und dazu noch freundschaftliche Beziehungen mit aufstrebenden Ländern außerhalb der Europäischen Union hinaus.
Was mehr kann unser Land und Sie als Politikerin tun für ein grenzüberschreitendes, gemeinschaftliches soziales und wirtschaftliches Wachstum in Frieden und Demokratie? – Halt, doch ja: Wir alle müssen diese Gedankenkette so schnell wie möglich auch in die Köpfe breiter Bevölkerungsschichten bringen, als ebenfalls dringend notwendige nachhaltige Maßnahme gegen Vorbehalte bei der Zuwanderung und rechte Hassparolen.
Freiburg, den 25. Februar 2016
GEORG STANOSSEK
Journalist, Klimaschutzmanager und Flüchtlingshelfer












