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CeBIT15/Telekom-Experten: Breitband entscheidend im globalen Standortwettbewerb

19.03.201518:48 UhrMedien & Telekommunikation
Bild: CeBIT15/Telekom-Experten: Breitband entscheidend im globalen Standortwettbewerb
Experten-Panel auf der CeBIT 2015 von Portel.de (Foto: C.Lattemann/Portel.de)
Experten-Panel auf der CeBIT 2015 von Portel.de (Foto: C.Lattemann/Portel.de)

(openPR) - Portel.de-Forum „Breitbandregulierung und Standortwettbewerb“
- ITK-Branchenbuch „Dschungelführer 2015“ zur CeBIT erschienen

Brauchen wir Glasfaserleitungen auch in den ländlichen Regionen? „Unbedingt!“, zeigten sich die Top-Branchenvertreter der Telekommunikationsbranche am Dienstag auf der CeBIT überzeugt. Schon 2020 müsse die Infrastruktur Übertragungsraten im Gigabit-Bereich zur Verfügung stellen. Schnelles Internet gehöre schon heute zum Grundbedarf eines jeden Haushaltes, ähnlich wie Strom und Wasser. Mit zunehmender Digitalisierung hingen auch die Arbeitsplätze und die soziale Lebensqualität direkt von der Leistungsfähigkeit der Datenautobahnen ab. Politik, Wirtschaft und Kommunen müssten daher alles tun, um eine schnelle flächendeckende Breitbandversorgung in Deutschland sicherzustellen, so das Fazit zu der vom Brancheninformationsdienst Portel.de veranstalteten Paneldiskussion.



Gerade in den ländlichen Gebieten werde es keinen Königsweg zum Ausbau hochleistungsfähiger Breitbandnetze geben, zeigte sich Dr. Iris Henseler-Unger überzeugt. Wer schnell, effizient und kostengünstig die hohen Investitionen stemmen wolle, brauche die Ideen und die Mitwirkung von allen, der Telekom und deren Wettbewerber, der Stadtwerke, der City Carrier, der Kabel-TV-Unternehmen und der Mobilfunker, erklärte die Geschäftsführerin des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) aus Bad Honnef bei Bonn. „Geld vom Bund oder dem Land alleine nützt nichts, um den Ausbau in Problemgebieten voranzutreiben. Die Verantwortlichen vor Ort müssen initiativ werden“, so der Rat der vormaligen Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur.

Aktuell führen die Telekom und ihre Wettbewerber im Rahmen einer Anhörung der Bundesnetzagentur einen öffentlich geführten Schlagabtausch zur Zukunft der Anschlüsse im Nahbereich rund um die Hauptverteiler. Im Kern geht es dabei um die technische Aufrüstung der Anschlussbereiche auf bis zu 100 Mbit/s über VDSL2-Vectoring. Perspektivisch sind über Super-Vectoring sogar Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s möglich.

„Zahlreiche Kommunen in der Fläche wären nach wie vor froh, wenn sie ihren Bürgern auch nur annähernd so etwas wie Breitband anbieten könnten. Häufig ist schon bei 2 Mbit/s Schluss“, weiß Inexio-Chef David Zimmer, Vizepräsident des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM) aus Berlin. „Das ist besonders fatal, wenn ein kleines oder mittelständisches Unternehmen als Zulieferer beispielsweise eines Automobilkonzerns auf eine schnelle Datenverbindung zu seinen Geschäftspartnern angewiesen ist.“ Da hingen dann die Auftragslage und damit die Arbeitsplätze oft direkt von der Breitbandversorgung ab. Daher dürfen wir uns nicht auf die gut versorgten Städte konzentrieren, sondern auf die am schwierigsten zu erschießenden Gebiete“, meint Zimmer in Anspielung auf den aktuellen Vectoring-Antrag der Telekom.

Der Moderator der Diskussionsrunde, Prof. Dr. Torsten J. Gerpott (Universität Duisburg-Essen) verdeutlichte aber auch, dass eine Glasfaser-Vollerschließung sämtlicher Nachfrager auf dem Land für die Netzbetreiber wirtschaftlich kaum vertretbar sei. Der Telekom-Experte forderte deshalb, dass vor allem der Bund nicht nur hehre Breitbandziele verkünden möge. Stattdessen solle die Bundesregierung endlich ein auf mindestens fünf Jahre angelegtes finanzielles Förderprogramm mit einem jährlichen Volumen von minimal einer Milliarde Euro realisieren. Die zur CeBIT-Eröffnung vom Bund avisierten insgesamt zwei Milliarden Euro seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Er sei aber zu klein, verlasse sich zu stark auf die Erlöse aus der Frequenzauktion und wäre zudem schon vor Jahren erforderlich gewesen.

Eine glasklare Fokussierung auf FttB/H, beim Netzausbau wie bei Fördermaßnahmen, forderte Theo Weirich ein, Vizepräsident des Bundesverbandes Glasfaseranschluss e.V. (BUGLAS) aus Köln, und kritisierte in diesem Zusammenhang den aktuellen Telekom-Antrag: "Der exklusive Vectoring-Einsatz im Nahbereich der Hauptverteiler soll der Telekom ein Comeback in den im Breitbandbereich von ihnen verlorenen Städten ermöglichen. Der damit gewonnene mäßige Gewinn an Bandbreite wird in ein paar Jahren schon wieder verflogen sein, dafür wird der reine Preiswettbewerb weiter angeheizt. Auf diese Weise gehen dem Markt zusätzlich Investitionsmittel verloren. Diese Strategie ist ebenso rückwärtsgewandt wie der Ausbau kupferbasierter Netze in den Ballungsräumen selbst."

Wer sich frei von Bandbreiten- und Datenvolumenbeschränkungen machen wolle, so der Geschäftsführung der norddeutschen wilhelm.tel weiter, müsse bereits heute moderne Glasfasernetze errichten. Nur so könnten gerade ländliche Bereiche im Standortwettbewerb bestehen. Eine möglichst flächendeckende hochleistungsfähige Breitbandversorgung diene zudem der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

„Die Telekom will 80 Prozent der Haushalte mit superschnellen Festnetzanschlüssen versorgen und den Konkurrenten ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das ist gut für die Menschen und gut für den Wettbewerb“, betonte Marcus Isermann, Leiter politische Interessenvertretung, Regulierung und Bundesländer bei der Deutschen Telekom in Bonn. Der Vectoring-Antrag der Telekom diene auch der Erschließung ländlicher Regionen. „Drei Millionen der 5,9 Millionen Haushalte, die neu mit Vectoring versorgt werden sollen, liegen in Kleinstädten und kleinen, ländlichen Gemeinden. Das sind mehr als 50 Prozent“, entgegnete Isermann auf die Kritik von Weirich.

Das Motto des BREKO lautet: Wir bauen die Netze! Und das ist die ganz klare Stärke der vielen BREKO-Netzbetreiber. Also mit innovativen Geschäftsmodellen den Glasfaserausbau in Ballungsgebieten aber auch vor allem in unterversorgten, ländlichen Gebieten voranzutreiben. Dabei setzt der Verband zunehmend auch auf Partnerschaftsmodelle mit Städten und Kommunen. "Die BREKO-Carrier sind vor Ort und können optimal mit Städten und Kommunen zusammenarbeiten, um insbesondere die extrem hohen Investitionskosten für den Tiefbau zu reduzieren", betonte Johannes Pruchnow, CEO von Versatel und Vizepräsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation. "Dann haben wir mit den Glasfasernetzen eine absolut leistungsfähige und zukunftssichere Breitbandversorgung für Privat- und Geschäftskunden."

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