(openPR) Von Volksverhetzung ist jetzt wieder öfter die Rede. Ein Straftatbestand. Dagegen ist„Volksverdummung .. die straffreie Version der Volksverhetzung“, wie Prof Querulix zu seinem Erstaunen feststellen muß. Beides ist aber eine gegen das Volk, genauer: alle Mitbürgerinnen und Mitbürger gerichtete Handlung, mit dem Ziel, diese rational und emotional in bestimmter Absicht zu beeinflussen (zu manipulieren). Warum das eine von der Obrigkeit für strafwürdig befunden und das andere toleriert wird, ist mit logischem Denken allein nicht zu fassen. Man muß dazu schon die Biologie bemühen und sich mit den Rudeltieren befassen, zu denen ja auch der Mensch gehört. Dann erkennt man, daß letztlich nicht Moral und Verstand das Verhalten der Menschentiere steuern, sondern überwiegend ihre genetisch basierten Instinkte.
Beispiel: Mindestlöhne. Sie kosten Arbeitsplätze, behaupten die einen. Ohne Mindestlöhne würden mehr Arbeitsplätze geschaffen. Optimal wären Sklaven, könnte man ergänzen, die ohne jedwede Ansprüche zu stellen, klaglos die anspruchsvollsten Aufgaben erledigen. Ein Paradies für die Ausbeuter. Aber mit satten Profiten für wenige und Hungerlöhnen für viele gäbe es keine blühenden Volkswirtschaften, die mehr als nur wenigen Millioneneinkommen sichern. Denn nur, wer gut verdient, kann auch viele Geld ausgeben und damit die Wirtschaft auf Trab halten. Im Interesse des Allgemeinwohls liegen daher ein hohes Lohnniveau und hohe Steuern für hohe Einkommen. Das von den Protagonisten einer „freien Lohnfindung“ ohne staatliche (und am besten auch gewerkschaftliche) Einmischung angeführte Standardargument lautet: Damit werden Arbeitsplätze gesichert und geschaffen. Das klingt gut, zeigt aber im günstigsten Fall eine ausgeprägte Unfähigkeit, in Zusammenhängen und Wirkungsketten zu denken, im ungünstigsten Fall die Neigung, das Volk für dumm zu verkaufen, um sich Vorteile auf Kosten anderer zu sichern.
Je „freier“ die Lohnfindung, desto mehr Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger müssen infolge dieser neoliberalen Geistesverirrung mit Hungerlöhnen und im Alter mit Renten auskommen, von denen sie nicht leben können. Nicht selten genügen nicht einmal zwei oder drei Jobs, um über die Runden zu kommen. In vielen Fällen muß der Steuerzahler via Hartz-IV noch Geld drauflegen. Dadurch wird die Chose dann vollkommen perfide: Einer beutet aus, indem er Hungerlöhne zahlt, stopft sich dadurch satte Gewinne in die Taschen, nutzt eine Steueroase, um keine Steuern in seinem Heimatland zu bezahlen zu müssen und läßt sich seinen Sklaven von seinen Landsleuten mitfinanzieren, die sich nicht ums Steuerzahlen drücken können. Bravo! Da haben wir den guten Deutschen, der Arbeitsplätze in der Heimat schafft.
Dabei sind die deutschen Löhne für den Export in Länder, in denen die Löhne nur 20 Prozent des deutschen Niveaus erreichen, immer noch viel zu hoch. Dann heißt es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes werde durch zu hohe Löhne gefährdet. Ja, sollen die Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter denn die Lebenshaltungskosten eines Hochpreislandes mit den Löhnen eines Entwicklungslandes bezahlen? Nur angemessene Löhne ergeben die Nachfrage, die eine Binnenwirtschaft florieren lassen. Wer kein Geld hat, kann nichts kaufen. Und den Export zum Ausgleich immer weiter zu steigern heißt letztlich nichts anderes als wertvolle menschliche Arbeit in Papierdollars einzutauschen und die us-amerikanischen Schulden zu finanzieren, die durch fortgesetztes Dollardrucken entwertet werden.
Sklavenarbeit ist weder für die Psyche noch für den Körper eines Menschen gesund. Und sie kostet Geld, Geld, das der einzelne nicht hat, Geld, daß schließlich diejenigen aufbringen müssen, die Steuern zahlen. Kranke Sklaven können auch nicht arbeiten. Somit werden auch die Profite gefährdet, die sie einbringen. Eine Altersversorgung können Sklaven auch nicht finanzieren. Dafür müssen später auch die Steuerzahler aufkommen. Von den jetzt schon absehbar verheerenden sozialen und politischen Folgen einer politisch gewollten Proletarisierung wollen wir gar nicht reden.
Zweites Beispiel: Lebensmittelrecht. Falsche Ernährung macht krank. Verbrauchertäuschung wird aber vom Gesetzgeber erlaubt. Billige Fleischfetzen können beispielsweise zusammengeklebt und dann als Schinkenprodukte teuer verkauft werden. Stark fett- oder zuckerhaltige Lebensmittel können den Menschen mit ausgefeilten Werbemaschen untergejubelt werden, obwohl es ihrer Gesundheit schadet. Von diesen und anderen Mißständen wird täglich in Presse, Internet, Rundfunk und Fernsehen berichtet. Aber die Lobbys sind so stark, daß ihnen unsere gesetzgebenden Politiker nicht Paroli bieten können - oder aus Gründen, über die wir nicht zu spekulieren brauchen, nicht wollen?
Wie steht es eigentlich mit dem Verantwortungsbewußtsein unserer Privilegierten Mitbürgerinnen und Mitbürger in den gesetzgebenden Gremien? Sind sie nur ihrem Gewissen verantwortlich oder auch denen, die sie vertreten? Kranke Menschen kosten Geld, viel Geld. Die Folgen einer Ernährung mit krankmachenden Lebensmitteln kosten viele Milliarden Euro. Für die Profiteure unter den Produzenten, für die Arzneimittelindustrie und für die Händler dieses Junkfoods stimmt aber die Kasse. Abgesehen von der abgrundtiefen moralischen Dimension dieses Profitmachens auf Kosten der Volksgesundheit, geht auch die Rechnung für die Bevölkerungsmehrheit nicht auf.
Was legal ist, wird heutzutage immer öfter auch dann gemacht, wenn es illegitim ist. Moral und Anstand kommen mehr und mehr auf den Hund. Das Streben nach Machtgewinn und Profit dominieren das wirtschaftliche und politische Handeln. Das menschliche Klima wird zunehmend vergiftet, von denen, die sich christlich oder sozial etikettieren nicht weniger als von denen, die sich liberale Abzeichen anstecken. Wer die Macht hat, der nutzt sie zu seinem Vorteil: Da werden Wähler getäuscht, Verbraucher und Mitarbeiter ausgebeutet, Kunden abgezockt – alles ohne jedes Unrechtsbewußtsein. Es geschieht ja schließlich alles legal.
Ein verheerendes Beispiel dafür, wie Kunden sogar als Gegner betrachtet werden, von deren Aufträgen ein Unternehmen doch eigentlich lebt, zeigt die bereits in 4. Auflage bei READ – Rüdenauer Edition Autor digital erschiene Fallstudie „Qualitätsmanagement in der Praxis - Wenn Kunden sich als Beuteopfer fühlen - ein “Reise”-Erlebnis mit Gebeco/TUI“. Man sollte nicht für möglich halten, was sich ein Reiseveranstalter gegen seine Kunden herausnimmt. Alles natürlich ganz legal. Aber dennoch ist man mehr an Wegelagerei erinnert als an Kundendienst.
Wir sollten endlich Maßstäbe für das Allgemeinwohl definieren und dann die Abgeordneten gesetzlich darauf verpflichten, dieses allgemeine Wohl zu fördern. Der Gemeinnutz muß endlich wieder sein angemessenes Primat vor dem Eigennutz bekommen. Denn „Eigennutz treibt die kulturelle Entwicklung menschlicher Gesellschaften voran, aber nur Gemeinnutz erhält sie“, gibt Prof. Querulix zu bedenken. Angesichts der weiter schwelenden Finanz- und Schuldenkrise, den sich ausbreitenden Glaubenskriegen und der begonnenen Völkerwanderung ist es höchste Zeit, an die moralische und soziale Konsolidierung der eigenen Volksgemeinschaft zu denken.
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