(openPR) Künstlich auf null oder ins Minus gedrückte Zinsen verzerren die Kriterien für wirtschaftliche Entscheidungen. Ergebnis sind Blasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten. Risiken werden von Investoren viel zu gering bewertet oder gar nicht mehr wahrgenommen. Die EZB wird’s schon richten – glauben wenigstens die ganz großen Spieler, die sich „too big to fail“ fühlen. Die kleinen sind so berauscht von billigen Krediten, daß sie die Gefahr des Bankrotts gar nicht mehr wahrnehmen.
Die Risikoneigung ist derzeit extrem hoch. Investitionen werden getätigt wie Einsätze in einer Spielbank. Besonders in den Südländern der Europäischen Union, allen voran Griechenland, Portugal und Italien, gären massenhaft faule Kredite immer noch in den Bankbilanzen. Fragwürdige Rettungen auf Kosten der Steuerzahler schützen die Eigentümer und Gläubiger vor Verlusten. Kein Wunder, daß denen jegliche Risikoaversion abhandenkommt.
Wer auch nur ein bißchen wirtschaftlichen Sachverstand hat, konnte sich nach der Rede von US-Notenbank-Präsidentin Janet Yellen nur verwundert die Augen reiben: Hatte sie doch verkündet, daß es zu unseren Lebenszeiten keine Finanzkrise mehr geben werde.
Na dann viel Glück! Verschuldet euch ruhig weiter, ihr Traumtänzer, Spekulanten und Möchtegern Großkapitalisten! Verlaßt euch darauf, daß die Notenbanken die ersten in der Menschheitsgeschichte sind, die ein Ponzi-Spiel unbegrenzt weiterspielen können.
Mittlerweile heißt auch in der Realwirtschaft: Aufpassen! Der Zinspegel ist jetzt so lange so niedrig, daß sich auch die Nichtschwimmer weit aufs Meer hinaus gewagt haben. Weil der Zins seine disziplinierende Funktion bei wirtschaftlichen Entscheidungen längst verloren hat, gibt es inzwischen zahlreiche Unternehmen, die bei normalem Wasserstand längst abgesoffen wären. Das heißt mit anderen Worten: Es gibt zahlreiche Pleitekandidaten für den Fall steigender Zinsen.
Vom Ende der Finanz- und Schuldenkrise zu sprechen, ist Selbsttäuschung oder eine Zwecklüge. Janet Yellen und Mario Draghi dürften wissen, daß sie die Zinsen nicht deutlich erhöhen können, ohne einen weltweiten Zusammenbruch des Finanzsystems und in der Folge auch der Realwirtschaft auszulösen. Ein Weiter-So! würde aber das wirtschaftliche Fundament der Realwirtschaft weiter unterhöhlen. Investieren würde vollends dem Spekulieren geopfert.
Umfragen der Tageszeitung „Welt“ unter den Teilnehmern des Treffens der 18 Wirtschaftsnobelpreisträger in Lindau sollen hinsichtlich des weiteren Verlaufs der schwelenden Banken- und Finanzkrise einhellig pessimistische Voraussagen ergeben haben. Anderes wäre auch erstaunlich gewesen. Der Crash ist sicher. Denn es gibt keinen planvollen Ausstieg aus einem Ponzi-Spiel. Deshalb ist allein der Zeitpunkt des „rien ne vas plus“ noch ungewiß. Das sollte aber nicht überraschen. Katastrophen solcher Art sind zwar voraussehbar, aber nicht terminierbar. Wer sich darauf vorbereiten möchte, sollte nicht zu lange warten. Wenn es losgeht, dann geht alles sehr schnell. Die finanzwirtschaftliche Wasserstoffbombe ist längs scharf, nur weiß niemand, wie genau der Zünder eingestellt ist.
Nicht nur sehr vernünftig, sondern unbedingt geboten wäre es, wenn sich die Politiker trauten, ihre Hoheit über die Finanzwirtschaft endlich wieder zu übernehmen, wie es eigentlich ihre Pflicht als Verantwortliche für das allgemeine Wohl wäre. Wenn ihnen Mut und Befähigung dazu fehlen, wird der absehbare Crash ihnen eine harte Bewährungsprobe auferlegen.
Das gilt auch für die Bewahrung des Euro. Unter den gegebenen Umständen hat er keine Zukunft. Die absehbare Weltfinanz- und Wirtschaftskrise wird die Politiker auch hinsichtlich der Währungsunion zu Entscheidungen zwingen. Ohne eine einheitliche Geld- und Fiskalpolitik hat die Gemeinschaftswährung keine Chance. Für eine solche einheitliche Politik sind die Mentalitäten und Verhaltensgewohnheiten der Beteiligten Nationen aber viel zu unterschiedlich. Deshalb wird die Auflösung des Euro-Verbundes – nicht zuletzt infolge der Auswirkungen der zu erwartenden Weltfinanz- und Wirtschaftskrise – wohl unumgänglich.
Es wird Zeit, daß sich die Regierungen auf das Unausweichliche vorbereiten. Jede Krise ist auch eine Chance – aber nur für die, die vorher planen, was getan werden sollte oder getan werden muß.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren das ebenso interessante wie fragwürdige und nicht selten sogar erschreckende Treiben der Menschentiere, vor allem das ihrer „Eliten“. Seine Beobachtungen dokumentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“. 7 Bände sind bisher erschienen. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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