(openPR) Kunst-Aktion gedenkt NS-Opfern mit Ausstellungen in Münchner Straßen, die es geben sollte.
Aus Anlass des Antikriegstages (1. Sept.) und des UNO-Weltfriedenstages (21. Sept.) wird die Kunst-Aktion des Gedenkens der Malerin Konstanze Sailer mit einer weiteren Ausstellung von Tuschen auf Papier in virtuellen Räumen eröffnet. Die Galerien befinden sich ausnahmslos in Straßen Münchens, die es geben sollte. Straßen mit Namen von Opfern der NS-Diktatur.
Zusätzlich zu vorgeschlagenen Straßennamen der Opfer werden auch Umbenennungen von Straßen angeregt: Von solchen, die heute noch Namen von Personen tragen, die im Naheverhältnis zum Nationalsozialismus standen. Monat für Monat wird so das kollektive Gedächtnis erweitert. Monat für Monat werden damit Erinnerungslücken geschlossen.
Die Erinnerungslücken - www.memorygaps.de - zeigen eine Auswahl aus tausenden Tuschen auf Papier aus zehn Jahren. Sie stellen Schreie und Aufschreie von Opfern dar. Zum schmerzerfüllten Aufschrei geöffnete Münder und Kiefer. Abstrakte Darstellungen von Schreien in Ghettos, Konzentrationslagern und NS-Tötungsanstalten – gemalte Erinnerungskultur.
Seit drei Jahrzehnten arbeitet die aus Heidelberg stammende und in Wien lebende Künstlerin zu den Themen Antlitz, Schädel und Tod. „Die Aufschreie und Schreie von damals bleiben in unser Gedächtnis eingraviert. Die Tuschen sind jeweils farblichen „Winkeln“ zugeordnet, den entmenschlichenden Kategorisierungen in den Konzentrationslagern.“, so Konstanze Sailer.
Mehr als 70.000 Menschen mit oftmals willkürlich diagnostizierten geistigen und körperlichen Erkrankungen wurden während der NS-Diktatur zwischen 1940 und 1945 systematisch in NS-Tötungsanstalten ermordet. Die NS-Krankenmorde waren Massenmorde an Menschen, die vom NS-Regime als „lebensunwertes Leben“ eingestuft wurden. Der euphemistische NS-Sprachgebrauch für die Morde lautete: „Euthanasie“ oder „Gnadentod“. Zwischen 1939 und 1941 wurden sechs NS-Tötungsanstalten errichtet, in denen von eigens dazu ausgewählten insgesamt etwa 20 Tötungsärzten die Massenmorde durch Kohlenmonoxid-Gas – zumeist eigenhändig – vorgenommen wurden.
Henriette Rothkirch (* 09. Dez. 1900 in München; † 31. März 1942 in der NS-Tötungsanstalt Bernburg/Saale) wurde am 24. Februar 1939 in Wien verhaftet, zunächst in das Konzentrationslager Lichtenburg und wenige Monate später in das KZ Ravensbrück deportiert. Die Haftgründe lauteten: „Jüdin“ und „politischer Widerstand“. Henriette Rothkirch wurde am 31. März 1942 in der NS-Tötungsanstalt Bernburg an der Saale ermordet.
Bis zum heutigen Tag existiert in München keine Straße, die ihren Namen trägt. Hingegen ist nach Friedrich Hilble heute noch eine Straße im Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg benannt. Hilble war ein „äußerst pflichtgetreuer“ städtischer Beamter in München, der sich mutmaßlich in den 1930er-Jahren durch „uneingeschränkte Loyalität“ zum NS-Regime „höchst verdient“ gemacht hatte. Anstelle von Friedrich Hilble sollte künftig in Neuhausen-Nymphenburg an Henriette Rothkirch erinnert werden.
Galerie Ort der Kunst
Rothkirchstraße 42
80636 München
von: 01.09. bis 30.09.2015
täglich 11:00 - 19:00 Uhr
http://www.memorygaps.eu/gap-september-2015/











