(openPR) „Angst macht ohnmächtig.“ „Angst ist ein Gefängnis für den Geist.“ (Prof. Querulix) Menschen, die Angst haben, büßen sowohl an Wahrnehmungsfähigkeit wie auch an Handlungsfähigkeit ein. Urinstinkte, die das Überleben sichern sollen, bemächtigen sich des Fühlens, Denkens und Handelns. Die Komplexität des Daseins wird radikal reduziert und vereinfacht, um die Befriedigung der als gefährdet empfundenen existenziellen Bedürfnisse zu sichern. Das bunte Leben wird schwarz-weiß, Freund wird klar vom Feind unterschieden, einfache Weltbilder schaffen Übersichtlichkeit und geben subjektive Sicherheit. Ein natürliches Überlebens-Notprogramm des Menschentiers.
Die Ängste wachsen.
Immer mehr – nicht nur Deutsche – macht das Weltgeschehen im Allgemeinen und die soziale Entwicklung im Besonderen nachdenklich. Sie fürchten, daß die Zukunft für sie nicht besonders rosig aussieht. Für nicht wenige ist die Gegenwart bereits düster. Nicht nur, daß sich immer mehr Kriege ausbreiten. Wohlstand für alle gibt es nicht einmal in den reichen Ländern. Im Gegenteil. Der Wohlstand vieler schmilzt immer schneller dahin. Ihr Dasein gerät immer stärker unter das Diktat des Profits zu Gunsten derer, die über die Produktionsmittel verfügen. Menschen sind nicht Zweck des Wirtschaftens sondern werden immer skrupelloser zu bloßen Mitteln des Wirtschaftens erniedrigt. Wenige raffen unermeßlichen Reichtum zusammen, während die große Mehrheit im günstigsten Fall seit vielen Jahren wirtschaftlich auf der Stelle tritt. Prekäre Arbeitsverhältnisse breiten sich besorgniserregend aus, mit allen schlimmen sozialen, politischen und letztlich auch wirtschaftlichen Folgen.
Die im unteren steilen Bereich des Progressionstarifs liegenden Einkommen sind besonders stark von den sogenannten heimlichen Steuererhöhungen betroffen; die relativen Steuerlasten steigen deshalb gerade bei denen, die ihr gesamtes Einkommen für den trotz minimaler offizieller Inflationsrate immer teurer werdenden Lebensunterhalt benötigen. Auf der anderen Seite sind die sehr hohen Einkommen gar nicht betroffen und können in vielen Fällen zusätzlich von zahlreichen Steuervergünstigungen profitieren. Der Mittelstand erodiert kontinuierlich. Immer mehr Menschen müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß sie im Alter nicht von ihrer Rente leben können. Diejenigen, die mit privater Altersversorgung unter Konsumverzicht einen Ausgleich schaffen wollten, sehen nun, daß ihnen die Maßnahmen zur Rettung der überschuldeten Banken und Staaten dieses Vermögen sukzessive nehmen. Wer noch im Erwerbsleben steht, sieht sich mehr und mehr als Arbeitssklave, dem nichts anderes übrig bleibt, als seinen Dienst zu versehen und abzuwarten, was die Mächtigen ihm im Alter gönnen. Die Religion des (wirtschaftlichen) Neoliberalismus vernichtet mit wachsender Geschwindigkeit für immer mehr Menschen alle lebenswerten Zukunftsperspektiven.
Ein Schauermärchen? Wer (noch) nicht betroffen ist, mag es zu seiner Beruhigung glauben. Die Betroffenen werden es aus Erfahrung anders sehen. Das Vertrauen in die Politik schwindet dabei ziehendes und macht der Angst vor der Zukunft Platz. Ist das noch unser Staat? Wohin führen uns die, die von unserer Arbeit leben?
Bei vielen Menschen, die sich hilflos einer Situation ausgeliefert sehen, die ihnen Angst macht, schaltet sich das Überlebens-Notprogramm ihrer Art ein. Sie tun das, was ihre Ängste dämpft, und das führt nicht selten zu vollkommen irrationalem Denken und Handeln. Unsere Väter und Großväter haben erlebt, wohin das führen kann, und viele unter ihnen haben unter den Folgen gelitten. Mittel gegen die sich ausbreitenden Ängste gibt es nicht – außer die beängstigenden Verhältnisse zu bessern. Doch ob das noch gelingt? Ob die Mächtigen überhaupt daran denken? Ob sie dazu fähig sind? Die Geschichte ermutigt nicht gerade zum Optimismus.
Das politische Umfeld wird weltweit zunehmend unfriedlich. Immer mehr Konflikte brechen auf. Blutige Kriege mit inzwischen hunderttausenden Opfern toben derzeit in zahlreichen Weltgegenden. In der Ukraine sogar an den Grenzen der Europäischen Union, sozusagen nebenan. Geografisch weiter entfernt, aber politisch und sozial ganz nahe sind die Kriege im Irak und in Syrien. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern scheint zu chronifizieren. Der Islam befindet sich in einem weltumspannenden Religionskrieg, dessen Ende und die noch bevorstehenden Verheerungen nicht abzusehen sind. Kampfhandlungen und Terror bedrohen Freiheit und Leben hunderter Millionen Menschen überall in der Welt.
Vor Kriegen und aus wirtschaftlichen Gründen migrieren hunderttausende Menschen aus dem Nahen Osten und aus Afrika nach Europa und innerhalb Europas auch nach Deutschland. Die gut (aus-)gebildeten unter ihnen dürften, wenn man der Arbeitgeberlobby glauben kann, keine Probleme haben, einen guten Arbeitsplatz zu finden und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie werden gebraucht. Die Mehrheit der Migranten ergänzt aber nur das Heer der Arbeitslosen oder kann allenfalls mit einer prekären Beschäftigung rechnen. Soziale Integration – das zeigt leider die Erfahrung – findet für die wenigsten von ihnen statt. Zwangsläufig bilden sich Subgesellschaften, die soziale Probleme verursachen und die besonders denjenigen Deutschen Angst machen, die selbst an den Rand der Gesellschaft geraten sind. Und das werden immer mehr.
Die anhaltende Finanzkrise, die durch eine Enteignung der Sparer und Zerstörung privater Altersvorsorge „bekämpft“ wird, trübt mittelbar und unmittelbar die wirtschaftlichen Perspektiven vieler Millionen Menschen, die zudem auch keine auskömmliche Sozialrente zu erwarten haben. Eine Weltwirtschaftskrise ist in naher Zukunft durchaus möglich, ja eher sogar wahrscheinlich. Ein weltweiter Wirtschaftskrieg tobt ohnehin schon seit Jahren und wird sich durch Wechselkursmanipulationen zwecks Konjunkturstimulation weiter verschärfen. Die USA sehen – zu Recht – ihre jahrzehntelange Vorherrschaft bedroht. Diejenigen, die befürchten, dadurch viel zu verlieren, versuchen mit allen wirtschaftlichen, finanzpolitischen und rechtlichen (z.B. Schiedsgerichte in Freihandelsabkommen) Mitteln andere Staaten unter ihren Daumen zu bekommen. Das alles wird zwar nichts helfen. Mit dem absehbaren Verlust der privilegierten Stellung des Dollars unter den Währungen, werden die USA auch ihre beherrschende politische und wirtschaftliche Position verlieren.
Europa geht einer Zerreißprobe entgegen. Die Währungsunion wurde – wissentlich! – falsch konzipiert und ebenso wissentlich noch falscher durchgeführt. Jetzt ist es schwierig – nein, definitiv unmöglich – die notwendigen Voraussetzungen für ihr Funktionieren nachträglich noch zu schaffen. Dazu sind die Regierungen der in erster Linie betroffenen Staaten viel zu schwach. Sogar ob der Euro, wenigstens als Weichwährung, noch eine Zukunft hat, ist fraglich. Die griechische Regierung wird – aus durchaus berechtigter Furcht vor dem Untergang – immer unverschämter und scheut keine Lächerlichkeit, um ihren Partnern in der Währungsunion und insbesondere Deutschland weitere Milliardensummen abzupressen, ohne substanzielle Maßnahmen zur finanziellen und wirtschaftlichen Gesundung ihres Landes auf den Weg zu bringen. Statt endlich mit der überbordenden Bürokratie, der Selbstbedienung der Mächtigen, der Verschwendung, der Korruption und der Steuerhinterziehung im eigenen Land aufzuräumen, erwarten die Griechen unaufhörlich neue Almosen in Milliardenhöhe. Fast 300 Milliarden Euro haben sie schon verwirtschaftet und es ist keine Besserung in Sicht. Um an noch mehr Geld zu kommen, sind ihnen keine Mittel zu schäbig. Mit solchen Politikern wird Europa nicht weiter zusammenwachsen, sondern auseinanderfallen. Es wird Zeit, der griechischen Regierung den Austritt aus der Währungsunion nahezulegen. Die Finnen haben bereits klare Worte gesprochen. Jetzt sollten auch die Deutschen Tacheles reden. Was hat die große Mehrheit der Deutschen davon, daß sie ungefragt mit bisher ca. 70 Milliarden Euro selbstgefällige, reiche und kriminelle Griechen subventioniert?
Über die europäische Einigung muß unter den gegebenen Umständen neu und grundsätzlich nachgedacht werden. Ohne einheitliche Sozial- und Finanzsysteme geht es nicht, und auch die Wirtschaftspolitik muß besser abgestimmt werden. Um das zu erreichen, braucht die Währungsunion eine längere Pause, am besten mit einer vorläufigen Trennung von Hart- und Weichwährungskandidaten. Denn Mentalitäten lassen sich nicht per Dekret ändern. Europa wäre stärker, wenn man das im Zusammenhang mit der Idee eines einigen Europas berücksichtigen würde und nicht wirklichkeitsblind und wunschtrunken weiter voran stolpern würde. Europa ist auf geradem Wege dabei, immer tiefer in eine Identitätskrise zu schliddern.
Die ganze Welt scheint sich in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg zu befinden. Die Ungewißheit über die weitere Entwicklung macht die Menschen unsicher und verursacht ihnen Angst. Die wiederum führt zu Einstellungen und Handlungen, die neue Ungewißheit und damit noch mehr Unsicherheit und Angst verursachen.
Deutschland hätte das Potential, den Teufelskreis zu durchbrechen und damit die Chance, auch anderen Ländern einen entsprechenden Impuls zu geben. Eine Regierung aber, die nur Mängel verwaltet und auch das mehr schlecht als recht, kann dieses Potential ebenso wenig nutzen wie eine polit-ökonomische Herrscherklasse, die den Hals nicht voll genug bekommen kann. Eine für alle lebenswerte Zukunft ist mit dieser „Elite“, die das Allgemeinwohl mit ihrem Eigenwohl verwechselt, nicht zu erraten. Doch nicht allein in Deutschland wird das Allgemeinwohl bedenkenlos den Sonderinteressen politiknaher Cliquen und deren Lobbys geopfert. Weltweit hat die Mehrheit der Menschen den Macht- und Profitinteressen von Minderheiten zu dienen. In vielen Ländern ist die skrupellose Selbstbedienung der Mächtigen vollkommen selbstverständlich.
Moralischer Niedergang schwächt zunehmend den sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung und fördert auf der einen Seite Gleichgültigkeit und Egoismus, auf der anderen Seite Wut und Radikalisierung. Die eingebrochene Beteiligung an den Wahlen zum Bundestag zeigt, daß immer mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger diesen Staat nicht mehr als den ihren betrachten. Während bis in die späten Achtzigerjahre noch 85-90 Prozent mitgewählt haben, waren es 2009 und 2013 noch knapp über 70 Prozent. Seit 1976 zeigt der Trend mit zunehmender Tendenz nach unten.
Ob die Umkehr noch gelingt? Ob Vernunft und Verstand die Ursachen der um sich greifenden Angst beseitigen und die damit verbundenen gefährlichen Folgen vermeiden können? Wir wissen es nicht und können nur hoffen. Aber die Chancen sind nach historischer Erfahrung sehr gering.
In der eBook-Reihe „Tacheles“ veröffentlicht Prof. Querulix seine Beobachtungen und Kommentare zum fragwürdigen und nicht selten katastrophalen Treiben des Menschentiers. Vier Bände sind bisher im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital erschienen und dort wie in jeder guten (Internet-)Buchhandlung für je 9,95 Euro erhältlich.
READ Pressestelle











