(openPR) Was Politiker und Notenbanker in Europa, den USA und Japan anrichten, läßt sich so zusammenfassen: Sie vernichten mit an Tollheit grenzendem Wagemut die in Jahrzehnten erarbeiteten Lebensgrundlagen ihrer Gesellschaften.
Von dem amerikanischen Journalisten und Satiriker Ambrose Bierce stammt die Erkenntnis: „Wagemut – eine der auffälligsten Eigenschaften eines Menschen in Sicherheit.“ Tatsächlich sind alle Hasardeure, die in den USA, Japan und Europa zerstören, was sich viele Millionen Menschen in Jahrzehnten aufgebaut haben, vollversorgt, ja überversorgt. Sie bilden sozusagen die Fettaugen, die auf der Wassersuppe der Völker schwimmen, wie es Prof. Querulix im „Volksmund“ formulierte, und werden unter den Folgen ihres Hasardspiels kaum zu leiden haben.
Andere profitieren sogar gewaltig. Reale Negativzinsen und unbegrenzte Geldvermehrung helfen verantwortungslosen Bankstern, ihre Spieleinsätze an den Börsen zu halten und auszuweiten und damit ihre persönlichen Einkommen noch weiter zu erhöhen. Auf der anderen Seite vernichten reale Negativzinsen das Vermögen des Mittelstandes einschließlich der privaten Altersversorgung und verführen zu falschen, weil von der Illusion kostenlosen Geldes getriebenen Investitionsentscheidungen, und zu unverantwortlich überzogener Verschuldung.
Die angeblich drohende Deflation, die mit unbegrenzter Geldvermehrung verhindert werden soll, ist ein Hirngespinst, das durch Wiederholung und Verbreitung durch gedankenlose Nachplapperer in den Mainstream-Medien nicht zur Tatsache wird. Daß die vom Statistischen Bundesamt ermittelte Teuerung gering ist, läßt sich ganz einfach erklären. Gesunkene Masseneinkommen – die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse ist nämlich in den vergangenen zehn Jahren erheblich angestiegen – und harter Wettbewerb der Warenanbieter um kaum gestiegene Massenkaufkraft verhindern Preiserhöhungen und erzwingen oftmals sogar Preissenkungen. Mit Deflation hat das aber nicht im Entferntesten etwas zu tun. Dafür fehlen die Voraussetzungen, nämlich Schrumpfung von Geldmenge und/oder der Verminderung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Trotz des immer wieder beklagten Fachkräftemangels kommt es in Großunternehmen zwecks Profitsicherung und -steigerung immer wieder zu Massenentlassungen. Gerade will Siemens wieder 7.800 Stellen streichen, davon rund 3.300 in Deutschland. Fachkräftemangel heißt in vielen Fällen eben nur: Wir suchen immer billigere Arbeitskräfte. Daß so der Binnenkonsum nicht deutlich gekräftigt wird, sollte nachvollziehbar sein.
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hält sich seit Jahren hartnäckig bei rund 3 Millionen, trotz der starken Zunahme der Gesamtzahl der Beschäftigten. Die Ursache ist auf der einen Seite Arbeitsverdichtung und zunehmender Streß für die (noch) zum vollen Arbeitsentgelt Vollzeitbeschäftigten, auf der anderen Seite die Verteilung von Arbeit auf mehr Beschäftigte, die allesamt weniger arbeiten dürfen und auch sehr viel weniger Einkommen erzielen. Immer mehr von ihnen können nicht mehr von ihrem Erwerbseinkommen leben und brauchen ergänzende Sozialhilfe.
Arbeitslos ist nach den Kriterien der Bundesagentur für Arbeit, wer weniger als 15 Stunden wöchentlich arbeitet, aber mehr arbeiten will. Nicht als arbeitslos gilt, wer an sogenannten Trainings- oder Arbeitsmaßnahmen der Agentur teilnimmt. Das sind rund eine Million Mitbürgerinnen und Mitbürger, die neben anderen, die hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden sollen, nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen. Die offizielle Arbeitslosenquote von ca. 7 Prozent erhöht sich durch die Zurechnung der „unsichtbaren“ und von Amts wegen versteckten Arbeitslosen auf eine wirkliche Quote von ca. 9,5 Prozent.
Deflation anzukündigen und diese – vorerst einmal – mit über einer Billion frischer Euros bekämpfen zu wollen, ist Volksverdummung. Der wirkliche Grund für die Vernichtung von Spargeldern und privaten Altersversorgungen durch reale Negativzinsen und unbegrenzter Geldvermehrung ist die immer noch nicht gelungene Sanierung der Banken. Aber die wird auf diese Weise auch niemals gelingen, weil sich die Banken weiterhin skrupellos als Bankster und Spielbankenbetreiber verhalten dürfen. Die Politik hat es nämlich versäumt, ihnen die gefährlichen Spielbank-Flügel – wichtigstes Stichwort: „Derivate“ – zu stutzen. Waren die Politiker zu einfältig, diesen entscheidenden Schnitt zu machen, oder wurden sie durch die Bankenlobby überzeugt, alles beim Alten zu lassen und die Banken nur mit den Ersparnissen der Bevölkerung zu „retten“?
Angesichts dieser „Rettungsaktionen“ macht man sich unwillkürlich so seine Gedanken. Demokratie, Allgemeinwohl, Amtseid der Regierungsmitglieder – hat man das alles vielleicht vollkommen falsch verstanden?
Eine geordnete Rettung aus der Finanzkrise wird es nicht geben. Der von der Politik in Fahrt gesetzte und jetzt von der EZB allein gelenkte Wagen rast mit klemmendem Gaspedal in dichten Nebel und niemand kann sicher voraussagen, wo und in welchem Zustand er zum Stillstand kommen wird. Die Banken treiben Aktien- und Anleihekurse weiter in geradezu wahnwitzige Höhen. Kein seriöser Vermögensverwalter würde zu diesen Kursen noch kaufen. Nur Bankster kaufen als wissende Insider die Anleihen, die ihnen die EZB nach dem Vorbild der us-amerikanischen FED wieder zu überhöhten Kursen abkaufen will. Allenfalls Zocker, die ihre spekulativen Posten nicht eine Minute aus den Augen lassen, spielen dieses Spiel noch mit – werden aber beim unvermeidlichen finalen Crash trotzdem einen Totalverlust erleiden. Denn die Bankster sind immer schneller.
Auch wer sich heute zu vermeintlich supergünstigen Zinsen bis zur Halskrause verschuldet, um am Wachsen irgendeiner Spekulationsblase mit zu profitieren, spielt mit hohem Risiko. Nicht nur später notwendige Refinanzierungen zu deutlich höheren Zinsen können ihn in Schwierigkeiten bringen. Unter Umständen gerät er auch durch seinen Kreditgeber in die Bredouille, der sich zwecks Profitmaximierung kurzfristig mit praktisch kostenlosem Geld refinanziert und bei ansteigenden Zinsen insolvent wird. Daß diese Gefahr sehr real ist, wird sich bald zeigen. Denn Anleihen werden nun einmal nur zum Nennwert fällig. Wer vorher zu viel höheren Kursen gekauft hat und nicht rechtzeitig verkauft, zahlt kräftig drauf. Die letzten beißen bekanntlich die Hunde.
Die Inflation, die sich bisher nur bei Anleihen- und Aktienkursen sowie in Ballungsgebieten in steigenden Häuserpreisen und Mieten zeigt, wird sich künftig überall, wo kein harter Wettbewerb das verhindert, flächendeckend auf die Lebenshaltungskosten ausdehnen. Das ist nur eine Frage der Zeit. Auch die Zinsen werden mit der Geldentwertung – vermutlich kräftig – steigen und niemand wird sich finden, der Anleihen zu überhöhten Kursen kauft.
Für die Korrektur der Aktienkurse werden künftig die zu ihrer Rechtfertigung nicht genügenden Gewinne oder Gewinnerwartungen der Unternehmen sorgen. Denn die Wirtschat läuft nirgends auf der Welt wirklich „rund“. Kein Wunder, wenn immer größeren Bevölkerungsteilen die Früchte ihres Arbeitslebens genommen werden. Wer seinen Grips noch beisammen hat, wird alles tun, um für die bevorstehenden schlechten Zeiten vorzusorgen.
In den hoch verschuldeten Ländern werden wegbrechende Steuereinnahmen und steigende Zinsen bald die zweite Runde exzessiver Verschuldung einläuten. Dann wird noch mehr Geld gedruckt, um Staats- und Bankenpleiten abzuwenden. Auf den naheliegenden Gedanken, die unteren Einkommen kräftig zu steigern und die Steuerlast von unten nach oben zu umzuverteilen, kommen die selbst üppig versorgten Politiker-Lobbyisten nicht. Das wäre aber ein vernünftiger und aussichtsreicher Weg, nicht nur mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen, sondern auch ein gesundes Wirtschaftswachstum anzustoßen. Solange der soziale Friede noch hält, wird diesbezüglich aber nichts geschehen.
Die USA können sich, solange ihre Währung noch Weltleit- und Reservewährung ist, weiter kostenlos zu Lasten anderer Länder verschulden. Aber dieses Privileg läuft aus, vielleicht sehr viel schneller als viele sogenannte Experten denken. China und andere Länder sind in der Lage und arbeiten bereits kräftig daran, gemeinsam eine neue goldbasierte Weltleit- und Reservewährung zu kreiren. Die Dummheit us-amerikanischer Bankster, mit offensichtlicher Rückendeckung der FED den Goldpreis zu drücken, spielt ihnen dabei optimal in die Hände. Günstiger hätten sie die notwendige Menge Gold gar nicht einkaufen können. Der momentan tief gedrückte Goldkurs ist auch ideal für den Tausch von Papierdollars in langfristig wertbeständiges Gold oder Aktien von Minen außerhalb der USA.
Was – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – auf die bisher von profitgierigen Lobbys gesteuerte kapitalistische Welt jetzt zukommt, dürfte vergleichbar sein mit den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Umständen im Deutschland der 20er und 30er Jahre. Um diesmal größeres Unheil zu vermeiden, wird eine völlige Neuorientierung der Politik und ihre Orientierung am Allgemeinwohl unumgänglich sein. Daß die derzeit herrschenden polit-ökonomischen Klüngel und die etablierten Parteien das schaffen, ist allerdings unwahrscheinlich. Das Beispiel Griechenlands zeigt aber, daß neue politische Kräfte oft aus dem Nichts entstehen.
Zunächst geht die Nebelfahrt aber weiter, auf der die Völker von ihren polit-ökonomischen Herrscherklassen mitzufahren gezwungen wurden. Da muß jeder gründlich überlegen, wo er steht, was er will und was er von der Zukunft erwartet. „Im Nebel der Ungewißheit aber muß wenigstens eins gewiß sein“, rät der preußische General Helmuth Graf v. Moltke, „der eigene Entschluß.“
Prof. Querulix begleitet das bunte Treiben des Menschentiers seit vielen Jahren mit seinen zeitlos-zeitkritischen An- und Bemerkungen in Prosa, Aphorismen, Reimen und Gedichten. Seine Werke sind als eBooks und auf CD im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor digital erschienen und dort sowie in allen guten (Internet-)Buchhandlung erhältlich.
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