(openPR) Daß Menschen zu allem fähig sind, wissen wir aus der Geschichte und erfahren es auch fast täglich aus den Medien. Was uns dabei aber viel zu wenig bewußt wird, ist die Tatsache, daß sie damit auch fortgesetzt ihre Unfähigkeit beweisen, zu lernen.
Wirtschaftskrisen und Bankenkräche hat es in der Geschichte schon häufig gegeben. Die Dummen waren immer die Unschuldigen, schlecht Informierten und die Sorglosen.
Die Flutung der Banken mit Geld durch die EZB bläht die Spekulationsblasen an den Aktien und Anleihenmärkten weiter kräftig auf. Ein Ende ist vorerst nicht abzusehen. Dennoch kann es unverhofft eintreten. Denn daß die derzetigen Aktienkurse in Zukunft durch entsprechende nachhaltige Gewinne der Unternehmen gerechtfertigt werden, ist nicht zu erwarten. Die Weltwirtschaft prosperiert trotz der gewaltigen Geldschwemme keinesfalls. Die starken Preisrückgänge bei Rohstoffen und Industriemetallen ist ein Zeichen dafür. Wenn der Mittelstand erst einmal begreift, daß er letztlich die Zeche für die unverantwortlich liberale Politik gegenüber Banken und Bankstern zahlt, wird er sich darauf einstellen und die durch überhöhte Aktienkurse verschleierte Stagnation der Wirtschaftstätigkeit schnell in einen Abwärtstrend verwandeln.
Auf Inflation werden wir unter diesen Umständen noch warten müssen. Der Euro befindet sich aber bereits im Sturzflug. Schön für die Exporteure. Schlecht für Konsumenten und Touristen. Wir importieren kräftig Inflation und das wird auch in tiefster Wirtschaftsflaute, bei steigender Arbeitslosigkeit und schärfstem Wettbewerb nicht ohne Folgen für das Preisniveau und die künftigen Tarifverhandlungen bleiben. Ob Draghi dann bei zwei Prozent einfach STOPP rufen kann?
Die Anleihen-Spekulanten spielen ein Hazardspiel. Nur forgesetztes Gelddrucken der EZB und dauerhaft reale Negativzinsen können die gegenwärtigen Kurse rechtfertigen. Vielleicht muß Draghi bald eine unbegrenzte Aufkaufgarantie zu Höchstkursen geben, um einen Kollaps der Kurse und die damit verbundene Zinsexplosion zu vermeiden.
Doch dauerhaft reale Negativzinsen haben katastrophale Auswirkungen. Wie lange die Lebensversicherer und Pensionskassen durchhalten, bevor es Schwierigkeiten bei den Auszahlungen von Versicherungen und Pensionen gibt, ist ungewiß. Aber ewig wird das „rien ne vas plus“ nicht auf sich warten lassen. Wer auf private Altersversorgung gesetzt hat, muß jetzt von der Substanz leben und wird täglich ärmer. Haben Draghi und die Politiker eine Lösung für dieses Problem? Es sieht nicht so aus.
Ob alle Banken wirklich sicher sind? Daß Draghi sie mit Geld geradezu überschwemmt, läßt erhebliche Zweifel aufkommen. AFP meldete erst kürzlich den Konkurs der spanischen Banoco Madrid. Das Institut betreut vor allem vermögende Kunden. Ursache des Konkurses soll der Abzug von Einlagen infolge von Ermittlungen wegen Geldwäsche bei der Muttergesellschaft der Bank, Banca Privada d'Andorra sein. Und letzte Woche mußte die Düsseldorfer Hypothekenbank vor dem Konkurs gerettt werden. Sie hatte sich finanziell bei der Hypo Alpe Adria engagiert, die inzwischen abgewickelt wird. Totalschaden für die Gläubiger, für deutsche Banken und wohl auch für die deutschen Steuerzahler.
Die Worte „Bank“ und „Kriminalität“ kommen in letzter Zeit erschreckend oft im Zusammenhang vor. Durch den Fall Hypo Alpe Adria und die Weigerung Österreichs deren Schulden zu begleichen, für die Kärnten garantiert hatte, wird jetzt auch das Vertrauen in staatliche Garantien erschüttert.
Der Grexit wird immer wahrscheinlicher. Vernünftig wäre er sowieso. Die Partner Griechenlands in der Währungsunion begreifen allmählich, daß das Land ein Faß ohne Boden ist. Mentalitäten kann man nicht so schnell ändern. Kluge Menschen wußten das schon, bevor Griechenland trotz damals schon bestehender Zweifel an seiner Eignung in den Währungsverbund aufgenommen wurde. Aber Politiker halten sich immmer für klüger und hören dann allzu gern auf interessengeschwängerte Berater.
„Das ist der Fluch der Zeit, daß Tolle Blinde führen“, klagte schon vor 450 Jahren Willam Shakespeare. Die Menschentiere führen tatsächlich immer das gleiche elende Theaterstück auf.
Derzeit vernichten die Notenbanker mit Rückendeckung durch die Politiker Vermögen in unvorstellbarem Umfang. Die Schulden der USA werden als Dollars weltweit zum Höchstpreis verkauft, obwohl sicher ist, daß sie niemals zurückgezahlt werden können. Auf den Basaren der Spekulanten werden vollkommen überzogene Preise ohne Rücksicht auf nachhaltige Werte bezahlt, allein in der Hoffnung, sie für noch höheren Preis wieder losschlagen zu können.
Wirkliche Werte haben dagegen keinen adäquaten Preis mehr. Was wegen seiner Knappheit und Dauerhaftigkeit wirklich wertvoll ist, Edelmetalle, kann man derzeit zum Schnäppchenpreis kaufen – noch jedenfalls, vor dem Finale Furioso.
Vielleicht genügen die 1,2 Billionen neues Geld für die Banken vorerst, um die Stimmung der Bankster und Spekulanten zu heben. Daß damit aber etwas zur Lösung der Finanzkrise geschieht, glaubt allenfalls der Weihnachtsmann. Wir anderen sollten gesundes Mißtrauen walten lassen. Es ist jetzt wirklich alles möglich.
Die Frage ist eigentlich nur noch, wie lange Draghi den Kollaps noch hinausschieben kann.
Mehr Beobachtungen und Kommentare zum Treiben des Menschentiers in seiner absurden Welt finden Sie bei Prof. Querulix. Er redet Tacheles. Vier eBooks sind bisher erschienen und für je 9,95 Euro beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen erhältlich.
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