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Deutschland ein(z)ig Prostitutionsland?

03.12.201418:27 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Internationaler Kongress „Stop Sexkauf“ vom 5.-7. Dez. in München:
Posttraumatische Belastungsstörung „wie bei Kriegsveteranen“

München, 02.12.2014. Vom 5.-7.12.2014 findet der Internationale Kongress zum Abbau der Prostitution: Stop Sexkauf“ im Anton-Fingerle-Zentrum in München-Obergiesing, Schlierseestr. 47, statt. VeranstalterInnen sind: Dr. Anita Heiliger mit KOFRA e.V., das Netzwerk „Stop Sexkauf“, SPACE International, und Abolition 2014. Schirmpatin ist die 3. Bürgermeisterin Christine Strobl, unterstützt durch die Landeshauptstadt und internationale Verbände, darunter Terre des Femmes. Zu den rund 41 Expertinnen und Experten aus Deutschland, Europa und den USA zählen auch Dr. Dorothee Schlegel von Deutschen Bundestag, Mary Honeyball vom Europäischen Parlament, Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus, Prof. Dr. Rahel Gugel Juristin und die Aussteigerinnen Tanja Rahm und Rachel Moran. Sie thematisieren den Zusammenhang der aktuellen deutschen Gesetzgebung mit dem Anstieg von: organisierter Kriminalität, Sextourismus, Prostitution, Kindesmissbrauch, Menschenhandel, Gewalt gegen Frauen, Traumatisierung und gesamt-gesellschaftlichem Schaden. Die Botschaft: Prostitution ist kein Beruf sondern kommerzialisierte Gewalt. Mögliche Abhilfe bringt das „Schwedische Modell“ der Freierhaftung, dem weltweit immer mehr Länder folgen.

Das deutsche Pornographiegesetz, ProstG und seine Folgen
...“die Freiheit einer Gesellschaft…bemisst sich an der Stärke…jener Barrieren, die einen Menschen darin beschränken, einem anderen seinen Willen aufzuzwingen…“so Julian Nida-Rümelin und Prof. Dr. Wilhelm Vossenkuhl in „Ethische und politische Freiheit“1. Dem entgegen steht das Prostitutionsgesetz (ProstG), das Deutschland 2002 zur Legalisierung der Prostitution verabschiedete. Ein Freiheitsgewinn bisher einzig für die Porno- und Prostitutionsindustrie. Der Freiheits- und Gleichheitsbegriff des Grundgesetzes, besonders des Artikels 3 (3 II2), ist damit in Frage gestellt. Die Folgen vom ProstG: Es fördert zunehmend ein Frauenbild, das mit Herabsetzung, Gewalt und der Verfügbarkeit der Frau als reine Ware einhergeht. Mit gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen: Die Brutalisierung von Sprache und Handlungen in der Branche wie auch in der Öffentlichkeit nahmen schlagartig zu. Ebenso Prostitution, organisierte Kriminalität und Sextourismus nach Deutschland. Sexanzeigen vor dem Gesetz boten zu 85% Verkehr mit Kondom an – danach war es genau umgekehrt.

Posttraumatische Belastungsstörung „wie bei Kriegsveteranen“
90-95% Frauen werden in der Prostitution angegriffen3; Prellungen (75%), Kopfverletzungen, Knochenbrüche, Unterleibsschmerzen (52,5%), vaginale Verletzungen (37,5%), offene Wunden (27,5) sind Untersuchungen zufolge in der Branche keine Seltenheit. 65-95% der Prostituierten wurden als Kinder sexuell misshandelt – 85-95% wollten aussteigen, hatten aber keine Alternative, ihr Leben zu finanzieren3. Armut und Kindesmissbrauch sind die Hauptgründe für den Gang in die Prostitution. Daten einer Studie (2004) aus neun verschiedenen Ländern ergaben: Zwei Drittel der untersuchten 854 Frauen in der Prostitution „zeigten Symptome von PTBS (posttraumatischer Belastungsstörung), die in ihrer Deutlichkeit vergleichbar waren mit denen von therapiesuchenden Kriegsveteranen.“

Das „Schwedische Modell“ schafft Abhilfe
Was 2002 von Vertretern und Profiteuren der Porno- und Prostitutionsindustrie als Fortschritt und Toleranz verkauft wurde – isoliert Deutschland zunehmend im internationalen Vergleich. Während sich die Pornowirtschaft immer mehr auf Deutschland zentriert, gewinnt das „Schwedische Modell“ weltweit Befürworter: Schweden, das als weltweit fortschrittlichstes Land in Bezug auf soziale Grundrechte von Männern und Frauen gilt, verabschiedete schon 1999 das Gesetz, nach dem Prostitution legal ist, aber Freier bestraft werden können. 2004 zog Finnland nach, es folgten 2009 Norwegen und Island, 2014 Kanada und Nordirland. Frankreich steht kurz vor der Verabschiedung des Gesetzes. Das Europäische Parlament verabschiedete jüngst eine entsprechende Resolution nach einem Bericht von Mary Honeyball, einer der prominenten RednerInnen auf dem Kongress in München. Des Weiteren werden u.a. sprechen. Dr. Dorothee Schlegel, MdB, die Aussteigerinnen Rachel Moran aus Irland und Tanja Rahm aus Dänemark, die Vertreterin der European Women´s Lobby in Brüssel, Pierrette Pape, Sr. Lea Ackermann, der Filmemacher Patric Jean aus Frankreich für die Zero Machos, der schwedische Kommissar Simon Häggström aus Stockholm, die schwedisch-kanadische Juristin und Menschenrechtlerin Gunilla Ekberg und viele mehr.


Quellen:
1(1997) Ethische und politische Freiheit (gem. mit J. Nida-Rümelin), Berlin: Walter de Gruyter
2 http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html
3 Melissa Farley (PhD), „Prostitution Is Sexual Violence“, in: Psychiatric Times. 1.10.2004, Vergleichsstudie in 9 Ländern an 854 Frauen in der Prostitution.

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