(openPR) Krisen wo man hinschaut: kulturelle, soziale und politische Strukturen werden zunehmend morbide, Glaubenskriege und Wirtschaftskriege toben in weiten Teilen der Welt, die kapitalistische Wirtschaftsordnung degeneriert zu einem plutokratischen Ausbeutungssystem. Das ist unsere Gegenwart.
Während immer noch viele hundert Millionen Menschen hungern, haben sich ein paar tausend Multimillionäre und Milliardäre den größten Teil aller wesentlichen materiellen Werte der Welt angeeignet, die Menschen bis heute geschaffen haben. Die sogenannte Erste Welt, in deren europäischen Zentrum sich seit Ende des 19. Jahrhunderts ein wohlhabender Mittelstand gebildet hatte, ist dabei in den Zustand heutiger Schwellenländer zurückzufallen, weil der vom neoliberalen Freibeutersyndrom zersetzte Kapitalismus den Mittelstand sukzessive vernichtet. Dieser Prozeß wird durch die von den Regierenden noch nicht hinreichend erkannte Tatsache beschleunigt, daß dadurch auch die Konsumnachfrage sinken muß, was durch Exporte niemals ausgeglichen werden kann. So verlieren mittelfristig auch die bisherigen Profiteure der sozialen Folgen des Ausbeutungskapitalismus oder geraten sogar in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Hinzu kommt, daß Wissenschaft und Technik in schnell zunehmendem Umfang menschliche Arbeitskraft ersetzbar machen. Arbeitslosigkeit wird dadurch vor allem in den technologisch fortgeschrittensten Staaten künftig ein Dauerprobelm werden. Das vorgenannte Problem der Verarmung großer Teile der Bevölkerung für die Warenanbieter wird dadurch noch erheblich verstärkt. Es kommt zu einer nicht endenden Spirale aus Verarmung, Arbeitslosigkeit und weiterer Verarmung. Weitere Verstärkung erfährt die Abwärtsspirale durch den voraussichtlichen Bevölkerungsrückgang, weil unsichere Arbeitsplätze und sinkende Einkommen zu weniger Geburten führen. Massenhafte Zuwanderung aus dem Ausland kann nur theoretisch einen Ausgleich bringen, weil die dadurch verursachten sozialen Probleme erheblich wären.
Die bisherige „Lösung“, sinkende Einkommen mit einer Ausweitung des Angebots von Billigprodukten erträglich zu machen, die von sklavenähnlich gehaltenen Arbeitskräften in Ländern der sogenannten Dritten Welt hergestellt werden, ist langfristig nicht tragfähig. Denn abgesehen von der inakzeptablen moralischen Qualität solcher beutekapitalistischer Wirtschaftsstrukturen, sind diese immer mit der Gefahr des Widerstands der Ausgebeuteten verbunden. Mögen die einzelnen Menschen sich auch apathisch der Gewalt des Geldes beugen, so sind sie in der Masse doch hellhörig für die Stimmen derjenigen, die ihnen das Unwürdige und Ungerechte ihrer Situation nur deutlich genug bewußt machen.
„Religion ist Opium des Volkes“, hat Karl Marx einmal geschrieben, und Lenin soll diese Aussage gern zitiert haben. Ausbeutungssysteme halten sich mit religiösem Gerüst besser, sind dadurch allerdings nicht vor gewaltsamen Umwälzungen geschützt. Das sehen wir derzeit in den islamischen Weltteilen. In den überwiegend christlichen Teilen der Welt ist allgegenwärtige Multimedia-Technik gerade dabei, das Opium „Religion“ abzulösen. Die Manipulation der Völker ist dadurch auch in prinzipiell freiheitlichen Gesellschaftsstrukturen einfacher geworden, allerdings nur, wenn sie technischen Mittel dazu den jeweils Herrschern allein zur Verfügung stehen.
Vielleicht werden wir den Bankstern und ihren vermeintlichen Rettern sogar einmal dankbar sein, daß sie die Schwächen des beutekapitalistisch degenerierten kapitalistischen Wirtschaftssystems so rücksichtslos – und mit letztlich wohl verheerenden Folgen für den Massenwohlstand und den sozialen Frieden in der westlichen Welt – zu Tage gefördert haben. Denn deutlicher als durch die munter fortschreitende Banken-, Staatsschuldenkrise können die verhängnisvollen Auswirkungen einer von blinder Profitgier getriebenen /Finanz-)Wirtschaft auf die Demokratie gar nicht sichtbar gemacht werden. Bankster und ihre hilfreichen Politiker kümmern sich bei ihren Raubzügen längst nicht mehr um Gesetze. Selbst Milliardenbußgelder sind für sie nichts anders als Kosten, die man einkalkuliert und die ohnehin nicht von den Verantwortlichen als den eigentlichen Profiteuren bezahlt werden, sondern letztlich von Mitarbeitern, Anteilseignern, Sparern und Steuerzahlern.
Demokratien, die, weil diese Herrschaftsform der Raubtiernatur des Menschen widerspricht, ohnehin immer nur als zartes Pflänzchen dahin kümmerten, sind weltweit inzwischen Sonderinteressen dienende Lobbydemokraturen geworden. Die gewählten Volksvertreter sehen ihre Aufgabe längst nicht mehr darin, vorzüglich das allgemeine Wohl zu fördern. Die Interessen von Klüngeln, Cliquen und Grüppchen aller Art dominieren und sehr viele Abgeordnete sind ihnen durch ihre erlaubten Nebentätigkeiten unmittelbar verpflichtet. Die weitere Entwicklung führt – wie wir in den USA sehen – auf eine Plutokratie hin, in der die Interessen des Großkapitals den Menschen gnadenlos zur Ware und zum bloßen Mittel des Profitmachens erniedrigen.
Wenn wir das in Europa auch wollen, wenn wir die Idee der Demokratie, die doch als Volksherrschaft dem Vollzug des Allgemeinwohls dienen soll, zur Farce machen wollen, dann müssen wir einfach wie bisher weitermachen. Dann brauchen wir uns zum Beispiel mit den geplanten Freihandelsabkommen, die mit Kanada und den USA geschlossen werden sollen, nur dazu verpflichten, das Primat des Profits des (us-amerikanischen) Großkapitals vor unserer Verfassung, vor dem allgemeinen Wohl unserer Völker und vor allen unseren kulturellen Werten und Errungenschaften zu akzeptieren. Dann sollten wir konsequenterweise auch gleich unsere Verfassung dem Götzen Mammon zu weihen.
Die Islamisten, die gerade ihre Reformationskriege austragen, lehnen dieses menschenverachtende neoliberale Gesellschaftsmodell des „catch as catch can“ ab. Leider lehnen sie auch alle wirklichen Errungenschaften des westlich-abendländischen Kulturraumes ab und schütten – aus der Sicht eines aufgeklärten Menschen dieser Hemisphäre – das sprichwörtliche Kind mit dem Bade aus. Die sogenannten „Gottesstaaten“ erscheinen ihm noch hinter vormittelalterliche Verhältnisse zurückgefallen, also in ein Zeitalter zu gehören, in dem der Islam aufgeklärter und kulturell deutlich fortgeschrittener war als heute.
Unmöglich, vorauszusagen, wohin die gegenwärtigen Gärungsprozesse der kapitalistischen und der islamischen Welt die Menschheit schließlich führen werden. Die Unsicherheit einer Prognose wird auch dadurch gesteigert, daß die USA an Bedeutung als Weltmacht einbüßen und die Vorherrschaft des US-Dollars als Weltleit- und reservewährung ihrem Ende zugeht, während China aufsteigt und offensichtlich Vorbereitungen trifft, einen goldgedeckten Renminbi an Stelle des Dollars zu setzen. Für die USA zeichnet sich ab, daß sie sich künftig nicht mehr einfach durch Drucken von Dollars auf Kosten anderer Staaten verschulden können – ein Katastrophe, aber wohl unausweichlich. Bis man sich damit abfindet, werden aber alle Register gezogen – wie es den Anschein hat, sogar Goldbestände „befreundeter“ anderer Staaten verzockt, um den Goldpreis zu drücken.
Sehr wahrscheinlich werden wir in den kommenden Jahren nicht nur wirtschaftlich schwierige, sondern auch sehr unfriedliche Zeiten durchleben müssen und niemand wird sicher sein können, daß er das, was er ist bleiben und das, was er besitzt behalten kann. Kriegszeiten eben.
Der Blick zurück in die Geschichte zeigt, daß die Menschentiere offensichtlich durch ihre Natur dazu verurteilt sind, ewig im Krieg miteinander zu leben. Die meisten Menschen verhalten sich in diesen labilen historischen Phasen wie Treibgut, passen sich einfach so gut es geht an die Verhältnisse an. Wenige handeln wie es dem Menschen eigentlich möglich wäre: Indem sie ihren Verstand vernünftig einsetzen, um Auswege aus der Misere oder wenigstens Möglichkeiten ihrer Milderung zu finden. Leider suchen von den Aktiven die meisten nur für sich selbst oder für ihre Clique nach Rettung, wie zum Beispiel Mario Draghi und die us-amerikanisch geführte Bankstermafia. Das ist dann regelmäßig mit katastrophalen Nebenwirkungen für die große Mehrheit der übrigen Menschen verbunden, wie wir bald sehen werden.
Es geht auch anders. Damit allerdings die mächtigen gegenwärtigen Profiteuren des Status quo Entscheidungen mittragen, die ihnen zunächst keinen offensichtlichen und sofortigen Nutzen versprechen, müssen sie erst unter einen gehörigen Leidensdruck geraten. Wann der eintritt, ist nicht voraussehbar. Aber es ist sicher, daß der Zeitpunkt mit fortschreitender Krise kommen wird. Wie bei manschen Krankheiten auch, wird der rettende Eingriff aber umso riskanter, je länger damit gewartet wird.
Wie unsere Gesellschaft zum Beispiel im Hinblick auf künftige wirtschaftliche und soziale Turbulenzen stabilisiert werden könnte, ist in einer kleinen mit Zahlen unterlegten Studie bereits vor einigen Jahren untersucht worden. Kernthema der Studie ist ein unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer. Der große wirtschaftliche, soziale und kulturelle Nutzen dieses Projekts, dessen finanzielle Machbarkeit in der Studie nachgewiesen wird, ist offensichtlich. Mit dieser und ähnlichen Überlegungen werden wir uns im Laufe der jetzt begonnenen Weltkrise beschäftigen, und zwar umso mehr, je stärker der Leidensdruck auch für diejenigen wird, denen es bisher noch zu gut geht, um sich für grundlegende Reformen der beutkapitalistischen Lobbydemokraturen zu interessieren.
Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer – Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft (ISBN 978-3-943788-18-1), eBook, bei READ Rüdenauer Edition Autor Digital und in jeder guten (Internet-)Buchhandlung 9,95 Euro.
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