(openPR) "800.000 Fachkräfte werden allein in den Bereichen Kfz-Technik und Wartung umgehend gebraucht", so Prof. Dayuan Jiang vom Zentralinstitut für Berufsbildung in Peking. Diese Zahl ist nur ein Beispiel für das größte Hemmnis des chinesischen Wirtschaftsaufschwungs: nicht oder nur mangelhaft qualifzierte Fachkräfte.
Zwar gibt es in China über 14.000 Berufsmittelschulen und über 1.000 berufsbildende Hochschulen, doch die Ausbildung findet größtenteils theorieorientiert statt. Die für die Wirtschaft notwendige Handlungskompetenz wird nicht vermittelt.
Der Elfte Fünfjahresplan, der dieses Frühjahr vom Nationalen Volkskongress verabschiedet wird, greift die Förderung der Berufsbildung auf. Neben Stipendien für Auszubildende aus ärmlichen Verhältnissen sieht er besonders die Errichtung weiterer Berufsschulen und eine Erhöhung der Schülerzahlen vor. Doch auch wenn mehr Schüler in besser ausgestatteten Berufsschulen ausgebildet werden, verfügen die Absolventen dann über die von der Wirtschaft dringend benötigte Kompetenzen?
"Besonders Softskills wie Verantwortungsbewusstsein, Zielgerichtetheit, Problemorientierung und Flexibilität sind selten vorhanden und bringen selbst Hochschulabsolventen nicht mit", so Frank Mersmann von Lemfoerder Automotive Components Shanghai.
Prof. Jiang vom Zentralinstitut bestätigt dieses Manko und vergleicht gleichzeitig mit der deutschen Ausbildung, die praxisorientiert stattfindet. Und sein Kollege Dr. Jiang, Vizedirektor in der Abteilung für internationale Kooperationen im Bildungsministerium, fügt hinzu: "Genau deswegen sind deutsche Bildungsanbieter in China herzlich willkommen."
Doch trotz ausdrücklicher Einladung sind deutsche Vertreter der beruflichen Bildung in Ostasien wenig zu finden. Während auf Hochschulebene Kooperationen auch mit akkreditiertem deutsch-chinesischen Doppelabschluss keine Seltenheit mehr sind, sind bei der beruflichen Qualifizierung primär die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Hanss-Seidel-Stiftung aktiv. Absolventen dieser Maßnahmen werden von den Unternehmen direkt von der Schulbank an die Werkbank geholt. Doch auf den ganzen Bedarf betrachtet ist dieses nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Während andere Nationen wie Australien, Großbritannien oder Japan bereits durch ein Vielzahl staatlicher und privater Initiativen auf Chinas Bildungsbedarf reagiert haben, tun sich die deutschen Anbieter schwer, ihre nationalen Grenzen zu verlassen. Dabei macht die Globalisierung auch vor den hiesigen Berufsbildungszentren und Klassenräumen nicht halt. Insbesondere der chinesische Markt wird auch in Zukunft nicht wegzudenken sein. Wer jetzt nicht tätig wird, wird von der Zeit überholt und gerät ins Hintertreffen.
Das Land Niedersachsen hat die Herausforderung erkannt und zusammen mit dem Chinesischen Zentrum, Hannover e. V. ein Projekt zur Internationalisierung und zum Export der beruflichen Bildung nach China ins Leben gerufen. Um Bildungsanbietern die Angst vor dem unbekannten Markt und der fremden Kultur zu nehmen, werden die Maßnahmen durch geförderte Schulungen, Kooperationsbörsen vor Ort in Hefei (Provinz Anhui) und Shanghai sowie Workshops begleitet. Eine erste Delegationsreise im Januar 2006 ins Reich der Mitte hat gezeigt, dass chinesische Partner in den Startlöchern stehen, bereit für Kooperationen. Durch die Unterstützung der politischen Seite bekommt das Projekt in den Augen der Chinesen sogar ein besonderes Gewicht. Denn so betont Dr. Jiang vom Bildungsministerium mit einem Augenzwinkern: "Bei uns hat die Politik noch viel zu sagen."











