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Interview: "Über dieses Possentheater sind wir stinksauer"

14.02.201317:24 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Interview: "Über dieses Possentheater sind wir stinksauer"
dbbjnrw-Chef Schallenberg fordert angemessene Bezahlung für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst
dbbjnrw-Chef Schallenberg fordert angemessene Bezahlung für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst

(openPR) Der Öffentliche Dienst fordert bei den laufenden Tarifverhandlungen im Kern für die Beschäftigten der Länder ein Plus von 6,5 Prozent und eine Übernahme aller Auszubildenden im Landesdienst. Doch die Arbeitgeber stellen sich taub. Wir sprachen vor der zweiten Verhandlungsrunde in Potsdam mit dem Vorsitzenden der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg, über den Auftakt der Verhandlungen und das, was noch folgen wird.



Frage: Am 30. Januar hat es die erste Verhandlungsrunde gegeben. Verhandlungsführer Jens Bullerjahn hatte schon im Vorfeld der ersten Verhandlungsrunde angekündigt, kein Angebot vorzulegen. Wie kommt das bei der dbb jugend nrw an?

M. Schallenberg: Wir sind über das alljährliche Possentheater stinkesauer. Herr Bullerjahn vermittelt mit dieser Haltung, dass er die Vorstellungen der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst nicht ernst nimmt. Wir sind zusammen an einen Tisch gekommen, um zu verhandeln. Wir würden uns einen konstruktiveren Umgang mit unseren Forderungen wünschen, als die Unterstellung, dass die Gewerkschaften ein Angebot der Arbeitgeber mit einer laxen Handbewegung abtun würden und man deshalb keines abgeben werde. dbb Verhandlungsführer Willi Russ tut gut daran, die Tarifgemeinschaft der Länder nachdrücklich aufzufordern, ein realistisches Angebot vorzulegen.

Frage: Warum ist die Forderung von 6,5 Prozent Lohnplus und 100 Euro mehr für die Auszubildenden eine realistische Forderung?

M. Schallenberg: Die Forderung ist realistisch. Es wird für uns immer schwerer, geeignetes Personal zu finden, wenn wir keine adäquate Bezahlung zu bieten haben. Wir haben mittlerweile Reallohneinbußen zu verarbeiten. Die Arbeitgeber wissen das, denn die Eckdaten der Inflation und der allgemeinen Einkommensentwicklung liegen alle auf dem Tisch. Es ist ignorant den eigenen Mitarbeitern gegenüber, darüber hinweg zu gehen.

Frage: Die Arbeitgeber führen stets die guten und sicheren Jobs im Öffentlichen Dienst an und fordern im Gegenzug die Bereitschaft, Lohnverzichte hinzunehmen.

M. Schallenberg: Die Wirklichkeit ist: Wir werden doppelt bestraft. Erst zwingt man uns in der Tarifrunde finanzielle Opfer ab und erwartet, dass wir es hinnehmen werden, immer weiter hinter den Reallohnentwicklungen zurückzustehen. Und dann entpuppt sich für viele junge Auszubildende nach der Ausbildung der Job als alles andere als sicher. Wenn der Öffentliche Dienst keine angemessene Bezahlung bietet, dann überlegen sich vor allem junge Leute sehr genau, ob sie die angeblich sicheren Stellen in den Verwaltungen überhaupt haben wollen. Schnell wird aber dann auch der Traum von der sicheren Stelle platzen, wenn es nach der Ausbildung – wie in so vielen Bereichen üblich – nichts oder im besseren Fall ein befristeter Vertrag folgt. Wie können die Arbeitgeber ernsthaft annehmen, der Öffentliche Dienst sei wegen seinen sicheren Stellen so beliebt? Unzählige junge Kolleginnen und Kollegen stehen nach ihrer mehrjährigen, qualifizierten Ausbildung mit einem Bein auf der Straße und arbeiten wie besessen, um zu zeigen, dass sie gut sind. Sie hoffen, überhaupt erst mal übernommen zu werden.

Frage: Ein weiteres Argument, das Bullerjahn als Grund gegen eine angemessene Gehaltserhöhung anführt, sind moderne Jobs, die man im Öffentlichen Dienst vorfinde. Was erzählen die Mitglieder über ihre Situation?

M. Schallenberg: Nichts, was Herr Bullerjahn bei dieser Art der Weltanschauung vermuten würde. Würde er eine Rundreise durch seine Landesverwaltungen starten, würde er sehen, wie modern und sicher in acht von zehn Fällen gearbeitet wird. Da hapert es an der Ausstattung, da hapert es an Führungsstrukturen. Wir fordern seit Jahren Übernahmen. Der Anteil der befristet Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ist seit Jahren höher als in der freien Wirtschaft. Die Argumente stimmen also schlichtweg nicht.

Frage: Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger betonte noch auf der Jahrestagung des dbb, dass die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes gut bezahlt werden sollen. Zeitgleich gibt er aber zu bedenken, dass in Anbetracht von Schuldengrenze und leerer Landeskassen viel Kreativität gefordert sei, um diesem Ziel gerecht zu werden.

M. Schallenberg: Das ist ja nicht richtig. Die Länder haben sich über höhere Steuereinnahmen gefreut, als sie erwartet haben. Doch das Geld will man lieber einsetzen, um die Konsolidierung voranzutreiben. Auf unsere Kosten. Die Arbeitgeber können doch nicht erwarten, dass in Zeiten von ungeplanten Steuermehreinnahmen der Öffentliche Dienst ein Sonderopfer bringt, indem wir mal wieder einen Tarifabschluss unterhalb der Inflation hinnehmen. Irgendwann muss doch mal Ende sein! Dem Land geht es besser als gedacht – da erwartet man von uns, dass wir weniger Kaufkraft haben, damit sie es nicht für den Personalhaushalt einsetzen müssen, sondern mehr Schulden tilgen können als geplant. Wer macht die Aufgaben in dieser Gesellschaft, die der Staat vorgibt? Das sind doch wir!

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