(openPR) Die einen machen es mehrere Monate, die anderen ein paar Wochen: Sie quartieren sich in einer dänischen Heimvolkshochschule ein. Ob Politik, Film, Theater oder Geschichte – sie lernen, was sie interessiert. Freiwillig und nur für sich. Denn die Dänen lernen gern, ein Leben lang. Und die Deutschen? Dürfen mitmachen – und nachmachen.
Nach seiner Hochschulausbildung wusste Mathias Sonne eigentlich, wie die Welt funktioniert – dachte er. „Aber schon wenige Wochen auf der dänischen Højskole hat meine Gedankenwelt völlig auf den Kopf gestellt“, sagt er. Vor sieben Jahren hatte der Däne gerade seinen Master in Germanistik und Philosophie in der Tasche. „Ich habe mich damals für einen reinen Wissenschaftler gehalten, der sein künftiges Dasein Forschung und Lehre widmet.“ Wie es konkret weiter gehen sollte, da war der heute 35-jährige Journalist allerdings noch unentschieden. Also machte er, was viele Dänen machen: Er schrieb sich an der Vallekilde Højskole auf Seeland ein. Højskole ist das dänische Wort für Heimvolkshochschule. Zwei erste Wochen verbrachte Mathias Sonne damals in der Heimvolkshochschule auf der dänischen Ostseeinsel. „Man wohnt zusammen, speist zusammen, lernt zusammen und begegnet dabei Menschen im Alter zwischen 20 und 60 mit den unterschiedlichsten Lebens¬entwürfen“, erinnert er sich. Für Mathias Sonne aber nicht das einzige Besondere: „Die Stimmung und die enorme Lernbereitschaft bei allen waren für mich eine außergewöhnliche Erfahrung.“
„Finde heraus, worin du gut bist“
Seither schwärmt der Däne vom Konzept des lebensbegleitenden Lernens, das auf seinen Landsmann Nikolai Frederik Severin Grundtvig zurückgeht. Der dänische Philosoph und Pädagoge begründete Mitte des 19. Jahrhun¬derts die Volkshochschulbewegung, die anschließend rund um den Globus zum Vorbild für die Erwachsenenfortbildung wurde. 35.000 bis 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind es heute jährlich, die sich allein in einer der 76 dänischen Højskoles für Kurse anmelden. Zwischen 6.000 und 7.000 Jugendliche besuchen die dänischen Heimvolkshochschulen jedes Jahr, das sind sieben bis acht Prozent eines Jahrgangs. Für die einen ist es eine Orientierungspause zwischen dem Abitur und dem Danach, andere kommen aus dem Berufsalltag, um jenseits des Alltags im Austausch mit anderen verborgene Talente zu entdecken oder entdeckte Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Ob Weiterbildung in Politik, Philosophie, Journalismus, Kunst, Film, Literatur, Management, Musik oder Sport: „Finde heraus, worin du gut bist“, lautet der Dänen Lerndevise. „Die Højskole haben aus der Motivation fürs Lernen eine Tugend gemacht“, sagt Mathias Sonne. Das passt zu dem kleinen Volk, dass laut internationalen Studien nicht nur das glücklich¬ste Europas sondern auch in der Erwachsenenfortbildung weit vorne ist.
Lernen macht glücklich
Ob wir in Deutschland von den Dänen lernen sollten? Immerhin spielt das lebensbegleitende Lernen hierzulande eine nicht minder wichtige Rolle, gibt es zahlreiche von Bund und Ländern geförderte Angebote allein in der beruflichen Weiterbildung. Eindeutig ja, sagen Experten wie Peter Falkai, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). „Gerade in Deutschland hat Lernen in der Erinnerung vieler noch immer häufig mit Beschämung zu tun. Viele sind froh, wenn sie nicht mehr lernen müssen“, bedauert der Motivationsforscher. Etwas nicht zu können werde bei uns oft als Schwäche ausgelegt, der mit erhobenem Zeigefinger begegnet wird. „Das ist schade, denn eigentlich macht Lernen glücklich. Es kann im positiven Sinne sogar süchtig machen“, so Falkai. Beim Lernen und Verstehen wird Dopamin ausgeschüttet, ein Belohnungsstoff – ein Hochgefühl entsteht.
Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät
Der Diplom-Psychologe und Psychoanalytiker Hans Werner Rückert von der Freien Universität Berlin weist auf einen weiteren Aspekt hin. „In Skandinavien werden schon die Grundschüler an selbstorganisiertes Lernen herangeführt. Das selbstorganisierte Lernen steigert die Motivation und das setzt sich im Erwachsenenalter fort. Die Dänen lernen gern und ohne Scheu.“ Und wir? Auch wir können das schaffen. Da sind sich die Experten einig. „Der Mensch ist lernfähig bis zum Tod. Jeden Tag bilden wir rund 40.000 neue Gehirnzellen. Wer am Ball bleibt, mit Neugier durch die Welt stiefelt und seinen Zellen vergnügt und vollen Herzens neuen Input liefert, steigert deutlich seine Lebensqualität und erfährt dabei auch viel Neues über sich selbst“, erklärt Peter Falkai. Die Dänen machen es vor: „Finde heraus, worin Du gut bist.“ Mathias Sonne hat im Kurs über Managementtheorien an der Højskole ganz vergnügt sein Faible fürs Fragen und Geschichten erzählen entdeckt und arbeitet heute als Journalist in Berlin.












