(openPR) Im vergangenen Jahr erhielten in Deutschland rund 490.000 Menschen erstmals die Diagnose Krebs. Der Anteil der Männer lag dabei bei 260.000, der der Frauen bei 230.000 Neuerkrankungen*. Bei 43 Prozent aller bösartigen Erkrankungen bei Frauen handelt es sich in der Regel um gynäkologische- und Brusttumore. Diese aus der Diagnose und Therapie resultierenden körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen haben für die Erkrankten deutliche Auswirkungen auf ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft: Frauen – mehr noch als Männer – werden dabei in sämtlichen Aspekten ihrer sozialen Existenz bedroht. Aus diesem Grund muss auch die Behandlung betroffener Patientinnen weit über die bloße Krebstherapie hinausgehen. Darauf weist die Frauenklinik des Rotkreuzklinikums München anlässlich des Weltkrebstages am Montag, 4. Februar, hin.
„Die Entfernung von Brust oder Gebärmutter, die Bestrahlung der Genitalorgane oder die Einschränkungen durch eine Chemotherapie greifen massiv in das Selbstbild der Frau ein“, berichtet Privat-Dozent Dr. Michael Braun, Sprecher und Koordinator der Hauptabteilung Gynäkologie in der Frauenklinik an der Taxisstraße. „Dies betrifft ihre Rolle als Geschlechtspartnerin, als Mutter sowie als Berufstätige.“ Eine wichtige Aufgabe für Gynäkologische Onkologen besteht seiner Meinung nach darin, die einzelnen Aspekte dieser Konfliktsituation sensibel zu erkennen und darauf einzugehen. „Es wird ein hoher Anspruch an das behandelnde medizinische Personal gestellt – der nur von spezialisierten Zentren erfüllt werden kann.“
Das Brustzentrum der Frauenklinik, eines der größten in Deutschland, genießt bundesweites und internationales Renommee. Die Spezialisten therapieren jährlich rund 700 Patientinnen mit neu aufgetretenem Brustkrebs, so genannte primäre Mammakarzinome. Deutschlandweit wurden 2012 in diesem Bereich 74.500 Brustkrebs-Neuerkrankungen* registriert. Nach Brustkrebs stellten Gynäkologen am häufigsten die Diagnosen Gebärmutterkrebs sowie Eierstockkrebs. Als gängigste Behandlungsmethoden gelten Operationen, Bestrahlungen und individuelle Systemtherapien wie etwa Chemo-, Anti-Hormon- oder Antikörpertherapien.
Die Gynäkologische Hauptabteilung des Rotkreuzklinikums führte im Vorjahr rund 2.500 Operationen durch. Davon über 1.000 Eingriffe an Patientinnen mit bösartigen Erkrankungen der Brust oder Genitalorgane. „Die allgemeine Bereitschaft zur Vorsorge zu gehen, ist allerdings immer noch zu niedrig“, sagt Privat-Dozent Dr. Martin Pölcher, Leitender Arzt der Abteilung Gynäkologische Onkologie und minimal-invasive Chirurgie der Frauenklinik. „Aus Erhebungen wissen wir, dass sich nur knapp 50 Prozent aller Frauen ab dem 20. Lebensjahr regelmäßig einer Krebsfrüherkennung unterziehen – dies sind definitiv zu wenig.“
Da die unterschiedlichen Krebserkrankungen in verschiedenen Altersgruppen auftreten, rät Privat-Dozent Dr. Martin Pölcher Frauen dazu, sich regelmäßig auf folgende Krebsarten untersuchen zu lassen: Gebärmutterhalskrebs jährlich ab dem 20. Lebensjahr und Brustkrebs jährlich ab dem 30. Lebensjahr, beziehungsweise Teilnahme am Mammographie-Screening ab dem 50. Lebensjahr. Frauen aus Hochrisiko-Familien für familiären Brust- und Eierstockkrebs haben zudem Anspruch auf darüber hinausgehende Vorsorgeuntersuchungen. „Daneben ist sowohl für Frauen als auch Männer ein zweijährliches Hautkrebs-Screening ab dem 35. Lebensjahr wichtig“ ergänzt der Experte. „Dies gilt ebenfalls für ein zweijährliches Darmkrebs-Screening ab dem 55. Lebensjahr.“
Ob ein Mensch an einem Tumor erkrankt, kann sowohl von genetischen Faktoren als auch von der eigenen Lebensweise abhängen. Demnach erkranken z.B. Frauen mit starkem Übergewicht häufiger. „Regelmäßige Bewegung hilft, vorzubeugen“, erklärt Privat-Dozent Dr. Michael Braun. „Die Vermeidung von Nikotin und regelmäßigem Alkoholkonsum sowie eine ausgewogene vollwertige Ernährung und – nach neuen Erkenntnissen – eine positive Lebenseinstellung erhöhen ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, gesund zu bleiben.“ Eine Empfehlung, die sich an alle richtet – Frauen wie Männer.
*Quelle: Robert Koch-Institut, aktuellste Zahlen









