(openPR) Olympiasieger Christian Schenk übernahm Schirmherrschaft
Vom Umgang mit Depressionen und Menschen, die darunter leiden, berichten sie nicht nur, sie haben am vergangenen Freitag auch ein Netzwerk gestartet: Das "Rostocker Bündnis gegen Depression". Dafür wählten die Initiatoren, eine Gruppe Rostocker Ärzte, Wissenschaftler und Sportler, einen für alle Bürger zugänglichen Ort: die Hochschule für Musik und Theater Rostock. Dass der Katharinensaal nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt war, zeigt das große Interesse an diesem Thema.
Durch das abwechslungsreiche Programm führte der ehemalige Leistungssportler Christian Schenk, Zehnkampf-Olympiasieger von 1988 in Seoul. Als Schirmherr wird er dieses Bündnis begleiten. Dafür bringt er Erfahrungswissen ein. Schließlich litt Christian Schenk nach seiner sportlichen Laufbahn selbst unter Orientierungslosigkeit und Angstzuständen. Mit Hilfe eines Psychologen gelang es ihm, diese zu überwinden. Der ehemalige Profi Schenk steht dazu, er hat damit kein Problem. Das tut gut, nicht nur dem Bündnis, sondern vor allem Menschen mit depressiver Erkrankung, ihren Angehörigen und Nahestehenden, aber auch Ärzten, Therapeuten und Fachpersonal.
Weil immer mehr Menschen unter Depressionen leiden, kommt dieses Problem verstärkt auf Unternehmen zu. So verwies Psychiatriereferent Michael Köpke vom Sozialministerium darauf, dass nach dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport die Zahl der Krankentage auf Grund depressiver Störungen seit dem Jahr 2000 um 42 Prozent stieg. Metapherhaft formulierte Professor Dr. Horst Klinkmann, Geschäftsführer BioCon Valley e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Hansa Rostock, seine norddeutsche Sicht auf eine Depression so: "Nach jedem Wellental kommt auch ein Wellenkamm." Zudem sprach er sich für "helfende Zuwendung" aus, "in einer Zeit, in der Ellenbogen und Mobbing zu Erfolgskriterien hochstilisiert werden". Dr. Wolfgang Nitzsche, Senator für Umwelt, Soziales und Gesundheit, betonte, "dass der Therapeut auf die Mitarbeit seines Patienten angewiesen ist. Und diese Zusammenarbeit sollte auf die eine oder andere Weise durch die aktive Unterstützung der Angehörigen oder nahestehender Personen getragen werden." Sein Fazit: "Nur durch ein abgestimmtes Zusammenwirken sämtlicher Beteiligten können alle Heilungschancen voll ausgeschöpft werden."
"Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter einer depressiven Erkrankungen", sagte Professorin Dr. Sabine Herpertz, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Rostock und Vorsitzende des Bündnisses gegen Depression. Davon sind alleine in Rostock etwa 10 000 Menschen betroffen. Optimale Hilfe erhielten nicht mehr als zehn Prozent. Diesem beklagenswerten Zustand soll mit Hilfe des Bündnisses abgeholfen werden. Weiter sagte sie, dass die Depression eine Volkskrankheit ist, "genauso wie wir das von den Krankheiten Diabetes, Asthma und Hochdruck kennen". Nach ihren Erfahrungen sind Depressionen sicher zu diagnostizieren und auch gut zu behandeln. Doch viel zu häufig werden sie aus Angst vor Stigmatisierung verschwiegen. Auffallend und tragisch zugleich: "15 Prozent der Betroffenen, die unter einer schweren Depression leiden, sterben krankheitsbedingt durch Suizid", erkärte Sabine Herpertz. Aufklärung tut also Not. Dabei können sich die Rostocker auf die nunmehr fünfjährigen Erfahrungen des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression" stützen, das 2001 als Modellprojekt des bundesweiten Kompetenznetzes Depression und Suizidalität eine regionale Aufklärungskampagne startete.
Professor Dr. Ulrich Hegerl, Oberarzt der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Sprecher des bundesweiten Kompetenznetzes, der einen beeindruckenden Fachvortrag hielt, bedankte sich für die Einladung nach Rostock. Er verwies in seinem Vortrag darauf, dass die Aufklärungskampagne des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression' die Rate an Suiziden und Suizidversuchen in Nürnberg deutlich senken konnte. Die zentralen Säulen des 4-Ebenen-Programms sind: Schulungen von Hausärzten, eine intensive Aufklärung der Öffentlichkeit (Plakate, Broschüren, Kinospots, Vorträge etc.), Schulungen und Einbeziehung weiterer Berufsgruppen (Pfarrer, Lehrer, Altenpflegekräfte, Polizei etc.) sowie spezifische Angebote für Betroffene und Angehörige, z.B. Notfall-Hotline für Patienten nach Suizidversuch und Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten. Mit Unterstützung der Europäischen Kommission werden nach dem Vorbild des Nürnberger Bündnisses entsprechende Interventionsprogramme in zahlreichen europäischen Ländern umgesetzt. Auch erwähnte Professor Hegerl die Homepage des Kompetenznetzes Depression und Suizidalität: "Täglich 4000 Besucher. 90 Prozent sind Betroffene und Angehörige, die sich hier informieren und austauschen."
Auf die Öffentlichkeitsarbeit setzt auch das Rostocker Bündnis. Zudem sollen Hausärzte, Lehrer, Polizei und Feuerwehr durch gezielte Fortbildungsveranstaltungen für die Situation der betroffenen Menschen sensibilisiert werden. Zum Rostocker Bündnis gegen Depression schlossen sich das Universitätsklinikum Rostock, niedergelassene Nerven- und Hausärzte, Sozialpsychiatrische Dienste, Angehörigen- und Betroffenenverbände, Apotheker und ambulante Pflegeeinrichtungen, sowie interessierte Bürger zusammen. Die Initiatoren hoffen nun, dass sich viele mit dem Rostocker Bündnis identifizieren und es mitgestalten.
HILFREICHE INFORMATIONEN
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie der Universität Rostock
http://www-kpp.med.uni-rostock.de
Bundesweites Kompetenznetz Depression
http://www.kompetenznetz-depression.de
ANSPRECHPARTNER
Frau Professor Dr. Sabine Herpertz
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Rostock, Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock, Tel. 0381 - 4949500
Professor Dr. Reiner Benecke
Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Nervenheilkunde
Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie
Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock
Tel. 0381 - 4949510
Prof. Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums
Medizinische Fakultät, Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock, Tel. 0381 - 4945011
WEITERFÜHRENDE BEITRÄGE (O-Töne, Fotos):
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Pressekontakt: Redaktion Lichtblick-Newsletter
im Landesverband M-V der Angehörigen und
Freunde psychisch Kranker e.V. (LApK MV e.V.)
Roland Hartig, Henrik-Ibsen-Straße 20
18106 Rostock, Tel./Fax: 0381-722025
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