(openPR) Es ist ein ungewöhnliches Bild am 1. August vor der Düsseldorfer Staatskanzlei, das von vorbeihuschenden Passanten stirnrunzelnd beäugt wird: Ein gutes Dutzend junger Frauen und Männer haben sich dort aufgestellt, machen ein ernstes Gesicht und schieben Buggys vor sich her. Doch Kindergeräusche sind nicht zu hören – alle Buggys sind leer. Mit dieser Aktion will die dbb jugend nrw auf die Konsequenzen befristeter Beschäftigung und unsicherer Zukunftsaussichten aufmerksam machen.
In 68 Prozent aller Fälle werden junge Menschen im Öffentlichen Dienst nur befristet eingestellt. Was das für die Familienplanung und den allseits beklagten Rückgang der Geburten bedeutet, ist für den gewerkschaftlichen Dachverband klar: Wer seine Zukunft finanziell nicht sicher planen kann, der plant auch keine Familie. Aus diesem Grund will die dbb jugend nrw die politischen Entscheidungsträger mit ihrer Aktion wachrütteln und auf die drohende Misere hinweisen. Mit einem guten Dutzend Kinderwagen und Buggys haben sie sich vor der Staatskanzlei aufgestellt, doch statt kleiner Kinder liegen in den Kinderwagen Plakate mit Slogans wie "Kasse leer = Buggy leer" oder "Ohne Einkommen keine Nachkommen".
"Trotz aller öffentlichen Diskussionen um einen drohenden Fachkräftemangel steigt in unserem Land die Zahl der Menschen, die in einem befristeten Arbeitsverhältnis stehen", bringt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg, die dramatische Schieflage auf den Punkt. Dabei sind von der Unsicherheit eines befristeten Beschäftigungsverhältnisses immer noch vorwiegend junge Menschen betroffen: Im vergangenen Jahr hatten 23,0 Prozent der Beschäftigten unter 30 Jahren nur einen befristeten Arbeitsvertrag, bei den unter 25-Jährigen ist sogar nahezu jeder zweite Arbeitnehmer nur befristet beschäftigt. "Der Öffentliche Dienst – auch in hier in Nordrhein-Westfalen – stellt dabei ein herausragendes Negativbeispiel dar", macht Schallenberg deutlich. Während insgesamt 8,9 Prozent aller Beschäftigten befristet beschäftigt sind, sei diese Zahl mit 13,3 Prozent im Öffentlichen Dienst deutlich höher.
Aus diesem Grund wird die dbb jugend nrw nicht müde, für die Zukunft der jungen Beschäftigten zu kämpfen. "Junge Menschen benötigen nicht nur eine Ausbildung, sondern auch eine dauerhafte Perspektive", so steht es in einem Brief, adressiert an die Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft, den dbb jugend nrw-Chef Schallenberg im Anschluss an die Aktion stellvertretend Christina Halstenberg-Bornhofen übergab. Die Abteilungsleiterin der Zentralabteilung Verwaltung der Düsseldorfer Staatskanzlei empfing die Gewerkschaftsvertreter/innen zu einem Gespräch und hatte dafür passenderweise Schnuller aus Weingummi mitgebracht. Auch inhaltlich waren Halstenberg-Bornhofen und die dbb jugend nrw auf einer Wellenlänge und oftmals in ihren Ansichten gar nicht so weit voneinander entfernt. Große Einigkeit herrschte auf beiden Seiten, dass die Zunahme der befristeten Beschäftigungsverhältnisse im Öffentlichen Dienst Anlass zu großer Sorge gibt.
Im Gespräch wies Schallenberg auch auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bzw. Dienstherrn hin: "Wer junge Menschen in den Öffentlichen Dienst holt, der trägt für sie auch Verantwortung. Und Verantwortung bedeutet auch, dass man ihnen eine Perspektive bietet." Erfreut nahmen die Vertreter/innen der dbb jugend nrw die Aussage von Halstenberg-Bornhofen zur Kenntnis, dass im Bereich des Justizministeriums geplant sei, 350 unbefristete Stellen einzurichten. Auch wenn noch einiges getan werden müsse, sei das bereits ein erster Schritt, so Schallenberg. Ein Schritt in Richtung Sicherheit und Perspektive. Und damit auch ein Schritt in Richtung Zukunfts- und Familienplanung junger Menschen.













