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Für Jungen zu viel Ritalin und zu wenig Pädagogik

27.03.201210:03 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Unruhige, hyperaktive Jungen werden jährlich mit 1,3 Millionen Tabletten Ritalin behandelt, beklagte Dr. Hans Hopf auf einem Vortrag an der KatHO NRW Aachen. Das entspricht einem Anstieg von 5000 Prozent über die letzten 17 Jahre gesehen. Eine besorgniserregende Entwicklung, die mit mehr Pädagogik und Therapie statt mit Medikamenten beantwortet werden sollte, so der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Dr. Hans Hopf auf einer Veranstaltung der Katholischen Hochschule NRW Aachen. Über 450 interessierte pädagogische und therapeutische Fachkräfte, Studierende und Eltern waren gekommen, um sich zu informieren.



Deutlich mehr Männer müssten in therapeutischen und (sozial-) pädagogischen Berufen präsent werden, um so dem Trend der Feminisierung der frühen institutionalisierten Erziehung entgegen zu wirken. „Pädagogik und Psychoanalyse müssen wieder verstärkt väterliche Strukturen fördern“, forderte er auf dem Vortrag, der von Prof. Dr. Jörg Baur, KatHO NRW Aachen, zusammen mit Renate Gaspar, Arbeitsgemeinschaft Anna Freud für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Aachen e.V., veranstaltet wurde.

In Kindergärten beträgt der Frauenanteil 95,9 Prozent, in Grundschulen immer noch 85,8 Prozent - Männer stellen in der frühen Erziehung eine rare Spezies dar. Gleichzeitig werden jedoch drei Mal so viele Jungen wie Mädchen psychotherapeutisch behandelt. Häufigste Symptome der Jungen sind Aggressivität, ADHS und Lese-, Sprech-, Sprach- und Rechtschreibstörungen. Jungen bringen so Sand ins soziale Getriebe von Kita und Schule und „sie stören“, heißt es aus der Sicht der Erziehenden.

Dr. Hans Hopf warf einen anderen, psychoanalytischen Blick auf das affektgeladene, symptomatische Verhalten vieler Jungen. Diese versuchen, ihre unbewussten, inneren Konfliktspannungen über ein nach außen gerichtetes Verhalten abzureagieren. Jungen sind grundsätzlich begeistert von Bewegung, Abenteuer und Wettstreit, was auf das Hormon Testosteron zurückzuführen ist, erklärte Hopf. Und diese Lust an Bewegung sollte nicht unterdrückt werden. Mädchen und ihre Bedürfnisse nach Nähe und Beziehungen dürften nicht zum Maßstab werden, an dem Jungen gemessen werden, warnte er gleichzeitig.

Der gesunde Drang der Jungen nach Bewegung und Abenteuer werde in der Pädagogik zu wenig beantwortet. Zu sehr würden ADHS-Symptome allein auf biologische Ursachen zurückgeführt, statt das Wechselspiel von Leib, Seele und Umweltbedingungen im Ganzen zu betrachten. Verantwortungsvolle und psychisch präsente Väter oder auch öffentliche Vaterfiguren können dazu beitragen, dass „Zappelphilipp-Symptome“ erst gar nicht entstehen, sagte Hopf.

Die flächendeckende Versorgung mit Ritalin ohne therapeutische Begleitung betrachten er und viele seiner Kollegen mit großer Sorge. Auch das Ausweichen der Jungen in die Computerwelt, wo sich mit sofortiger Wirkung Sieger- und Größengefühle leicht herstellen lassen, wertete Hopf als eine bedenkliche Entwicklung. Jungen brauchen das ermutigende und gleichzeitig Grenzen setzende männliche Element in der Erziehung – das im Übrigen für Mädchen genauso wichtig sei, betonte Hopf.

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