(openPR) Die Meldung am vergangenen Freitag schien zu einem kalkulierten Zeitpunkt zu kommen. Gegen Schluss der europäischen Börsen wurde klar, dass es bei der neuesten Abwertungsrunde neben den üblichen Verdächtigen auch ehemalige Musterschüler trifft.
Während die Abwertung von Italien schon seltsam anmutet – immerhin hat das Kabinett um den neuen Präsidenten Monti einige drastische Sparmaßnahmen beschlossen - kam die Herabstufung von Spanien nicht überraschend. Immerhin versprühte der neue Regierungschef Rajoy schon immensen Pessimismus, als er nach seiner Wahl anmerkte, man dürfe nun wirklich keine Wunder von ihm erwarten.
Erst letzte Woche musste er dann eingestehen, dass er entgegen seiner Wahlversprechen nun doch die Steuern erhöhen müsse.
Wer die politische Landschaft Europas in den letzten 20 Jahren betrachtet hat, dürfte über diese natürlich erst nach der Wahl entstandene Erkenntnis wenig überrascht sein. Auch in Deutschland haben wir durch Versprechungen von Parteien jeglicher Couleur ausreichend Erfahrungen mit Wahlversprechen und deren Umsetzung, trotz allem war die wirtschaftliche Kraft in der mitteleuropäischen Kernzone immer stark genug, um das AAA-Rating zu halten.
Nun trifft es aber neben den Sorgenkindern auch ehemalige Top-Bonitäten wie Österreich und Frankreich. Gerade im letztgenannten Fall müsste die Aufregung immens sein, denn Frankreich gilt neben Deutschland als Hauptgarant des Euros. Bei der Abwertung der USA im vergangenen Sommer hat sich die europäische Presse nur wenig mit Spott zurückhalten können, umso überraschender sind jetzt die eher gemäßigten Töne.
Die Hauptschuldigen für die Abwertung sind auch schon ausgemacht: natürlich sind es die Ratingagenturen. Die Regierungschefs erklären, dass die zweitbeste Bonität nun doch wohl so schlecht nicht sei und beklagen die Macht der Rating-Agenturen. Der CDU-Europaabgeordnete Brok spricht sogar davon, „US-Kräfte haben uns den Währungskrieg erklärt“ (Welt-Online von 16.01.2012).
Aber bleibt nicht bei all diesen Vorwürfen in Richtung von Moody´s, Fitch und Standard & Poor´s ein bitterer Beigeschmack?
Haben wir im Europa der letzten Jahrzehnte wirklich genug getan, um die Überschuldung der öffentlichen Haushalte in Grenzen zu halten? Ist das Finanzgebaren Griechenlands und Spaniens wirklich so vollkommen überraschend oder gab es schon vor Einführung des Euros nicht schon ausreichend viele Vorbehalte gegenüber der Wirtschaftskraft dieser Länder?
Im letzten Dezember wurden auf Druck Deutschlands endlich die Weichen in Richtung einer Fiskalunion Europas gestellt, aber auch hier gibt es neben Absichtserklärungen noch keine Umsetzung.
Viele Länder der Eurozone gelten als massiv überschuldet und die Politik hat bislang nur selten Sparzwänge im Haushalt auch wirklich durchgehalten. Zu oft steht die nächste Wahl ins Haus und damit die drohende Strafe des Wählers. In Spanien musste Zapatero gehen, weil er Steuererhöhungen für notwendig befand, dafür kam Rajoy, der das Land ohne Steuererhöhungen retten wollte – jedenfalls bis zur Wahl. In Belgien dauerte es 535 Tage, bis nach der Wahl eine Regierung gebildet wurde.
Dieses Verhalten mutet fast schon komisch an. Leider ist die Lage nicht so bitter ernst, denn mit jedem wahltaktischen Manöver gehen wertvolle Monate verloren. Ist vor diesem Hintergrund die Herabstufung wirklich nur ein taktisches Mittel der Ratingagenturen oder haben wir in Europa nicht auch unseren Teil zur Krise beigetragen?
Wenn wir in Europa eine Volks-Abstimmung über die Befähigung der Regierungen zum Abbau der Staatsverschuldung in der Eurozone durchführen würden, wie würde das Ergebnis aussehen? Wenn wir selbst aber schon nicht dem Euro vertrauen, warum sollten es dann andere tun?
Nicht umsonst fliehen die Anleger in Sachwerte wie Edelmetalle und Immobilien. Während der Goldpreis zuletzt konsolidierte, scheint die Nachfrage nach hochwertigen Immobilien sogar noch zu steigen. Ob der Vertrauensverlust der Menschen in den Euro und damit die klassischen Anlagekonzepte wieder wettzumachen ist, erscheint mehr als fraglich.
Während Finanzberater zunehmend fehlende Nachfrage nach Lebens- oder Rentenversicherungen monieren, weil sich kaum noch jemand für viele Jahre in Geldwerten binden möchte, beklagen Immobilienhändler in Innenstadtlagen eher, dass die Nachfrage kaum noch zu decken ist.
Dies sind klare Anzeichen, dass das Vertrauen der Anleger in Geldwerten und damit in den Euro massiv gesunken ist. Die Zukunft des Euros dürfte spannend werden.









