(openPR) Rosengarten-Ehestorf, 26.03.2011 – Das Freilichtmuseum am Kiekeberg zeigt ab dem 26. März 2011 die Sonderausstellung „Alt und Jung. Vom Älterwerden in Geschichte und Zukunft“. Die Ausstellung stellt in sieben Abteilungen Aspekte des Alterns und dessen individuelle und gesellschaftliche Wahrnehmung dar. Leitend ist dabei die Frage, welche Vorstellungen vom Altern eine Rolle spielen und wie sich diese im Laufe der Zeit wandeln. Die Abteilungen greifen die Themen „Altersbilder“, „Generationenverträge“, „Wohnen und Pflegen“, „Medien und Produkte“ sowie „Verjüngung“ und „Beziehungen“ auf. Abschließend wirft die Ausstellung einen Blick in die Zukunft.
Die Ausstellung ist im Freilichtmuseum am Kiekeberg bis zum 29. Januar 2012 zu sehen.
Altersbilder: Was ist alt, was ist jung?
Die erste Abteilung der Ausstellung greift die Vielfalt der Einschätzungen von Altern und Altsein auf. Die Vorstellung vom Alter ist einem steten Wandel unterworfen. Die Alterung der Gesellschaft führt zu einem neuen Selbstverständnis älterer Menschen und zu neuen, vielfältigen Lebensstilen. Doch wer bestimmt, wer zu den Alten und wer zu den Jungen gehört? Diese Zuordnung hängt nicht nur von der subjektiven Einschätzung ab, sondern auch von der Wahrnehmung der Mitmenschen. Dabei spielen Klischees eine große Rolle. So werden Menschen einer Altersgruppe bestimmte Kleidungsstile, Gerüche und Verhaltensweisen zugeordnet.
Die Ausstellung setzt an dieser Subjektivität von Alter an. In einer Hörstation stellen Menschen verschiedener Altersstufen ihre unterschiedlichen Einschätzungen von Alter vor. Eine Geruchsstation zeigt, welche Gerüche mit den verschiedenen Lebensabschnitten assoziiert werden können und der moderne Nachbau einer Lebenstreppe konfrontiert den Besucher mit seinen Klischees von Alter und Jugend.
Generationenverträge
Seit Einführung der modernen Rentenversicherung ist die Absicherung älterer Menschen durch einen Generationenvertrag staatlich geregelt. Dahinter steckt das Prinzip, dass heutige Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen alte Menschen finanziell absichern und dafür später selbst versorgt werden. Diese Form der Absicherung ist unter der Bezeichnung „Altenteil“ schon seit dem Mittelalter weit verbreitet. Die zweite Abteilung der Ausstellung stellt diese frühe Form eines Generationenvertrages vor und leitet daraus die moderne Rentenversicherung ab. Gezeigt werden ein Altenteiler- und Übergabevertrag, historische und aktuelle Rentenbescheide und das Deutsche Reichsgesetzblatt von 1889, in dem das Alterssicherungsgesetz erstmals festgelegt wurde.
Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Generationenvertrag bis ins Jahr 2060 demonstriert ein Modell mit Playmobil-Figuren.
Wohnen und Pflegen
Die Ausstellung zeigt in ihrer dritten Abteilung die Anforderungen an die häusliche und stationäre Pflege alter Menschen und wie sich diese im Laufe der Zeit gewandelt haben. Ausgestellt werden typische Pflegeutensilien und die Ausrüstung der Diakonissen, die mit Fahrrad und Bibel bis in die 1980er Jahre ambulante Pflege erledigten. Eine Großinstallation zeigt die Einrichtung eines Altenpflegeheims aus den 1950er Jahren.
Nicht selten geht mit hohem Alter Hilfsbedürftigkeit einher. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es hierfür Einrichtungen, die sich auf die Pflege alter Menschen spezialisiert haben. Dennoch ist die häusliche Pflege alter Menschen immer noch weit verbreitet. Sie wird meist getragen von Familienmitgliedern, unterstützt von ambulanten Pflegediensten.
Thematisiert werden zudem neue Wohnkonzepte wie beispielsweise Wohngemeinschaften für Demenzkranke oder Mehrgenerationenhäuser. Hier leben Menschen unterschiedlichen Alters zusammen und sorgen füreinander.
Medien und Produkte
In der Werbung wurden alte Menschen lange Zeit kaum als Zielgruppe wahrgenommen. Tauchten sie in der Werbung auf, so waren sie meist Vertreter überkommener Stereotype. Heute hat die Werbeindustrie Senioren längst als einkommensstarke Zielgruppe entdeckt.
Dieser Wandel ist an der Darstellung älterer Menschen in der Werbung zu erkennen. Die vierte Abteilung der Ausstellung illustriert diesen Wandel anhand von Werbeanzeigen und Produktwerbung aus der Zeit zwischen 1900 und heute.
Dass die moderne Gestaltung von Gebrauchgegenständen die Wünsche aller denkbaren Nutzer ansprechen muss, verdeutlich das „Universal Design“. Sieben Objekte inklusive einer Mitmachstation zeigen exemplarisch, dass durchdachtes Design Konsumenten altersunabhängig ansprechen kann.
Verjüngung
Ewige Jugend und immerwährendes Leben sind uralte Träume der Menschheit. Der „Jungbrunnen“ oder die „Altweibermühlen“ waren als mythische Orte der Verjüngung weit verbreitet. Heute stehen die Regale von Drogeriemärkten voll mit „Anti-Aging“- oder „Anti-Falten“-Produkten. Wo Pflegeprodukte nicht mehr reichen, greifen Schönheitsoperationen und Nervengiftspritzen der Jugendlichkeit unter die Arme.
Die Ausstellung greift diesen Traum von ewiger Jugend auf. Sie zeigt die Darstellung einer „Altherrenmühle“, die Fülle von Pflegeprodukten sowie modernes OP-Besteck und Hilfsmittel der Schönheitschirurgie. Ein „Gesichtsbügeleisen“ aus den 1950er Jahren beweist, dass der Wunsch nach faltenfreier Haut kein neues Phänomen ist.
Beziehungen
Der sechste Teil widmet sich den Themen Alter, Liebe und Sexualität. Einsamkeit im Alter nach dem Tod des Partners ist für viele Menschen ein Schreckensbild. Ein Blick in Tageszeitungen und auf die Angebote von Partnerschaftsvermittlungen zeigt, dass heute auch Senioren bewusst nach Partnerschaften suchen. War Sexualität im Alter bis vor wenigen Jahren noch ein Tabuthema, gehen ältere Menschen nun selbstbewusst mit ihren Bedürfnissen um.
Auch jahrzehntelange Beziehungen bringen im Alter neue Herausforderungen mit sich, nicht zuletzt dann, wenn der eigene Partner pflegebedürftig wird
Die Ausstellung greift anhand von Partnerschaftsanzeigen und dem Video „Die Männer meiner Oma“ diese Herausforderungen auf. Die Fotoserie „Alter und Liebe“ zeigt acht Paare in fortgeschrittenem Alter und stellt – ergänzt durch Interviews – die Geschichten ihrer Beziehungen vor.
Ausblicke
Die letzte Abteilung wendet sich der Problematik von Alter und Arbeit zu und wirft einen Ausblick auf künftige Lösungsansätze.
Vorgestellt wird beispielsweise ein großer Süßwarenhersteller, der in einem seiner Werke bewusst zwei Drittel ältere Arbeitnehmer beschäftigt. Dass viele Rentner auch nach Beendigung ihrer Arbeit noch Herausforderungen suchen, zeigen Ehrenamtliche des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Exemplarisch werden acht Personen mit ihren Hobbys vorgestellt.









