(openPR) Nach einem leichten Wachstum für das Jahr 2009 wird sich die Kaufkraft der Deut-schen auch im laufenden Jahr 2010 als krisenresistent behaupten. Es wird zwar keine großen Zuwächse geben, jedoch ist die Gefahr einer Konsumentenkrise weitge-hend gebannt. Dies ist umso erfreulicher, als dass europaweit betrachtet die ver-fügbaren Einkommen im Vorjahr stagnierten.
Obwohl die regionalen Kaufkraftdisparitäten innerhalb Deutschlands nach der Ver-einigung stark verringert werden konnten, sind diese bis heute noch deutlich spür-bar.
Trend: Krise trifft den deutschen Konsumenten weniger stark als erwartet!
Die Krise hat im vergangenen Jahr eine nur leichte Steigerung der durchschnittlichen Kaufkraft in Deutschland von 0,4% zugelassen. Dies war jedoch angesichts der europaweiten Kaufkraftstagnation eine gute Performance. Auch für das lau-fende Jahr geht RegioData Research, der Anbieter für regionale Wirtschaftsdaten für Europa, von einer im schlechtesten Fall stagnierenden Kaufkraft bei durch-schnittlich etwa 17.620 Euro pro Kopf aus.
Trend: Arm-Reich-Unterschied auch in Deutschland deutlich spürbar!
Die Kaufkraft in Deutschland ist regional sehr unterschiedlich, wobei das Ost-West-Gefälle nach wie vor deutlich besteht. Während die Top-3-Bundesländer Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern über eine durchschnittliche Kaufkraft von über 19.000 Euro pro Kopf verfügen, rangieren am unteren Ende Thüringen, Sachsen-Anhalt und als Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern mit Werten von durchschnittlich je 14.000 Euro pro Kopf.
Trend: 2009: Stagnation der Kaufkraft im europäischen Schnitt!
Während die Kaufkraft der Deutschen im Jahr 2009 noch ein leichtes Plus auf-wies, stagnierte die durchschnittliche Kaufkraft eines Europäers. In Euro gerech-net ergibt sich wegen (teils starker) Abwertungen einzelner Währungen sogar ein Minus von 3,7 % oder 360 Euro weniger verfügbares Einkommen als 2008.
Trend: Europa der Gegensätze!
Eine starke Kluft zwischen reichen und armen Regionen kennzeichnet auch das Europa im 21. Jahrhundert. Nicht nur das immer noch stark vorhandene West-Ost- und Nord-Süd-Gefälle sondern auch die Wohlstandsunterschiede innerhalb der Länder sind noch sehr deutlich.
Deutschlands Kaufkraft 2010 – die Krise ist angekommen
Nachdem selbst im schwierigen Jahr 2009 die durchschnittliche Kaufkraft der Deutschen um rund 0,4% gesteigert werden konnte, werden sich die deutschen Konsumenten in diesem Jahr mit einer Stagnation zufrieden geben müssen. „Krisen erreichen meistens zeitverzögert den Konsumenten, so dass manche Prognosen von einem Kaufkraftrückgang ausgehen“, erklärt Mark Ruhsam, Pressesprecher von RegioData Research. Die jüngste Krise trifft den deutschen Konsumenten jedoch weniger stark als viele erwartet haben. „Deshalb gehen wir für 2010 im schlechtesten Fall von einer Stagnation der Kaufkraft aus.“
Mit einer durchschnittlichen Kaufkraft von rund 17.620 Euro pro Kopf ist die Kaufkraft Deutsch-lands auf einem sehr hohen Niveau. Die Pro-Kopf Kaufkraft reiht das Land an 8. Stelle in Euro-pa. „Dies ist angesichts der hohen Einwohnerzahl und der Eingliederung von wirtschaftlich schwächeren Regionen durch die Wiedervereinigung eine beachtliche Position“, so Ruhsam.
Ost-West-Gefälle noch immer spürbar!
Der Unterschied zwischen dem reichsten und dem ärmsten Bundesland Deutschlands liegt bei über 5.000 Euro. Das kaufkraftschwächste Bundesland Deutschlands ist Mecklenburg-Vorpommern, das einen Kaufkraftindex von 82,9 Indexpunkten aufweist und damit über 17% unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt. Die Bewohner verfügen hier also über eine durchschnittlichen Kaufkraft von rund 14.400 Euro pro Kopf, im europäischen Kontext etwa vergleichbar mit der spanischen Region Katalonien.
„Diese Disparität innerhalb Deutschlands ergibt sich auf Grund der sehr hohen Kaufkraft west-deutscher Bundesländer, die mit durchschnittlich deutlich über 18.000 Euro pro Kopf einen Spit-zenwert in Europa erreicht“, so Ruhsam.
Die Top 10 Kreise hinsichtlich der Kaufkraft liegen daher allesamt in den alten Bundesländern. Führend ist der Landkreis Starnberg mit 150,5 Indexpunkten (DE=100) und einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 26.500 Euro. Es folgen der Hochtaunuskreis in Hessen mit 149,6 Indexpunkten und der Landkreis München (140,5 Indexpunkte).
Die Kreise mit den geringsten Kaufkraftindizes sind Uecker-Ranow (71,4) und Demmin (72,4) in Mecklenburg-Vorpommern. Hier liegt das verfügbare Einkommen pro Einwohner fast 30% unter dem bundesdeutschen Schnitt. Allerdings konnten die Kreise in den neuen Bundesländern im vergangenen Jahr an Boden gutmachen, am Beispiel Demmin mit einer Steigerung von rund 1,5 Indexpunkten.
Europas Kaufkraft stagniert
Die durchschnittliche Kaufkraft eines Europäers ist im letzten Jahr um circa 3,7% zurückgegan-gen. Dies bedeutet, dass einem Bewohner Europas im Schnitt um rund 360 Euro weniger ver-fügbares Einkommen zur Verfügung standen als im Jahr 2008. Dieser Rückgang ausgedrückt in Euro inkludiert aber auch Währungsschwankungen. So verloren in Folge der Wirtschaftskrise die isländische Krone 35%, der polnische Zloty oder die ukrainische Griwna um jeweils mehr als 20% des Wertes.
Selbst bei konstanten Wechselkursen ergibt sich für die Kaufkraft aber europaweit 2009 eine Stagnation.
Wohlstand und Armut in Europa
Europa ist selbst 20 Jahre nach der Wende und Jahrzehnte nach dem Beginn des europäischen Vereinigungsprozesses nach wie vor ein Kontinent der starken Gegensätze. Während ein Lu-xemburger über durchschnittlich rund 30.000 EUR, ein Schwede oder Österreicher über rund 18.000 EUR und ein Grieche über circa 11.000 im Jahr verfügt, so muss ein Bewohner der Re-publik Moldau mit circa 700 EUR im Jahr auskommen. Selbst wenn das Preisniveau im jeweili-gen Land in diesem Vergleich nicht berücksichtigt wurde, so steht fest, dass in den ärmsten Ländern Europas das Geld nicht einmal für die Abdeckung der Grundbedürfnisse ausreicht. "Es wird noch mehrere Generationen brauchen, bis die osteuropäischen Länder bei der Kaufkraft an das westeuropäisches Niveau heranreichen werden", folgert Ruhsam.
Darüber hinaus gibt es im heutigen Europa starke regionale Disparitäten innerhalb der Länder. Dies ist nicht nur in osteuropäischen Ländern der Fall, sondern auch in Staaten wie Deutsch-land, Italien oder Griechenland. Die Spanne zwischen der Kaufkraft der ärmsten und reichsten Regionen liegt in Italien bei 85 Indexpunkten, kaum geringer als in Rumänien. In Deutschland liegen 79 Kaufkraft-Indexpunkte zwischen reichsten und ärmsten Kreis. Am wenigsten ausge-prägt sind die regionalen Wohlstandsunterschiede in Schweden, die Differenz beträgt hier nur circa 30 Punkte.
Definition Kaufkraft:
Unter Kaufkraft wird die Fähigkeit einer Person oder eines Haushaltes verstanden, mit verfüg-barem Geld in einem bestimmten Zeitraum Güter, Dienstleistungen und Rechte erwerben zu können. Die Kaufkraft erfasst somit all jene Geldmittel, die einer Person oder einem Haushalt zur Verfügung stehen, unabhängig davon ob diese für den privaten Konsum aufgewendet oder gespart werden.
Anmerkungen: Alle Werte sind auf die Region bezogene Durchschnittswerte und erlauben keine individuellen Rückschlüsse auf einzelne Personen oder Personengruppen. Eine negative Kaufkraftveränderung ist nicht gleichbedeutend mit einem Kaufkraftverlust. Sie besagt lediglich, dass sich die jeweilige Region unterdurchschnittlich (im Vergleich zum nationalen Durchschnitt) entwickelt.
Berechnungsmethodik:
Die Kaufkraftkennziffern beruhen auf einer Erfassung des disponiblen Einkommens. Es wurden die Einkommen und Transferein-kommen der Bevölkerung erhoben und um Abgaben (Steuern und Pflichtbeiträge zur Sozial-, Arbeitslosen- und Pensionsversiche-rung) gekürzt. Eventuelle regionale Preisniveauunterschiede werden in dieser Berechnung nicht berücksichtigt.













