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Für 28 von 30 Azubis nur Zeitverträge

21.10.201011:17 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Für 28 von 30 Azubis nur Zeitverträge
Die dbb jugend nrw bemängelt: Viele Azubis im Öffentlichen Dienst bekommen nach ihrer Ausbildung nur Zeitverträge.
Die dbb jugend nrw bemängelt: Viele Azubis im Öffentlichen Dienst bekommen nach ihrer Ausbildung nur Zeitverträge.

(openPR) Im Bundesverwaltungsamt, einer oberen Bundesbehörde, arbeiten – wie in vielen anderen Bundesbehörden inner- und außerhalb von NRW – junge Menschen mit daran, dass in der Bundesrepublik Deutschland alles rund läuft. In Wirklichkeit läuft es vielerorts allerdings immer unrunder: Azubis stehen nach der Ausbildung auf der Straße, Aufgaben bleiben unerledigt.



Jedes sechste Kind in Deutschland lebt in Armut. Ihre Eltern leben von der Sozialhilfe und damit auch sie; sie sind benachteiligt, leben in schwierigen Lebensverhältnissen. Im Bundesverwaltungsamt gibt es Menschen, die damit betraut sind, frühe Hilfen für solche Kinder zu erkennen und in die Wege zu leiten. Dort sitzen Menschen, die täglich dafür arbeiten, dass Familie und Beruf vereinbarer werden, die sich einsetzen, dass behinderte Menschen sportlich gefördert werden. Die Zahl der Aufgaben ist so weitreichend, dass Otto Normalverbraucher keine Vorstellung mehr davon hat. An vielen Punkten aber berühren sie das Leben der Bürger in Deutschland. Zahlungen gehen von dort raus oder werden von dort aus eingezogen. Nicht auszudenken, wenn das nicht mehr geschehen würde. Das mag sich keiner vorstellen!

Zu überzogen scheint dieses Szenario, doch ist es das wirklich?
Im Bundesverwaltungsamt in Köln werden 20 bis 30 Auszubildende pro Jahrgang fit für ihre Aufgaben in der vielschichtig arbeitenden Bundesbehörde gemacht. Allerdings werden nur rund zwei von ihnen pro Jahr übernommen. Alle anderen bekommen im Anschluss an ihre Ausbildung Zeitverträge für zwei Jahre – und danach müssen sie oftmals gehen. Diese jungen Menschen werden für viel Geld spezifisch ausgebildet und dann nicht weiterbeschäftigt.

Spätestens in zwei Jahren werden viele ältere Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Konsequenz: Es wird keine erfahrenen und routinierten Mitarbeiter geben; die Aufgaben bleiben unerledigt, denn die jungen Leute, die ihre Stelle hätten einnehmen können, fehlen.

Junge Leute, die im Bundesverwaltungsamt ihren Ausbildungsweg im mittleren Dienst beschreiten, stehen auf wankendem Boden. Denn neben einer Aufgabenverdichtung, die sie genauso wie ihre fest angestellten Kollegen trifft, kommt bei ihnen das Bangen um eine spätere Übernahme hinzu. Sascha Titze, Bundesjugendvertreter des VBOB, weiß das auch aus dem gehobenen Dienst beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu berichten. „Neben dem Prüfungsstress haben die jungen Leute dann auch noch mit der Sorge um ihre Übernahme zu kämpfen.“ Außerhalb der Verwaltung ist die Aussicht auf eine Anstellung schlecht, denn die Ausbildung ist sehr fachspezifisch. Das bemängeln die jungen Leute im Öffentlichen Dienst schon seit vielen Jahren, denn ihre qualifizierte Ausbildung wird in der Privatwirtschaft meist nicht anerkannt. Somit droht nach der Ausbildung im Öffentlichen Dienst, wenn sie nicht übernommen werden, die Jugendarbeitslosigkeit. Oder aber sie müssen eine erneute Ausbildung absolvieren, um in der Privatwirtschaft beruflich unterzukommen.

Im Bundesverwaltungsamt gab es vor einigen Jahren die letzten Festverträge nach der Ausbildung. Wer aufgrund mangelnder Stellen im Personalhaushalt nicht übernommen werden kann, bekommt in der Regel einen zweijährigen Zeitvertrag nach dem Teilzeitbefristungsgesetz; im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt es sogar nur auf ein Jahr befristete Verträge. Die Politik redet sich damit heraus, dass die Ausbildungsinitiative des Bundes weit über Bedarf angelegt und somit eine Übernahme im Regelfall von vornherein nicht beabsichtigt sei. Die Probleme der demographischen Entwicklung werden dabei ausgeblendet.

„Einige schaffen vom Bundesverwaltungsamt den Sprung zu den Kommunen und werden da eingestellt“, weiß ein junger Betroffener zu berichten. Doch was aus den jungen Leuten wird, die im Öffentlichen Dienst ausgebildet, aber nicht übernommen werden, interessiert kaum einen. Das Problem ist, dass sich die Bevölkerung meist kaum vorstellen kann, was in den oberen Bundesbehörden an Arbeit für den Bürger getan wird.

Es gibt Referate im Bundesverwaltungsamt, die bis zu 70 Prozent nur mit Zeitangestellten besetzt sind. Die betroffenen Mitarbeiter in solchen Abteilungen befürchten, dass auf Dauer die Qualität der Arbeit darunter leiden wird. Kaum habe man sich eingearbeitet, sei man wieder draußen. Know-how und Routine können sich so auf Dauer nicht entwickeln. Dafür braucht es jahrelange Erfahrung und die spezifisches Wissen über Abläufe, Schwerpunkte und Kontakte. Die Chance auf engagierte junge Leute mit Know-how geht mit jedem Einzelnen verloren, der diese Behörde nach Ablauf des befristeten Arbeitsvertrages verlässt.

Für das Bundesverwaltungsamt geht ein Hoffnungsstern auf, denn es wurde jüngst eine Arbeitsgruppe installiert, die sich mit den Entwicklungen durch den demographischen Wandel auseinandersetzt. Was diese Arbeitsgruppe aber bewirken kann und wird, das zeigt sich erst in der Zukunft.

Die dbb jugend nrw hat in diesem Jahr bereits mit mehreren Beiträgen auf die schwierige und nicht zukunftsfähige Situation junger Menschen im Öffentlichen Dienst aufmerksam gemacht. Zuletzt war sie mit Unterstützung aus den Fachgewerkschaften mit einer Aktion vor der Staatskanzlei in Düsseldorf zu sehen. Durch diese Aktion wird der Verband vielleicht die Möglichkeit bekommen, im Rahmen einer Abschlussaktion im Landtag nochmals auf die bitteren Pillen aufmerksam zu machen, die die Azubis und jungen Beschäftigten in den öffentlichen Verwaltungen zu schlucken haben. Sonst wird – wie vielleicht bald im Bundesverwaltungsamt – die Arbeit für das Wohl der Bevölkerung liegen bleiben.

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