(openPR) Die Finanzierung von Handelsgeschäfte durch Akkreditive dürfte in diesem Jahr wieder anziehen, so das Ergebnis einer aktuellen ICC-Studie. Die Handelsfinanzierung hatte im Jahr 2009 ebenso wie der Welthandel stark gelitten. Für Deutschland als Exportnation ist sie die Basis für neue Aufträge aus dem Ausland. Allerdings könnten neue drohende Kapitalvorschriften die Marktversorgung gefährden.
Für die Studie „Rethinking Trade Finance 2010“ wurden weltweit 161 Banken aus 75 Ländern befragt. Sie ist die Follow-Up Studie zu zwei ähnlichen Befragungen der ICC im März und September 2009. Partner der Studie sind unter anderem die Welthandelsorganisation (WTO), verschiedene Entwicklungsbanken, der Finanzdienstleister SWIFT sowie die Berner Union, ein internationaler Zusammenschluss privater und staatlicher Exportkredit- und Investitionsversicherer. Der Bericht wird auch den Staats- und Regierungschefs im Vorfeld des nächsten G-20 Meetings in Toronto am 26. und 27. Juni 2010 vorgelegt.
Nicht nur der Wert der Handelsfinanzierungen hatte sich im Jahr 2009 verringert, sondern auch die Anzahl. So haben 43 Prozent der weltweit befragten Banken einen Rückgang im Export-Akkreditivgeschäft festgestellt. Auch im Import-Akkreditivgeschäft hat sich die Anzahl weiter reduziert, sagen 26 Prozent der Befragten. Eine positive Sonderentwicklung gab es nur im Asien-/Pazifik-Raum.
50 Prozent der Banken berichteten für das vergangene Jahr von einer höheren Nachfrage nach gesicherten traditionellen Instrumenten der Handelsfinanzierung. Denn diese bedeuten sowohl für Importeur und Exporteur ein geringeres Risiko. Allerdings sagten 42 Prozent der befragten Banken, dass sich die Kreditlinien für Unternehmen und Finanzinstitute in diesem Bereich 2009 weiter verringert hätten. Auch die Kosten für die jeweiligen traditionellen Handelsinstrumente seien 2009 weiter gestiegen.
„Für Deutschland als Exportnation hat das Thema Handelsfinanzierung natürlich eine große Bedeutung. Vor allem für Aufträge aus dem Ausland ist es wichtig, dass die Handelspartner unserer Unternehmen das Geschäft zu vertretbaren Bedingungen auch finanzieren können“, sagte Dr. Manfred Gentz, Präsident der Internationalen Handelskammer (ICC) Deutschland.
Die Aussichten für 2010 sind verhalten positiv, sollten aber aufgrund gesamtwirtschaftlicher Risiken nicht zu optimistisch gesehen werden. Die befragten Banken gehen zu 84 Prozent davon aus, dass die Nachfrage nach traditionellen Produkten zur Handelsfinanzierung 2010 steigen wird und 93 Prozent glauben, dass sie die Nachfrage befriedigen können. Auch erwarten nur 25 Prozent der Befragten eine weitere Steigerung bei den Transaktionskosten.
Als problematisch können sich geplante Eigenkapitalvorschriften erweisen. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat im Dezember 2009 Vorschläge für neue Regeln vorgelegt, die Ende 2010 beschlossen und von 2012 an eingeführt werden sollen. Die neuen Vorschläge des Baseler Ausschusses sollen die Anforderungen an die Eigenkapitalquote weiter erhöhen. Daher schlägt die ICC vor, innerhalb des Baseler Ausschusses eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema „Handelsfinanzierung“ zu bilden. „Es besteht sonst die Gefahr, dass bei den geplanten neuen Regulierungen risikoarme Handelskredite, z.B. bei Eigenkapitalunterlegung, dieselben Anforderungen erfüllen müssen wie andere, höher risikobehaftete Kredite. Das hätte signifikante negative Folgen für den globalen Handel“, so Manfred Gentz.
Bereits die bestehenden Kapitalvorschriften nach Basel II erschweren die Handelsfinanzierung. Denn die Vorschriften halten die Geldinstitute dazu an, relativ risikoarme Handelsfinanzierungen wie einen einjährigen Kredit zu behandeln, obwohl die meisten ‚Trade Finance’-Instrumente nur für einen Zeitraum von 90 bis 120 Tagen vereinbart werden.
„Die internationale Exportfinanzierung ist ein konservatives Geschäft, das Rückgrat des Welthandels und Basis für Wachstum ist. Wir dürfen den Bereich Handelsfinanzierung nicht wie hochspekulative Finanzprodukte behandeln. Denn die Kreditausfälle in der Handelsfinanzierung sind deutlich geringer als bei anderen Kreditgeschäften“, so Manfred Genz.
Download der Studie unter www.icc-deutschland.de






