(openPR) Düsseldorf, 24.03.2010 – Seit 2000 Jahren gibt es in Wellen den spontanen Aufbruch zahlloser Menschen: sie wollen lernen. Sie wollen nicht Zuschauer, sondern Produzenten ihres Lebens sein.
Für diese Zeichen der Emanzipation (von denen wir im 21. Jahrhundert bisher wenig sehen) gibt es wenig brauchbare Worte und Begriffe. Wenn man sagt „Schule“, „Unterricht“, „Lerngesellschaft“ oder „Bildungsreform“ sind das schwache Ausdrücke für eine starke Sache: nämlich für das Wunder, dass man Menschen am Lernen gar nicht hindern könnte. Nur dadurch ist die Menschheit in der Evolution übrig geblieben, weil es zur Menschenlust gehört, neugierig zu sein.
Das, was das Wort Bildung umschreibt, also der Begriff, besitzt eine unausgeschöpfte Aura. Dazu 21 Filme. Mit Beiträgen von Bildungsforschern, Wissenschaftlern, von Helge Schneider und Peter Berling, von Philologen und dem Bildungsberater Karls des Großen, dem Engländer Alkuin; mit Beispielen von Menschen an der Bildungsfront, die in ihrem Beruf ihr Leben opferten (zum Beispiel Adolf Reichwein).
Folgende Filme befinden sich im Einzelnen in der Themenschleife „Man kann nicht lernen, nicht zu lernen“, die ab Mittwoch, den 24. März, online auf www.dctp.tv zu finden ist.
Ein Rettungsboot namens Bildung. Ulrike Sprenger über das Potenzial, das Menschen verändern kann.
Zu den beliebten Kinderbüchern gehört die "Hasenschule". Tatsächlich aber gibt es Bildung und Institutionen des Lernens nur in menschlichen Gesellschaften. Der lateinische Begriff für Bildung heißt ERUDITIO: aus dem rohen Holz eine Form herausarbeiten. Dies entspricht einer früheren Vorstellung von Pädagogik. Die modernere Vorstellung hält dem entgegen: es ist besser von den Kindern zu lernen. Deren Natur ist reicher als jede Erziehung sein kann. Man soll, heißt es, bei Pestalozzi, bei Rousseua und bei dem modernen Bildungsforscher Piaget, nicht das Alte einprägen, sondern eine neue Welt entwickeln. Die Romanistin Prof. Dr. Ulrike Sprenger, Universität Konstanz und Verfasserin des Proust-ABC, über das RETTUNGSBOOT NAMENS BILDUNG.
Adolf Reichwein. Schulreform nach 1918 war zugleich Lebensreform.
Adolf Reichwein war hoher Ministerialbeamter im Preußischen Kultusministerium und ein Begründer der Erwachsenenbildung. Später begründete er eine Reformschule für Landkinder, die berühmt wurde. Nach dem 20.07.1944 wurde er wegen Widertands gegen Hitler zum Tode verurteilt: Leben und Tod eines markanten Bildungsreformers.
Die Hüter königlicher Bücher. Lob der Philologie.
Ursprünglich war die Philologie dazu da, heilige Texte zu bewahren und von Irrtum zu reinigen. In der Moderne wurde sie zur SCHLÜSSELWISSENSCHAFT. Sie entwickelte die Schule der Skepsis und sie ist HÜTERIN DES SINNS GROSSER WERKE. Sie gehört als VIERTE zu den poetischen Künsten.
Dr. Thomas Steinfeld, Leitender Redakteur der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, berichtet.
Der Pädagoge von Klopau.
Im Endkampf vor 1945 werden die Schüler eines Gymnasiums in Ostdeutschland zum Schanzeinsatz eingesetzt. Alle kommen um. Ihr Lehrer marschiert zum Kultusministerium in Berlin und protestiert. In Zukunft will er kein Lehrer mehr sein.
Was hilft mir mein Bauchgefühl? Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin über die Macht der Intuition.
Der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal war als Rationalis Erfinder der Wahrscheinlichkeitstheorie. Zugleich aber stammt von ihm der Satz: "Das Herz hat einen Verstand, den der Verstand selbst nicht versteht". Die Gleichgewichte zwischen Ratio und Intuition sind das Forschungsthema von Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Wann ist es richtig, dass ich meinem Bauchgefühl vertraue? Wann ist es notwendig, dass ich allein den Kopf gebrauche?
Begegnung mit Gerd Gigerenzer aus Anlass seines neuen Buchs "Bauch-entscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition".
Lehrerin Margit M.
Eine bildungshungrige Lehrerin findet sich nach Kriegsende auf dem Gebiet der späteren DDR. Sie ist Reformpädagogin. Ihre Ideen von ganzheitlicher Erziehung werden abgelehnt. Sie wird Organistin.
Man kann nicht lernen, nicht zu lernen. Oskar Negt über Immanuel Kants Schrift „Was heißt Aufklärung?“
In der Adventszeit 1783 veröffentlichte Immanuel Kant den Aufsatz: "Was ist Aufklärung?". Dieser Aufsatz enthält die klassische Definition des vernünftigen Emanzipationsprozesses, der ein ganzes Zeitalter bewegte. Jede Gesetzgebung, sagt Kant, die den Prozess der Aufklärung der Menschen endgültig aufzuhalten versucht, ist null und nichtig. Er ist auch auf etwas Unmögliches gerichtet, weil sich Menschen in ihrer Emanzipation nicht aufhalten lassen. Was heißt Aufklärung? Was sind die Grundlagen dieses Prozesses, der so lange ein Projekt blieb und doch unaufhaltsam zu sein scheint?
Oskar Negt, Soziologe und Philosoph, berichtet.
Was heißt lernen? Computer und Neurowissenschaft. Mit Prof. Dr. Klau Obermayer.
Prof. Dr. Klaus Obermayer leitet eine Arbeitsgruppe an der Technischen Universität Berlin , die an der Nahtstelle von Biologie und Physik die Zukunft maschineller und menschlicher Intelligenz erforscht. Computer rechnen, Menschen lernen. Was bedeutet dieser Unterschied für die Architektur des Verstehens? Was bedeutet dieser Unterschied für die Evolution der Computer und die der Menschen?
Die goldene Palme von Cannes für einen Film von der Bildungsfront. Eine Schule im Pariser Problembezirk.
Im 12. Arrondissement im Südosten von Paris kämpfen die Lehrer einer Schule an der Bildungsfront, Jahr für Jahr. In jedem Augenblick fällt in der Auseinandersetzung mit den Schülern eine Entscheidung. Für seinen ungewöhnlich realistischen Film ENTRE LES MURS erhielt der Regisseur und Laurent Cantet und sein ausgezeichnetes Team den höchsten Preis des Festivals von Cannes: die Goldene Palme.
Die Sprache ist ein Fluss. Texte von Alkuin (800 n. Chr.) und Jacques Derrida.
Ist Bildung ein Acker oder gehört sie zur Schifffahrt? Mit Wolfgang Edelstein.
Wozu brauchen wir Experten?
Von der Universität des Mittelalters bis zum modernen „Sachverständigen“.
Die Reform geht mir nicht weit genug.
In der Öffentlichkeit wird diskutiert, ob man ganz oder teilweise zur alten Rechtschreibung, festgelegt im Duden von 1991, zurückkehren oder auf der Rechtschreibreform beharren soll.
Dies greift zu kurz. Der Rechtschreib-Experte Fritz Kleiber behauptet: Die Rechtschreibreform geht noch längst nicht weit genug. Mehr Freiheit für die Konsonanten! Gleiches Recht für zuwenig genutzte Buchstaben wie X, Y und Z. Mit Peter Berling als Oberstudiendirektor Fritz Kleiber.
Elefanten sind Lerntiere. Über Charaktereigenschaften von Elefanten. Mit Ruedi Tanner vom Zoo Zürich.
Im Züricher Zoo gilt der Elefantenpfleger Ruedi Tanner innerhalb der Elefantenherde als "Oberste Tante". Er berichtet von der Geburt des Elefantenkalbes Upali, vom erlernen guter Eigenschaften und von schlechten Eigenschaften, die Elefanten nur in Gefangenschaft lernen, von den Sitten des Elefantenbullen Max und vieles andere.
Beinahe wären wir Römer geworden. Helge Schneider als Oberstudiendirektor Thormaelen aus Oberhausen.
Helge Schneider als Oberstudiendirektor Thormaelen aus Oberhausen. Er ist zugleich Vorsitzender des Varus-Vereins. Bekanntlich wurde vor 2.000 Jahren, im Frühherbst 09 n.Chr., der römische Feldherr Varus mit seinen Legionen durch Hermann den Cherusker vernichtet. Oberstudiendirektor Thormaelen kritisiert die neuerdings üblichen Feiern zum Jubiläum von 60 Jahre Bundesrepublik. Der Gesichtswinkel erscheint ihm zeitlich verkürzt, wenn doch Deutschlands Geschichte 2.000 Jahre umfasst. Damals, im Jahre 09, hätte die Chance bestanden, dass Varus gesiegt hätte und wir alle Römer geworden wären. Wären wir dann zivilisierter? Was wären die Auswirkungen für den Lateinunterricht in der Oberprima? Helge Schneider als Oberstudienrat Thormaelen und Vorsitzender des Varus-Vereins.
Das Lernen lernen! Oberschulrat Dr. Karl Wolff ruft zur Besinnung
Krise in Hessen! Die Antworten des engagierten Pädagogen Dr. Karl Wolff klingen gereizt. Auf das Fach Geschichte wird keine hinreichende Rücksicht genommen! Das 9. Gymnasialjahr fehlt! Nicht einmal für den Stoff des Jahres 1099 (Erster Kreuzzug) ist Zeit. Wie soll man da das Lernen lernen!
Peter Berling als Oberschulrat.
COOL DEF DANCE / Eine Tanzschule für Gehörlose in N.Y.
Eine junge Tänzerin mit Namen Aziza hat in dem Statdtteil Harlem in N.Y. einen Tanzschulen-Workshop errichtet, in dem Behinderte und Taubstumme durch die Bodenerschütterung, die die Musik auslöst, tanzen lernen. Ihre Lieblingstänze sind Rap, d.h. mit Sprechen verbunden. Sie nehmen dafür die Gebärdensprache zu Hilfe.
Des Weiteren wird die Themenschleife nach und nach um folgende Filme erweitert werden:
Die neun lernwilligen Kinder.
Wenige Jahre vor 1900 lebt in Galizien eine Schar von Kindern, die gern zur Schule gehen. Es herrscht klirrende Kälte. Dennoch brechen sie auf, um am Tag von Heiligabend die Schule zu erreichen. Auf dem Rückweg kommen sie im Schneesturm um.
"Lernen ist der Gegenpol für Krieg". Mirco Baumm über Paul Virilio, den Krieg und die Hochrüstung des Lernens.
Der Krieg tritt auf "neuausgerüstet in seinen ältesten Gewändern", so nennt es der Theoretiker Paul Virilio in Paris. Der einige bekannte Gegenpol zum Krieg heißt nicht Frieden, sondern: lernen.
Dieses Lernen läuft in unseren modernen Gesellschaften im Arme - Sünder - Gewand umher. Der Designer Mirco Baumm hat den Auftrag, einen Kongress auszugestalten. Es geht um die Hochrüstung des Lerners. Die Stickworte des Kongresses heißen: Innovation, Drama und Ritual. "Iß nie mehr als du tragen kannst", sagt Miss Piggie. "Was bleibt, ist nicht". Ein ungewöhnlicher Kommentar zur Bildungsreform.
DNA-Computer. Gregorz Rozenberg über 3,5 Milliarden alte Tiere, Genies des Parallellrechnens.
Silicon-Computer müssten zwei Jahrhunderte rechnen, um ein Problem zu lösen, das ein DANN-Computer in 24 Stunden durchrechnen wird. Einer der Pioniere dieser revolutionären Informationstechnolgie ist Gregorz Rozenberg. Rechnen, sagt er, lernen wir vom Kosmos, von den Zellen und von den genialen Wimperntierchen, die zwei winzige Zellkerne besitzen. Einer dieser Zellkerne weiß sich über 3,5 Milliarden Jahre zu erinnern und rechnet andauernd.
Schneller, billiger und out-of-control. Artificial Life Spezialist Rodney Brooks entwickelt autonome Roboter.
Rodney Brooks ist freier Unternehmer und zugleich Direktor des ARTIFICIAL LIFE LABORATORIUM am Massachusetts Institute of Technology. Er entwickelt Roboter, die autonom auf fernen Planeten, tief unter der Erde in Ölbohrlöchern und auch als Spielzeug operieren können. Sein tüchtigster Roboter heißt "Chingis" und arbeitet "ohne Kopf". Wie vermeiden es Menschen, fragt Rodney Brooks, dass sie digitale Chauvinisten werden? Sie können es nur lernen, wenn sie die Autonomie der roboterischen Intelligenz achten. Sie bringt auch Einfälle.
Direktlink zur Themenschleife „Man kann nicht lernen, nicht zu lernen“: http://www.dctp.tv/bildung/











