(openPR) Die OUTLAW gGmbH arbeitet bundesweit mit über 60 Teams und Einrichtungen in denen rund 1000 Menschen betreut werden.
OUTLAW ist damit an einer zentralen Schnittstelle unserer Gesellschaft tätig, alle politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen sind im Bereich Familie oft besonders stark, wenn auch nicht immer unmittelbar bemerkbar. Das breite Angebotsspektrum macht OUTLAW zu einem Spezialisten für die Belange von Familien, Kindern und Jugendlichen, ein Know-how, das wir gern mit Ihnen teilen.
Theo Boomgaarden, der Geschäftsführer der OUTLAW gGmbH, kommentiert in einer monatlichen Kolumne das aktuelle politische Geschehen aus der Perspektive, einer Organisation, die an der Seite der Familien, Kinder und Jugendlichen steht.
Den aktuellen Kommentar „Die Bildung, die Kosten und die falschen Kinder“ finden Sie anbei. Wir laden Sie herzlich ein, die Homepage von OUTLAW zu besuchen und freuen uns auf Ihr Feedback: www.outlaw-jugendhilfe.de
Kommentar Februar 2005
Die Bildung, die Kosten und die falschen Kinder
Es geht schon merkwürdig zu in diesem Land. In den ersten Wochen des Jahres werden die Bilanzergebnisse des Vorjahres veröffentlicht. Die großen Konzerne verzeichnen Rekordergebnisse. Und was ist die Folge? Aus den Konzernzentralen werden Massenentlassungen angekündigt, der Sozialdemokrat Clement fordert massive Steuersenkungen. Beides wird so eintreten, früher oder später. Und Herr Henkel erklärt uns das Ganze, hier regieren die Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Und der Mann hat Recht, hier sind nicht böse Menschen am Werk, sondern Manager, die ihren Job tun. Und der Job verlangt nach Vermehrung des Ertrages, ohne Limit. Diejenigen sogenannten Wirtschaftsethiker, die ihnen das vorwerfen, könnten auch in den Zoo gehen und verlangen, dass die Löwen nur noch Gemüse essen.
Und in genau dieser Situation hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Bundesländer darüber bestimmen können, ob sie Studiengebühren erheben wollen oder nicht. Die CDU regierten Länder werden diese Option zügig ziehen, schon ab dem Wintersemester. Es ist die Rede von zunächst 500,- Euro pro Semester, aber im Gespräch sind auch perspektivisch 2500,- Euro. Junge Menschen, die nicht aus Elternhäusern mit höherem Einkommen stammen und von kreditiertem BAföG abhängig sind, verschulden sich durch ein Studium mit bis zu 100.000 Euro. Ein Bildungsökonom hat das so erklärt: Bildung ist eine Investition in die Zukunft wie der Erwerb eines Hauses, und dafür muss man auch Kredite aufnehmen. Damit ist es auf den Punkt gebracht, Bildung ist eine Ware wie jede andere auch. Und Waren haben es nun einmal an sich, dass die einen sie sich leisten können und die anderen nicht. Wir nehmen nun auch verbal und theoretisch endgültig Abschied von der in den 70er und 80er Jahren noch so viel beschworenen Chancengleichheit in der Bildung, die es ja real längst nicht mehr gibt, wie uns die PISA-Studien in schöner Regelmäßigkeit vor Augen halten. Selbstverständlich wird die Einführung von Studiengebühren dazu führen, dass Kinder aus Familien mit mittlerem oder niedrigem Einkommen noch seltener studieren, und damit steht dieses Land vor einem weiteren Dilemma. Es gibt in Deutschland zu wenig AbiturientInnen und zu wenig Studierende. Dass dieser Trend sich fortsetzen wird, wissen sicherlich auch die KultusministerInnen, sie nehmen es in Kauf.
Interessant ist es, sich die Argumentationen für die Kostenpflichtigkeit des Studiums näher anzuschauen. Besonders hervorgetan hat sich dabei Herr Wulf, Ministerpräsident von Niedersachsen. Er meinte, es sei nicht einzusehen, dass Eltern für die Betreuung ihrer Kinder in Kindertageseinrichtungen viel Geld bezahlen müssten, während das Studium kostenlos sei. Dies ist in der Tat eine rhetorische Meisterleistung, das eine Übel wird mit dem schon bestehenden anderen Übel begründet. Konsequent zu Ende gedacht heißt es dann aber auch, dass wieder das Schulgeld eingeführt wird. Warum soll denn die schulische Bildung kostenlos sein, wenn die Vor- und Nachschulische bezahlt werden muss. Die Dämme brechen, die Fantasie der Politik bei der Abwälzung von Kosten auf die BürgerInnen ist offensichtlich grenzenlos und verhält sich umgekehrt proportional zur Fantasie bei der Generierung von Einnahmen von denen, die es sich leisten könnten. Herr Wulf hätte einen Punkt machen sollen, nach seinem ersten Satz. Es ist nicht einzusehen, dass Eltern für die vorschulische Erziehung viel Geld bezahlen müssen.
In jeder Debatte, die bisher bestehende Grenzen sprengt, gibt es Hinterbänkler, die sich besonders hervortun wollen. Der junge FDP-Bundestagsabgeordnete Daniel Bahr aus Münster meinte, die Diskussion durch den Satz bereichern zu müssen, dass bei uns die falschen Eltern die Kinder bekommen. Diese an Zynismus schwerlich zu überbietende Aussage bringt es auf den Punkt. Wenn falsche Eltern Kinder bekommen, gibt es wohl auch falsche Kinder. Gemeint sind sicher Kinder von Arbeitslosen, SozialhilfeempfängerInnen oder Hartz IV-Beschäftigten und natürlich Kinder von MigrantInnen. In deren Bildung zu investieren ist sicherlich aufwändiger, nach einem reinen Kosten-Nutzen-Kalkül unrentabler. Wer aber diese Kategorien - übrigens mit wenig öffentlichem Widerspruch - in die Bildungsdebatte einführt, muss sich fragen lassen, ob ihm ein zentrales Element des Grundgesetzes, nämlich das Gleichheitsgebot, noch etwas bedeutet. Es bereits bei Kindern auszuhebeln, ist mehr als fahrlässig.










